Samstag, 21. Oktober 2017

17. September 2016 00:34 Uhr

Mozart@Augsburg

Transpiration und Inspiration

Daniel Hope und sein Quartett in Brahms-Euphorie Von Ulrich Ostermeir

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Mitreißend und virtuos musizierten Daniel Hope (im Vordergrund) und sein Quartett im Kleinen Goldenen Saal.
Foto: Wolfgang Diekamp

Extrem waren die Temperaturen ohnehin am Donnerstag im ausverkauften Kleinen Goldenen Saal. Spotlights, die das Klavierquartett um Meistergeiger Daniel Hope in den Fokus rückten, taten ein Übriges dazu. Aber all dies focht die Künstler wenig an, souverän wie diskret meisterten sie die Situation, bannten die Schweißperlen, hielten dezent korrigierend vortrefflich die Stimmung, als sei Erfolg eben 99% Transpiration und 1% Inspiration.

Kühn die Spannungskurve, die über Mahler und Schumann in Brahms kulminierte. Vehement brach sich dessen g-Moll-Quartett Bahn. Von Wu Han am Flügel zu Beginn sehr feinfühlig ausgelotet, gewann das Allegro-Thema raumgreifend Prägnanz, die Kraft ausstrahlte und Violine, Viola und Cello auf mächtigem Unisono-Gipfel vereinte, vom Klavier nun unwirsch erregt begleitet. Sich reich verströmendes Melos glättete die Wogen, von Hopes strahlender Violine, Paul Neubauers samtener Viola und David Finckels sonorem Cello schwelgend entfaltet. Die extreme Energie dieses Satzes schaukelte sich über kühne Crescendo-Verläufe hoch, sodass die Ausnahmekünstler sich förmlich einen Fight lieferten. Im Intermezzo fällt gedämpft die Nacht herein. Das war sehr zart und innig ausmusiziert, Leben brachte das Trio ins Spiel, das in der Coda ätherisch ausklang. Das Rondo alla zingarese zündete voller Presto-Elan: fein die Balance zwischen Puszta-Melancholie und überschäumendem Magyaren-Blut. Bei allem Schweiß – das war pure Brahms-Euphorie.

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Schumanns Doppelnatur, wie sie auch im Es-Dur-Klavierquartett zutage tritt, war in diesem Klima gefährdet. Schumanns Mottotechnik baut über das Sostenuto assai eine Fragehaltung auf, die den Kopfsatz durchzieht, deren Wehmut in ein lebensfrohes Allegro umschlägt. Hier verschwiegen besinnlich Eusebius, dort Florestan Lebensmut. Zu dominieren begannen jetzt Optimismus, Zuversicht und Daseinsfreude, wie sie klangprächtig aus der Durchführung des 1. Satzes sprachen, wie sie sich im pointierten Staccato des Intermezzos äußerten, wie es das mehrstimmige Fugato im Vivace-Finale aufzeigte. Das war brillant virtuos und mitreißend interpretiert. Den berührenden Kontrapunkt setzte Hopes innige Zwiesprache mit David Finckel im Andante cantabile.

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