Martina Ziegler (29) liebt ihren Beruf, obwohl er ihr einiges abverlangt. Die Sozialpädagogin ist Sozialarbeiterin beim Jugendamt, genauer gesagt beim Allgemeinen Sozialdienst (ASD) für die Region Nord-West. Kürzlich hatte das Jugendamt Alarm geschlagen. Von Gerlinde Knoller

Martina Ziegler (29) liebt ihren Beruf, obwohl er ihr einiges abverlangt. Die Sozialpädagogin ist Sozialarbeiterin beim Jugendamt, genauer gesagt beim Allgemeinen Sozialdienst (ASD) für die Region Nord-West. Kürzlich hatte das Jugendamt Alarm geschlagen. Es braucht dringend 13 neue Stellen, um seine Arbeit zum Schutz der Kinder überhaupt noch zu schaffen. Ein Blick in den Arbeitsalltag der "Bezirkssozialarbeiterin" Martina Ziegler zeigt, wie notwendig die Entlastung ist. Im Juli sollen die Stellen besetzt werden.
Martina Zieglers Terminkalender ist prall gefüllt. Mit Bereitschaftsdiensten, Besprechungen und vor allem mit Hausbesuchen. Mehrmals in der Woche sitzt sie in Sachen Jugendhilfe-Maßnahmen mit Eltern, Kindern und Vertretern von Jugendhilfe-Einrichtungen zusammen, führt Gespräche, die meist etwa eine Stunde dauern und dokumentiert sie, indem sie Hilfepläne schreibt.
Außerdem ist sie beim Familiengericht gefragt. Wenn es um Trennung oder Scheidung geht, oder um Fragen der Umgangsregelungen bei gemeinsamem Sorgerecht, muss sie als Vertreterin des Jugendamts eine Stellungnahme abgeben. Davor stehen zwei bis drei Hausbesuche bei den Eltern - oft einzeln, weil sie schon getrennt sind - und den Kindern.
Als wichtigsten Teil ihrer Arbeit jedoch sieht die Sozialarbeiterin ihr "Wächteramt" an. Hier geht es um den Kinderschutz. Gerade in den vergangenen zwei bis drei Wochen sei es "ganz schön heftig gewesen", berichtet sie über die vielen eingehenden Fälle. "Kinderschutz", das heißt, dass das Jugendamt jeder Meldung nachgeht, der zufolge ein Kind gefährdet sein könnte. In Teamarbeit mit ihren Kollegen hat Ziegler Folgendes zu tun: In Akten danach suchen, ob der Fall bereits bekannt ist; versuchen, mit demjenigen in Kontakt zu treten, der die mögliche Kindsgefährdung gemeldet hat. "Oft ist das nicht möglich, weil es anonym geschieht", weiß die Sozialarbeiterin. Gemeinsam mit einem anderen Kollegen stattet sie einen Hausbesuch ab, überprüft das Kind, seinen Gesundheitszustand und die Wohnsituation. Schließlich wird gemeinsam im Team überlegt, was zu tun ist. "Wir tragen eine große Verantwortung. Das ist jedem bewusst", sagt Ziegler. Immer dann, wenn es um eine Kindswohlgefährdung geht, wenn etwa ein entsprechender Anruf eingegangen ist, geht das vor.
Kalkulierbar ist das nicht. Was liegen geblieben ist, wird von Martina Ziegler, weil ja Fristen einzuhalten sind, "einfach am Abend noch gemacht" oder sie kommt am nächsten Tag früher. Überstunden sind in ihrem Job die Regel. Mal eine Stunde, auch mal zwei bis drei am Tag.
Ihr ist bewusst, dass dieses Arbeitstempo und die Belastung für längere Zeit kaum durchzuhalten sind. "Man muss schon auf sich achten." "Nach zehn Jahren ASD hat man vieles gesehen", sagt sie, "ASD-Arbeit kann krank machen." Noch aber hat sie die Kraft. Genährt wird sie von ihrer ungebrochenen Liebe zu ihrem Beruf. "ASD-Arbeit tut weh", weiß sie, "wenn man sie aber wie ich heiß und innig liebt, kann man sie durchhalten."
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