Echo-Preisträger überzeugt in St. Ulrich
Sogar die Glocken spielten bei der Muttertagsmatinee in ev. St. Ulrich mit: Genau zur Halbzeit, als die beiden Künstler vom Portativ unten zur großen Klais-Orgel oben wanderten, gab es das Mittagsgeläut. „Romantisches...für Violoncello und Orgel“ hieß das gut einstündige Konzert im Rahmen der Reihe „Die Fugger und die Musik“, die heuer ihr Zehnjähriges feiert.
Zusammen mit Organist Martin Hoffmann spielte Echo-Preisträger Maximilian Hornung, der mit seinem superben Spiel einmal mehr bewies, warum er 2011 als „Newcomer des Jahres“ ausgezeichnet wurde. Es scheint, als könne der 26-Jährige gar nicht anders, als eine Melodie voller Nuancen, Farben, Schattierungen zu interpretieren, ihr mit seiner sprechenden Deutung Atem, Körper und Leben zu verleihen – jeweils ihrem Ausdruck gemäß und im Stil ihrer Entstehungszeit.
Ein makelloses Zusammenspiel, wie zusammengewachsen
Camille Saint-Saëns’ Gebet (Prière) war innig, flehentlich, drängend, Rheinbergers Stücke aus op. 150 singend, weich, zärtlich, Caldaras Sonata a-Moll barock wuchernd und virtuos, mit beredtem Rezitativ dazwischen. Gegeben wurde Romantisches aus Barock, Romantik und dem 20. Jahrhundert – etwa Gaston Beliers scherzande Orgel-Toccata zum Schluss, die mit ihrem signifikanten, knappen Akkordthema und dem festlichen Wogen à la Bach das Publikum aus seiner Entrücktheit riss.
Nach Bach klang auch Moscheles’ Präludium No. VI: Der Komponist hatte hier ein Bach-Präludium für Cello mit Begleitung adaptiert. Deshalb entschied sich Hornung für einen historisch-vibratoarmen, deshalb nicht weniger intensiven Ton. Auch das Zusammenspiel von Cello und Orgel war makellos, wie zusammengewachsen.
Michael Hoffmann wählte farblich passende, im Hintergrund bleibende Registrierungen aus, öffnete den Klang, wenn er Solo spielte. Ein reiner Genuss.
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