Donnerstag, 18. Januar 2018

30. September 2011 11:07 Uhr

Ausstellung

Und überall das Malerauge

Die Gesellschaft für Gegenwartskunst zeigt im H2 einen Bilderzyklus von Uwe Henneken.

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In der Kunst kann man alles behaupten und muss nichts beweisen. Das, so sagt Uwe Henneken, war ihm einst Grund genug, sein wissenschaftlich-trockenes Studium der Vor- und Frühgeschichte abzubrechen und an die Kunstakademie Karlsruhe zu wechseln.

Der 1974 in Paderborn geborene Künstler ist ein Chamäleon – er jongliert mit Zitaten aus dem übervollen Speicher unseres Bildgedächtnisses, mit Anspielungen und Stilen. Er mag den Wechsel von Positionen, er malt sich aus der Kunstgeschichte seinen eigenen Bildreim.

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Wer verfolgt, was er im vergangenen Jahrzehnt gemalt hat, verfolgt eine Spur im Zickzackkurs, sieht Kehrtwenden, Sprünge, Patchwork, Sampling. Schlüssige Beweisführung: unmöglich.

Die Augsburger Gesellschaft für Gegenwartskunst präsentiert nun im H2 zwei Dutzend Bilder von Uwe Henneken, die er während eines Jahres eigens für dieses Ausstellungsprojekt gemalt hat. Die Schau unter dem Titel „Einäuglein, Dreiäuglein, Zweiäuglein“ zeigt den in Berlin lebenden Henneken als wandlungsfähigen Künstler, der in diesem Zyklus Sujets wie Landschaft, Küste, Kosmos und Paradies mit Ausflügen in die Abstraktion verbindet. Das Verbindende ist ein kreisrundes Symbol, das wie ein Auge oder Gestirn auf fast jeder Leinwand steht.

Sonne, Mond, Ballon, Blase der Fantasie...

Es ist, wenn man so will, die Glaskugel des Malers – und jeder, der hineinblickt, kann etwas anders darin sehen. Göttliches Auge, rote Sonne, schwarzer Mond, eine Art Ballon, eine befruchtete Eizelle, ein großes Einschussloch, ein Meteorit, eine Blase der Fantasie... Und immer wieder das Auge, mit dem das Bild selbst zurückschaut auf den Betrachter. Dreiäuglein gibt es auch: das auf kreisrunder Leinwand gemalte Bildnis eines an Pinocchio erinnernden Menschen mit langer Nase, aus dessen Gesicht drei Augen blicken.

Von dieser Ausnahme abgesehen fehlen Menschen, wie sie als Märchenfiguren frühere, stark von der Romantik geprägte Bilder Hennekens bevölkerten, auf den Augsburger Bildern ganz. Hennekens Farbpalette ist jenseits des Naturalistischen bunt, manchmal grell. Er mag Violett, Türkis, leuchtendes Grün.

Auf einigen Bildern scheinen Planeten wie aus kosmischen Farbwolken geboren. Das Entstehen der Welt, Schöpfung, Natur: Sieben grüne Vögel, die einen üppig blühenden Paradiesgarten bevölkern, bilden auf dem Großformat „Sein Garten“ zusammen mit einem violetten Ball (das „O“) den Schriftzug „LOVE“. Henneken, der Romantik, Symbolismus und Surrealismus bewundert, hat keine Furcht vor illustrativ-kitschigen Oberflächen.

Zwei der Bilder – ein Seestück und eine Moorlandschaft, beides Öl auf Holz – sind auf Flohmärkten gefundene Gemälde, die Henneken durch in den Himmel gemalte schwarze Augen seinem Zyklus einverleibt hat.

Kein Auge und kein Planet stehen im Himmel über einer Dorflandschaft („Kommend“). Stattdessen regnen bunte Farbflecke wie schwerfälliges Konfetti herab – Henneken löst seine Palette, mit der er die gegenständliche Ortsansicht gemalt hat, gleichsam in Partikel wieder auf. Solche Brechungen und Stilwechsel auf einer Leinwand finden sich auch in anderen Bildern.

Stefan Schrammel von der Gesellschaft für Gegenwartskunst sprach zur Vernissage davon, wie er von Hennekens Bildern im ersten Sehen „angestoßen und abgestoßen zugleich“ sei. So kann man das sagen.

Bis 30. Oktober im H2 – Zentrum für Gegenwartskunst im Glaspalast. Geöffnet Mittwoch bis Sonntag 10–17 Uhr, Dienstag 10–20 Uhr. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen (18 ¤).

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Ein Artikel von
Michael Schreiner

Augsburger Allgemeine
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