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19. März 2010 04:57 Uhr

Über Vielfalt und Frieden

Die Integration in eine vielkulturelle und vielreligiöse Gesellschaft hat in Deutschland gerade erst angefangen. Darin waren sich die ehemalige Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts, Prof. Jutta Limbach, und der Augsburger Friedenspreisträger Helmut Hartmann beim Auftakt der neuen Veranstaltungsreihe "Zusammen leben - Augsburger Reden zu Vielfalt und Frieden in der Stadtgesellschaft" im Goldenen Saal sofort einig. "Wir sollten mehr politische Fantasie walten lassen, um nicht nur die Kinder der Migranten, sondern auch die Erwachsenen in unsere Gesellschaft zu holen", sagte Limbach.

Hartmann drang auf ein kommunales Wahlrecht für Migranten. "Der Ausländerbeirat gehört aufgelöst, seine Mitglieder sollten in den Ausschüssen des Stadtrates Sitz und Stimme haben", verlangte der Friedenspreisträger auf dem Podium, das sich nach Limbachs Rede unter der Moderation von Prof. Christoph Weller, Inhaber des Uni-Lehrstuhls für Friedens- und Konfliktforschung, bildete.

Als Voraussetzung für eine vielreligiöse Gesellschaft nannte die Juristin Jutta Limbach die Religionsfreiheit und den säkularen Staat. "Eine Verpflichtung seiner Bürger auf das Christentum kann es nicht geben", betonte sie. Es gebe in Deutschland auch kein Gebot zur kulturellen Assimilierung.

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Weltanschauliche Neutralität des Staates dürfe nicht mit Gleichgültigkeit und religiöse Toleranz nicht mit Indifferenz gleichgesetzt werden, warnte die Juristin. Religiöse Praktiken, beispielsweise restriktive Verhaltensregeln für die Frauen, dürften hierzulande nicht Gesetz und Verfassung widersprechen. Kirche und Staat seien in Deutschland zwar prinzipiell getrennt, aber durchaus aufeinander bezogen. "Der Staat darf mit den Kirchen zusammenarbeiten", so Limbach.

Stadtdekanin Susanne Kasch deutete an, dass das Grundgesetz prägende Überzeugungen enthält, "die für manche Religionen selbstverständlicher sind als für andere". Einen Zwang zur interkulturellen Verständigung könne es nicht geben. "Was wir aber tun können, ist Nachbarschaft zu pflegen", sagte sie. Matthias Garte, Verfasser des Weißbuchs "Integration in Augsburg", meinte, die städtische Verwaltung sei heute besser für interkulturelle Belange geschult. Einen Eklat, wie beim gescheiterten Bau einer Moschee im Hochfeld, sollte es nicht mehr geben. Er beklagte, dass es aufseiten der Migranten kaum feste Strukturen und Ansprechpartner für die Behörden gebe.

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