Das kann teuer werden: Stromtarife mit Preisgarantie bringen Sicherheit bei steigenden Energiepreisen. Doch gehen die nach unten, haben die Verbraucher nichts davon. Wie viele davon betroffen sind, ist zurzeit beim Gaspreis zu beobachten. Von Christoph Frey Von Christoph Frey

Von Christoph Frey
Achtung Kostenfalle: Mit einer breit angelegten Kampagne werben die Stadtwerke derzeit für neue Stromverträge. "Regenio" heißt der Tarif, den es so ähnlich auch bei anderen Stromversorgern gibt und der damit beworben wird, dass die Energie aus umweltfreundlichen Quellen stammt - in diesem Falle Wasserkraft. Doch lässt man dieses "grüne Mäntelchen" einmal außer Acht, weist der Regenio-Tarif des unangefochtenen Marktführers im Augsburger Stromgeschäft einen Haken auf: die Preisgarantie.
Sie gilt bis 30. April 2011. Das bedeutet zwar Sicherheit bei steigenden Strompreisen, doch gehen diese nach unten, haben die Verbraucher nichts davon. Zudem bezahlen sie derzeit mehr für den Strom als Kunden, welche die beliebten Primo-Tarife gewählt haben, dafür aber den Wechselfällen des Marktes ausgesetzt sind.
Was das bedeuten kann, ist zurzeit beim Gas zu beobachten. Knapp zehn Prozent der Privatkunden der Stadtwerke werden nicht von der zum 1. Januar angekündigten Preissenkung von sechs Prozent profitieren. Unter dem Eindruck der dramatischen Kostensteigerung von gut 20 Prozent nahmen sie im Sommer ein Fix-Preis-Angebot an.
Dieses war zwar teurer als herkömmliche Tarife, garantierte dafür aber Preisstabilität bis in den Herbst 2009 hinein. Beworben wurde das vermeintliche Schnäppchen zudem mit der Aussage, es gebe nur 5000 derartige Verträge, Eile sei deshalb geboten.
Das zog offenbar: 5000 von über 50 000 Abnehmern flüchteten sich in den Fixpreis-Tarif und schauen jetzt in die Röhre. Diese Kunden hätten ohne Zweifel "einen Fehlgriff" getan, bestätigt Stadtwerke-Sprecher Jürgen Dillmann. Die durchschnittlichen Mehrkosten pro Haushalt gegenüber herkömmlichen Tarifen werden auf 100 Euro im Jahr geschätzt.
Dillmann verweist zwar darauf, dass das Geschäft auch andersherum ausgehen und für den Energieversorger teuer werden kann ("Beim letzten Fixpreis-Angebot haben wir draufgezahlt"), das aber hilft Betroffenen jetzt wenig. Sie fühlen sich über den Tisch gezogen. "Das ist doch unseriös", sagt Rentnerin Christa Jamitzky. Familienvater Marc Wessels: "Leider war ich zu blauäugig und vertraute den Stadtwerken."
Finanziell besser stellen könnten sich die Kunden nur, wenn es einen extrem kalten Winter gibt. An sogenannten Kältetagen (weniger als minus fünf Grad, gemessen an der Wetterwarte in Mühlhausen) gibt es von den Stadtwerken Wärme geschenkt. Dieses "Zuckerl" wiegt die Mehrkosten allerdings erst auf, wenn es rund zweieinhalb Wochen so kalt ist. Der Durchschnitt der vergangenen fünf Winter liegt deutlich unter diesem Wert.
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