Montag, 23. Oktober 2017

12. Oktober 2017 06:58 Uhr

Augsburg

"Trinkerstube": Süchtigen-Treff am Haller-Platz kommt im Januar

Nach langem Suchen hat die Stadtverwaltung eine Räumlichkeit in der Nähe des Oberhauser Bahnhofs gefunden. Aus der genauen Lage macht sie noch ein Geheimnis.

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Ein Blick auf den Helmut-Haller-Platz in Oberhausen: Im Umkreis von etwa 500 Metern soll ein betreuter Treffpunkt für die Süchtigen- und Trinkerszene eingerichtet werden.
Foto: Silvio Wyszengrad

Voraussichtlich im Januar will die Stadt einen betreuten Treffpunkt für Alkohol- und Drogenabhängige in der Nähe des Oberhauser Bahnhofs einrichten. Über die Schaffung dieses Treffs war politisch lange debattiert worden. Die Einrichtung, die in der Vergangenheit den Arbeitstitel „Trinkerstube“ trug, soll die Situation auf dem Helmut-Haller-Platz entspannen. Nach einem knappen Jahr Suche hat die Stadt eine Immobilie gefunden, gab Ordnungsreferent Dirk Wurm (SPD) am Mittwoch bekannt. Zur Adresse wollte er sich noch nicht äußern. „Der Mietvertrag soll kommende Woche unterschrieben werden. Den Standort werden wir erst veröffentlichen, wenn die Tinte unter dem Vertrag trocken ist.“ Sofort im Anschluss sollen laut Stadt die Nachbarn informiert werden.

Man wolle sie in einem ersten Schritt per Post informieren und dann in die Räume einladen, sagt Janina Hentschel, die bei der Stadt für die urbane Konfliktprävention zuständig ist. Dass in der Nachbarschaft des Treffpunkts Begeisterungsstürme ausbrechen werden, ist nicht wahrscheinlich. Die Einrichtung soll dienstags bis freitags von 13 bis 18 Uhr geöffnet sein. Süchtige sollen dort von Drogenhilfe und dem Sozialverband SKM betreut werden. Zwei Sozialpädagogen sind als Ansprechpartner da. Das Trinken von mitgebrachtem Alkohol (bis zu drei Flaschen Bier) wird erlaubt sein.

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Etwa 400 bis 500 Meter entfernt

Die Räumlichkeit im Erdgeschoss ist offenbar 400 bis 500 Meter vom Oberhauser Bahnhof entfernt und verfügt über genug Platz, um dort einen Treffpunkt zu betreiben und Einzelgespräche oder eine Arztsprechstunde im Hinterzimmer abzuhalten. Der Mietvertrag soll auf zwei Jahre befristet sein.

Im Ordnungsausschuss des Stadtrats stieß das Vorgehen der Stadt nicht nur auf Beifall. Auch die Stadträte erfuhren die Adresse der Lokalität nicht. In der Stadtverwaltung ist nur eine Handvoll Mitarbeiter im Bilde. „Ich kann den Ablauf nicht nachvollziehen. Erst wird der Vertrag unterschrieben und dann will man die Bürger einbinden?“, fragte Stadtrat Peter Schwab (CSU). Schwab war vor einem Jahr bei der entscheidenden Grundsatzabstimmung der Hauptwortführer gegen die Einrichtung. Die Erwartungen in den Treff seien viel zu hoch, andere Ansätze habe die Stadt bisher nicht genutzt. Er bleibe zudem bei der Bezeichnung „Trinkerstube“, weil dort das Trinken von Alkohol erlaubt sein soll. Die Stadträtinnen Pia Haertinger (Grüne) und Regina Stuber-Schneider (FW) warfen Schwab vor, das Projekt kaputtzureden. „Man muss den Menschen und dem Projekt eine Chance geben.“ Fraktionsübergreifend zeigten sich Stadträte einverstanden, erst zeitgleich mit Anwohnern über den Standort informiert zu werden.

Die Stadt sieht den Süchtigen-Treff als einen wichtigen Baustein, um die Situation auf dem Haller-Platz zu verbessern. In den Nachmittagsstunden sollen auf diese Weise nicht mehr Trinker und Süchtige den Platz dominieren. Zuletzt habe sich der Platz in einer Spirale befunden, so die Stadt: Wegen der Süchtigen habe das Sicherheitsgefühl gelitten, sodass der Platz von Passanten gemieden wurde. Das habe zu einer noch stärkeren Dominanz der Szene geführt.

Um die Situation zu verbessern, hatte die Stadt zuletzt den Spielplatz im hinteren Eck des Platzes eingeebnet, um den Süchtigen Raum abseits der Reisenden-Ströme zu geben. Allerdings wird dieser Platz bei Regen und im Winter kaum angenommen.

Momentan bevölkern um die 20 Menschen ab 7 Uhr morgens den Platz vor dem Bahnhof und unter dem Vordach, im Sommer ist es teils ein Vielfaches. Immer wieder kommt es zu Vorfällen und Rettungsdiensteinsätzen. Zuletzt hatte ein Trinker mit mehr als vier Promille Polizei und Rettungsdienst stundenlang beschäftigt.

Geht die Szene dorthin?

Die Szene würde einen Treffpunkt durchaus begrüßen, sagt ein Betroffener, merkt aber auch an, dass dieser aber vor allem bei schlechtem Wetter genutzt werden würde. „Im Sommer weiß ich nicht, ob ich da hingehen würde.“

Stadtrat Peter Grab (WSA) hatte der Stadt zuletzt 1000 Unterschriften übergeben, um Verbesserungen auf dem Haller-Platz durchzusetzen. Er wirft Ordnungsreferent Wurm „Untätigkeit“ vor. Die Umsetzung eines Gesamtkonzepts lasse zu lange auf sich warten. Eine Verschönerung mit Blumenkübeln entspreche kaum den aktuellen Standards für die Gestaltung eines Platzes im Stadtteilzentrum.

Wurm weist die Vorwürfe zurück. Ein solches Konzept dauere eben. Man werde weiterhin eine „inhaltliche Bespielung“ des Platzes forcieren, wie in der Vergangenheit mit der „Friedenstafel“. Auch die Konzerte von Gastronom Stefan „Bob“ Meitinger unterstütze man. Ab kommendem Jahr wolle man zudem Hochbeete im Bereich der Tiefgaragenausfahrt aufstellen, die von Paten aus dem Stadtteil – etwa Schulen – bepflanzt werden können. Auch das soll zur Durchmischung des Platzes beitragen. „In einem Jahr werden wir sehen, wo wir stehen und was die Maßnahmen gebracht haben.“

Den Kommentar „Schnell Klarheit schaffen“ lesen Sie hier.

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Stefan Krog

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