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18. Oktober 2010 19:39 Uhr

Augsburg

Todesspringer war für Konsum harter Drogen bekannt

Nach dem Selbstmord eines Augsburgers mit einem Sprung aus einem Flugzeug kommen neue Details ans Tageslicht. Der 26-Jährige war psychisch auffällig. Von Stefan Krog

Ein 26-jähriger Augsburger stürzte sich aus einem Flugzeug und fiel auf einen Reiterhof.

Dass es hier passierte, daran erinnert zwei Tage nach dem Drama nur eine Plastikplane auf dem Dach, darunter ist ein Loch in die Ziegel und die Dämmung gerissen.

Hier, auf einem Reiterhof im Kreis Dachau, schlug am Samstag der Körper des 26-jährigen Pascal R. aus einer Höhe von 500 Metern auf. Der Augsburger hatte sich, wie berichtet, aus einem Sportflugzeug gestürzt. Eine Reiterin musste mit ansehen sehen, wie der Körper auf den Boden zuraste. Als die zu Hilfe gerufenen Betreiber des Reiterhofs die Tür zu dem Gebäude öffneten, entdeckten sie die Leiche.

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Über das Motiv der ungeheuerlichen Tat, die ein bundesweites Medienecho auslöste, kann auch zwei Tage später nur gerätselt werden. Ein Abschiedsbrief, der in der Wohnung des Selbstmörders gefunden wurde, gibt keine klare Auskunft. Bekannt ist, dass R. mit der Polizei mehrfach wegen des Konsums von harten Drogen zu tun hatte und zuletzt psychisch auffällig war. Zur Frage, ob er auch bei seiner Tat unter Drogen stand, kann die Rechtsmedizin erst in einigen Wochen etwas sagen, wenn die Gewebeuntersuchungen fertig sind.

R. hatte am Samstagmittag vom Augsburger Flughafen aus einen Rundflug in einer Sportmaschine Richtung München gemacht. Auf dem Rückweg zog er ein Klappmesser mit zwölf Zentimetern langer Klinge heraus und hielt es dem Piloten mit den Worten "Ich will sterben" an den Hals. Der 42-Jährige, ein früherer Tornadopilot der Luftwaffe, wehrte den Angriff ab. Er wurde an den Händen und am Hals verletzt, konnte das Krankenhaus aber bereits wieder verlassen.

R., der nicht wie bei Rundflügen üblich rechts neben dem Piloten saß, sondern auf den Rücksitz wollte, öffnete die rechte Tür und stürzte sich aus dem Flugzeug. Sein Körper schlug auf dem Reiterhof auf - keine 100 Meter neben der Autobahn. Dass R. die Absicht hatte, neben dem Piloten weitere Menschen mit in den Tod zu reißen, ist unwahrscheinlich. "Darauf gibt es keine Hinweise", so Hans-Peter Kammerer, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern-Nord. Der Angriff erfolgte, als die Maschine München hinter sich gelassen hatte und Augsburg noch nicht in Sicht war.

Auch wenn die Ermittlungen der Kripo Fürstenfeldbruck weitgehend abgeschlossen scheinen: Die Augsburger Polizei nimmt den 26-Jährigen noch genauer unter die Lupe. In seiner Pferseer Wohnung sammelte er Samuraischwerter. Ein Video auf seiner Homepage zeigt, dass er damit auch umgehen konnte. Es ist eine dünne Spur, aber die Kripo überprüft, ob der 26-Jährige für das Schwertattentat auf eine Radlerin in der Flandernstraße in Pfersee-Nord 2005 verantwortlich sein könnte. "Es gibt keine konkreten Hinweise", betont Polizeisprecher Robert Göppel. Allerdings müsse man dieser Spur nachgehen - genauso, wie man seit dem Attentat routinemäßig mögliche Tatwaffen untersucht.

Bei dem aufsehenerregenden Angriff 2005 hatte der Täter einer Radlerin von hinten ein Schwert in den Nacken geschlagen und sie schwer verletzt. Der Täter ist ein Phantom: Außer einer sehr vagen Fahndungszeichnung und der Beschreibung, dass er zwischen 25 und 40 Jahren alt war, gibt es keine Spuren. Die Altersangabe scheint eher nicht zu passen. Allerdings hatten die Ermittler auch in Betracht gezogen, dass es sich um einen psychisch auffälligen Täter handeln könnte.

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