War das wirklich nötig? Diese Frage stellen sich Studenten in Augsburg, nachdem die Besetzung des Großen Hörsaals an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) gestern nach fast sieben Wochen mithilfe der Polizei beendet wurde. Dies zeige die ganze Hilflosigkeit der Münchner Unileitung, sagte Mathias Fiedler, einer der Aktiven im Augsburger Bildungsstreik. "Ich finde es gut, dass es in Augsburg nicht so weit kommen musste."

LMU-Präsident Bernd Huber hatte gestern auf sein Hausrecht gepocht und Polizei angefordert, um die letzte noch besetzte Hochschule in Bayern zu räumen. Die Besetzung sei zum Selbstzweck verkommen, so Huber, der Protest habe sich völlig von den Interessen der Mehrzahl der Studierenden entfernt.
Studenten der Uni Augsburg, die sich ebenfalls am bundesweiten Bildungsstreik beteiligt haben, bedauerten gestern, dass der Polizeieinsatz nötig war. Die Probleme, etwa mit dem neuen verschulten Bachelor-Studium oder mit den Studiengebühren, seien damit nicht gelöst worden. An der Uni Augsburg hatten die Hörsaalbesetzer ihre Proteste nach 35 Tagen kurz vor Weihnachten ausgesetzt (wir berichteten). Sie haben der Unileitung nach einem Treffen bis Ende Januar Zeit gegeben, einen Fahrplan für Reformen der Studienbedingungen vorzulegen. Auf dieses Stillhalteabkommen mit den Studenten baut auch Uni-Pressesprecher Klaus Prem. Er rechnet nicht damit, dass es nach den Feiertagen zu einer neuen Eskalation kommen wird. "Die Uni ist dran, die Probleme zu entschärfen", so Prem. Momentan gebe es keinen Anlass für Proteste.
Auch im Kreis der Augsburger Hörsaalbesetzer geht man davon aus, dass der Reformprozess an der Uni "um einiges weiter ist" als an der LMU in München. Man werde nun abwarten, welche Ergebnisse das vereinbarte Treffen mit Verantwortlichen der Uni Ende Januar bringe. Falls die Reformvorschläge nicht ausreichend seien, werde man die Protestaktionen fortsetzen, kündigte Fiedler an, "in welcher Form auch immer". (eva) »Bayern
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