Die Proteste von Schülern und Studenten für eine bessere Bildung flachen nicht ab: Das Audimax der Uni ist noch immer besetzt und am Freitag demonstrierten wieder Hunderte in der Augsburger Innenstadt. Von Stephanie Kundinger und Eva Maria Knab



Augsburg - Mathias war seit Dienstag, 8.30 Uhr, nicht mehr daheim. Gestern hat der Student der Sozialwissenschaften schon die dritte Nacht in der Uni hinter sich. Er schläft im großen Hörsaal im Schlafsack auf dem Boden. "Das ist hart, aber wenn man am Morgen den ersten Kaffee getrunken hat, geht's wieder", sagt er.
Mathias ist einer von rund 500 Studenten, die seit dieser Woche das Audimax der Universität Augsburg besetzt halten, um für bessere Bildung zu demonstrieren. Und so, wie es aussieht, wird die Protestaktion in der kommenden Woche weitergehen.
Draußen vor den Hörsälen hängt eine lange Liste. Darauf stehen alle Universitäten, an denen momentan Studentenproteste laufen. Mit Blick auf die bundesweiten Aktionen fühlen sich Augsburger Besetzer stark genug, noch länger durchzuhalten. Aber auch in Augsburg findet die Aktion immer mehr Zuspruch. "Es sind doch mehr Studenten unzufrieden, als man zuerst gedacht hat", sagt Mathias.
Zwar finden nicht alle Studierenden den Streik richtig. Die Studentenvertretung AStA hat sich schriftlich distanziert. Und auch die Wirtschaftswissenschaftler waren zunächst sauer, dass der große Hörsaal für den regulären Vorlesungsbetrieb blockiert ist.
Inzwischen bekommen die Besetzer aber immer mehr E-Mails von studentischen Organisationen, von Gewerkschaften und Parteien, die ihnen den Rücken stärken. Zahlreiche Firmen spendieren ihnen Essen und Getränke. Und die Unileitung sieht keinen Grund, den Hörsaal räumen zu lassen. Im Gegenteil. Vizepräsident Werner Wiater sagt nach einem Besuch im besetzen Audimax: "Ich find's gut." Er würde sich ohnehin mehr studentisches Engagement wünschen, vor allem in den Gremien der Universität.
Vormittags bekommt Wiater von einer Delegation der Besetzer einen vorläufigen Katalog mit Forderungen. Sie reichen vom Abbau von Zulassungsbeschränkungen über mehr Freiheit im Studium bis zur Abschaffung der Studiengebühren. Kommende Woche soll es die endgültige Fassung geben. Und soviel stellt Wiater jetzt schon in Aussicht: "Wenn der Katalog kommt, werden wir die Dinge ändern, die in unserer Macht stehen."
Mittags bekommen die Besetzer Verstärkung. 300 Schüler und Studenten versammeln sich mit Trillerpfeifen, Plakaten und Trommeln am Königsplatz. "Die Proteste werden nicht so schnell enden", ruft Student Silvio Heidbüchel ins Megafon, und die Menge applaudiert.
Um 13.45 Uhr setzt sich der Demonstrationszug über die Annastraße in Bewegung. Gestoppt wird für Kundgebungen auf dem Rathaus- und dem Moritzplatz. "Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Bildung klaut", rufen die jungen Menschen in der Fußgängerzone.
Neben den Studiengebühren und den neuen Bachelor- und Masterstudiengängen kritisierten die Demonstranten auch den Leistungsdruck im achtstufigen Gymnasium. Rund eine Stunde dauert die Demonstration. Dann treffen die Demonstranten wieder am Kö ein. Die Studenten kündigen dort weitere Protestaktionen für die kommende Woche an. Silvio Heidbüchel: "Dies wird definitiv nicht die letzte Demonstration gewesen sein."
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