Donnerstag, 18. Januar 2018

08. Januar 2015 14:00 Uhr

Augsburg

Unbesetzte Schichten: Die Notarzt-Situation bleibt angespannt

Auch in den nächsten Tagen sind nach derzeitigem Stand mehrere Notarzt-Schichten unbesetzt. Das löst zwar keinen medizinischen Notstand aus, doch die Lage ist schwierig.

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Die Situation bei der Notarzt-Versorgung in Augsburg bleibt auch in den kommenden Tagen angespannt. Am heutigen Donnerstag werden – Stand gestern Mittag – Schichten an den Standorten Haunstetten und Aichach nicht besetzt werden können. Bis zum Monatsende ist mit weiteren Engpässen an den vier Notarzt-Basen Klinikum, Haunstetten, Friedberg und Aichach zu rechnen. Eine Entspannung ist nicht in Sicht. Für 26 Schichten bis Monatsende hat sich aktuell kein Notarzt gefunden.

KVB sieht keine Probleme bei der Patientenversorgung

Inwieweit der Wegfall von Notarzt-Schichten für die regionale Notfall-Versorgung in den vergangenen Tagen ein Problem war, ist nicht klar zu sagen. Die Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB) erklärte, es gebe keine Probleme bei der Patientenversorgung, weil man gegebenenfalls Notärzte aus dem Umland alarmiere. Zwar droht nicht der Versorgungsnotstand, wenn Notarztschichten einmal nicht besetzt sind, aber unproblematisch ist das auch nicht.

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Als erste vor Ort sind bei Noteinsätzen in der Regel die Rettungswagen mit Rettungsassistenten als Besatzung. Der Notarzt mit seinem Fahrer kommt separat hinzu, wenn er von der Leitstelle alarmiert wird. Ausschlaggebend dafür ist etwa, ob Bewusstlosigkeit oder Herzstillstand gemeldet werden. Von der Versorgung von Wunden bis zur Wiederbelebung sind die Rettungsassistenten ausgebildet – allerdings dürfen sie beispielsweise keine Medikamente geben.

"Patientenversorgung ist nicht optimal"

„Man kann die Patienten versorgen, aber vielleicht nicht immer optimal“, sagt ein Rettungsassistent, der bei einer Hilfsorganisation in Augsburg Einsätze fährt. In der Stadt habe man den Vorteil, dass die Notaufnahme des Klinikums immer schnell erreichbar sei. Die Besatzungen der Rettungswagen sehen ein rechtliches Problem auf sich zukommen. „Was ist, wenn wir Maßnahmen zum Wohl eines Patienten ergreifen müssten, dies aber eigentlich nicht dürfen?“

Eine Entspannung der Situation zeichnet sich nicht ab. Bei den Notärzten verweist man darauf, dass es für Kollegen um Existenzfragen gehe. „Manche verabschieden sich für einen Tag die Woche aus der Gemeinschaftspraxis, um Notarztdienste zu fahren“, sagt Dr. Stefan Doesel, Obmann der Notärzte am Standort Haunstetten. Die Dienste seien dann kein nettes Zubrot, sondern fester Bestandteil des Einkommens. Dass nun Dienste nicht besetzt werden, sei nicht als Protestaktion zu sehen. „Jeder von uns hat angesichts der Situation Bauchschmerzen. Allerdings müssen Kollegen einfach nachrechnen, ob sie es sich leisten können, als Notarzt zu fahren.“ Mit der neuen Vergütung komme man auf einen Brutto-Stundensatz von gut 35 Euro, abzüglich Steuern und Versicherungen. „Ein angestellter Facharzt im Krankenhaus mit zwölf Jahren Berufserfahrung würde auf etwa 56 Euro kommen“, rechnet Doesel vor.

Runder Tisch: Landrat Martin Sailer, Notärzte und KVB-Vertreter

Der Augsburger Landrat Martin Sailer (CSU) und Vertreter des Rettungszweckverbands führten gestern ein Gespräch mit Notärzten und einem Vertreter der KVB. Denn rechtlich sind die Stadt und die Landkreise für die Organisation des Rettungsdienstes zuständig. Man wolle sich erst ein Bild von der Situation machen, so ein Sprecher des Landrats.

Hintergrund des Konflikts sind Änderungen bei der Bezahlung der Notärzte durch die Kassenärztliche Vereinigung. Ziel ist es, Notarztdienste auf dem Land finanziell attraktiver zu machen. Davon könnte ein Großteil der Notarztstandorte in Bayern profitieren. In Ballungs-zentren hingegen sinkt die Bezahlung, wobei Begrenzungen ausgehandelt werden sollen.

Notärzte beschreiben Situation in Augsburg als "besondere Eskalation"

Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der in Bayern tätigen Notärzte, Peter Sefrin, sieht die Entwicklung in Augsburg als „besondere Eskalation“. Er hoffe, dass solche Engpässe eine Ausnahme blieben. Die KVB betont, dass es keinen allgemeinen Mangel an Notärzten gebe. In München gebe es mehr Bewerber als Bedarf.

Zum Vorschlag der KVB, künftig die Ärzte des Klinikums stärker in die Pflicht zu nehmen, um Notarztdienste zu besetzen, wollte sich das Großkrankenhaus gestern nicht äußern. Offenbar war man von dem Vorstoß überrascht. Bisher besetzt das Klinikum den dort stationierten Notarztwagen des Bayerischen Roten Kreuzes unter der Woche tagsüber mit einem Notarzt. Nachts und am Wochenende sind die Ärzte von der Liste der KVB dran.

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Ein Artikel von
Stefan Krog

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Ressort: Lokalnachrichten Augsburg


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