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07. März 2010 21:05 Uhr

"Verpflichtung zur Geschichte"

"Sie haben ganz wesentlich dazu beigetragen, dass nach dem furchtbaren Schrecken des Nationalsozialismus jüdisches Leben in Bayern wieder neu erblühen konnte." Große Worte sprach Ministerpräsident Horst Seehofer gestern bei der bundesweiten Eröffnungsfeier der Woche der Brüderlichkeit im Theater Augsburg. Wie sieht die christlich-jüdische Zusammenarbeit, die mit diesem Erblühen einherging, im Alltag aus? Herrscht tatsächlich Interesse für die Religion des anderen? Die AZ hat sich bei Gästen der Festveranstaltung umgehört.

"Schon seit unserer Jugend ist uns die Versöhnungsarbeit wichtig", berichten Mathias Schopf-Emrich und Barbara Emrich, die ein "großes Interesse" an der jüdischen Religion haben. "Wir haben eine Verpflichtung zur Geschichte", sind sie überzeugt. Praktisch zeigt sich das etwa darin, dass die beiden, immer wenn sie auf Reisen sind, auch jüdische Gedenkstätten oder Museen besuchen. An Pfingsten wird die Reise nach Palästina gehen. "Als Katholiken wissen wir natürlich, dass unser Verhältnis zu den Juden nicht ungetrübt ist", räumt Mathias Schopf Emrich ein.

"Es ist schön, dabei zu sein!" Michael Friedrichs ist anzumerken, welche Freude und Ehre es für ihn ist, an den Feierlichkeiten zur Eröffnung der Woche der Brüderlichkeit teilhaben zu können. Dass die zentrale Eröffnungsfeier in Augsburg stattfinde, empfinde er "als Ehre für die Stadt". Besonders nahe stehe er dem Thema auch, weil sich in seiner großen Familie viele Juden finden. Friedrichs Tochter Barbara fügt hinzu, dass auch der Islam als große Weltreligion in diesen Dialog hinein genommen werden müsse.

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Von der Bielefelder jüdischen Gemeinde sind Yuval Adam und Irith Michelsohn gekommen. Sie halten es für besonders wichtig, die Tradition der Woche der Brüderlichkeit als große öffentliche Veranstaltung zu pflegen, "gerade angesichts diverser Verstimmungen in letzter Zeit", so Adam. Nur so könne der Dialog über das Private hinaus ins Blickfeld der Bevölkerung kommen.

Religionsgeschichtliche Gemeinsamkeiten sehen zwei katholische Ordensfrauen, die auch sehr gerne der Einladung zur Eröffnungsfeier gefolgt sind: Die Augsburger Dominikanerin Anselma Jesser und die Dillinger Franziskanerin Theresia Wittemann. Das besondere Interesse an der jüdischen Religion zeigt sich bei Schwester Theresia darin, dass sie zu einem jüdischen Thema promoviert hat - über die "Ghettonovellisten aus deutschsprachigen Gebieten". Schwester Anselma weist darauf hin, dass der christliche Glaube auf die jüdische Religion fußt. "Hier geschieht eine Bereicherung von beiden Seiten." Gerne besucht sie Veranstaltungen der christlich-jüdischen Gesellschaft.

Etwa die Gemeinschaftsfeier, die am Samstagabend in der Synagoge stattfand. Bischof Walter Mixa beschwor die familiäre Nähe beider Religionen, Landesbischof Johannes Friedrich warb für versöhnte Verschiedenheit. "Die Praxis des Glaubens ist die Nächstenliebe", sagte Rabbiner Henry Brandt. (gek/loi)

Mehr zur Eröffnungsfeier und zur Verleihung der Buber-Rosenzweig-Medaille an den Architekten Daniel Libeskind auf »Seite 15

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Bilder von der Verleihung online unter

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