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05. April 2011 00:06 Uhr

Heinz Ratz in Augsburg

Unterkunft für Asylbewerber: „Eine unglaubliche Quälerei“

Der Sänger Heinz Ratz informiert sich in ganz Deutschland über die Flüchtlingssituation. Er besuchte auch eine Unterkunft für Asylbewerber vor Ort und äußerte sich entsetzt über die Zustände in Augsburg. Von Andreas Alt

Der Sänger Heinz Ratz hat sich in 70 deutschen Städten über die Flüchtlingssituation informiert. Die Zustände in Augsburg seien schlimm.
Foto: agt

Noch während der politische Sänger Heinz Ratz in der Asylbewerberunterkunft beim Polizeipräsidium an der Gögginger Straße unterwegs war, ließ er wartenden Medienvertretern ausrichten, eine so schlimme Unterkunft habe er auf seiner „Tour der 1000 Brücken“ noch nicht gesehen. Das war nicht unmittelbar nachvollziehbar; die frühere Kaserne des Prinz-Karl-Viertels wirkt schäbig, aber weitgehend sauber und ordentlich. Die Probleme liegen, wie dann deutlich wurde, anderswo.

Ratz hat seit Jahresbeginn per Fahrrad fast 7000 Kilometer in Deutschland zurückgelegt, sich in 70 Städten über die Flüchtlingssituation informiert, Konzerte gegeben (in Augsburg im „abraxas“) und dabei Spenden von etwa 30.000 Euro für „Pro Asyl“ und Flüchtlingsräte gesammelt. Augsburg war nicht nur seine vorletzte Station, sondern auch ein besonderes Ziel: Ratz hat selbst einmal hier gelebt und ein Internat besucht.

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Ungewöhnlich war, dass zwei Polizisten die Pressekonferenz verfolgten. Angesprochen von Tobias Hartmann von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft sagte einer: „Mich würde es persönlich interessieren. Wir gehen raus, wenn Sie was dagegen haben.“ Ratz sprach dann von „Unmenschlichkeiten“, die bei der Unterbringung von Asylsuchenden „leider“ die Regel seien, wobei die Zustände in Bayern und Baden-Württemberg besonders schlecht seien.

Anna Feininger von der Flüchtlingsinitiative Augsburg verglich das Haus mit einer „versifften Jugendherberge“. Man könne übergangsweise so wohnen, aber viele Flüchtlinge seien seit zehn Jahren hier – ohne irgendeine Perspektive –und empfänden das als Erniedrigung. „Es ist eine unglaubliche Quälerei und sie ist überflüssig.“ Matthias Schopf-Emrich vom Flüchtlings-Beratungszentrum des Vereins Tür an Tür ergänzte, dem Asylbewerberheim sei schon vor 15 Jahren die „goldene Abrissbirne“ verliehen worden, es bestehe aber immer noch.

So unbequem wie möglich

Das Problem sei, dass die Regierung von Schwaben und nicht die Kommune für die Unterbringung verantwortlich sei, sagte Schopf-Emrich. OB Kurt Gribl habe dem Freistaat angeboten, für bessere Unterkünfte zu sorgen, und einen Termin für die Schließung der alten Kaserne angestrebt, aber nichts erreicht. Bei anderer Gelegenheit hatte der Flüchtlingsberater bereits die Verantwortlichen bei der Regierung in Schutz genommen, mit denen er gut zusammenarbeite. Politik der Staatsregierung aber sei, Asylbewerbern den Aufenthalt so unbequem wie möglich zu machen. „Sie können aber nicht gehen, weil sie in ihrem Land verfolgt werden oder verhungern würden“, so Schopf-Emrich.

Was den Zustand der Unterkunft betrifft: In der Gemeinschaftsdusche kann die Wassertemperatur nicht reguliert werden. Zerschlagene Fensterscheiben sind durch Papier ersetzt. Ähnlich sieht es in der Küche aus. Ein 40-jähriger Afghane gab Einblick in sein Zimmer, das er sich mit einem anderen Mann teilt. In dem winzigen Raum stehen zwei Pritschen sowie ein Kleiderschrank und ein Schrank mit Nische, die er nach eigener Aussage vom Sperrmüll besorgt hat. Vor dem Pressetermin hat der Hausmeister, wie zu hören war, eine gründliche Reinigung der Unterkunft veranlasst.

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