Wochen des Protests haben manche Hörsaalbesetzer ziemlich geschlaucht. Viele wollen nach Hause, - doch der harte Kern ist noch da. Von Nina Schleifer

Gestern, 13.45 Uhr: Die Besetzer des Hörsaals feiern "vierwöchiges Jubiläum". Seit genau 28 Tagen liegt der Hörsaal I fest in der Hand der Studenten. Es ist ein normaler Streiknachmittag: Viel ist nicht los, der harte Kern ist dennoch da. Unter den 30 bis 40 Studenten ist auch Tobias Hartmann. Der 28-Jährige ist seit vier Wochen dabei und ziemlich fertig. Jede Nacht auf Matratzen schlafen, tagsüber Essen organisieren, auf engem Raum mit dutzenden anderen leben und "nebenbei" studieren (Seminare laufen weiter) und Arbeit erledigen - das schlaucht. "Ich bin absolut am Ende."
Etwa 20 Studierende schlafen beinahe jede Nacht im Audimax. Matratzen und Decken liegen auf dem Boden, Hängematten sind über den Sitzen gespannt. Trotzdem: Entgegen kursierender Gerüchte stinkt es weder im Hörsaal, noch ist es besonders unordentlich. Die Besetzer haben es sich so wohnlich wie möglich gemacht: Blumentöpfe stehen auf den Tischen, Poster hängen an den Wänden. Der Sinn der Besetzung steht trotzdem im Vordergrund. Zahlreiche Plakate, auf denen die Forderungen und Kritiken stehen, säumen die Wände. Für den Pressespiegel ist eine ganze Wand direkt beim Eingang reserviert.
Der Tag ist straff organisiert: Um 8 Uhr klingelt der Wecker, danach gibt es ab und an Frühsport. Bei Kaffee und Brötchen - Bäcker spendieren die Reste vom Vortag - gibt es eine tagesaktuelle Presserundschau. Mit Mobilisierungsaktionen, Arbeitsaufteilungen, Vorlesungen, Diskussionsrunden und Plenumssitzungen geht der Tag schnell vorbei. Manchmal dauern die Sitzungen bis spät in die Nacht.
Das Anstrengendste am Leben eines Studenten im Streik sei die Tatsache, dass das normale Leben weitergeht. "Man mus sich selber seinen Freiraum schaffen", sagt Johanna Hölzl, die es sich mit einer Tasse Glühwein in einer Hängematte gemütlich gemacht hat. Zwischenzeitlich sei das Leben im Hörsaal durchaus hart gewesen, aber die Ziele der Studenten und das gute Miteinander seien die Anstrengungen wert. "Man muss einfach Kraft und Mühe investieren, wenn man etwas erreichen will."
Sebastian Janton war die ersten zwei Wochen rund um die Uhr dabei, jetzt ist er etwa drei Tage pro Woche im Hörsaal. Für ihn war es zwar sehr anstrengend, aber er genießt es, so viele interessante Leute kennengelernt zu haben.
Heute Gespräch mit Unileitung
Das heutige Ziel ist zunächst ein gutes Gespräch mit der Unileitung. Hier soll es auch um den Forderungskatalog der Besetzer, der Punkte wie BAföG, Regelstudienzeiten und Studiengebühren umfasst, gehen.
Es gibt keine konkreten Pläne, wie lange die Besetzung noch laufen wird. "Es dauert so lange, wie es dauern muss", sagt Matthias Fiedler. Hartmann ist derselben Meinung: "Die Besetzung endet dann, wenn der Letzte geht." Weihnachten werden aller Voraussicht dennoch die meisten daheim feiern. "Vielleicht gibt es einen geordneten Rückzug über die Feiertage", so Hartmann. "Aber nur, um danach gestärkt weiter zu kämpfen." Nina Schleifer
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