Sonntag, 19. Mai 2013

09. Mai 2012 16:17 Uhr

Polizistenmord: Geliebte ist frei

Vom Doppelleben nichts geahnt?

Raimund M.s Geliebte saß über zwei Monate in Haft. Freunde wandten sich ab, sie verpasste eine Prüfung und verlor den Job.

Die Verdächtigen im Augsburger Polizistenmord
Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Sie hatten sieben Jahre eine Beziehung – der mutmaßliche Polizistenmörder Raimund M., 58, und eine 23 Jahre jüngere Augsburger Studentin. Die Frau beteuerte zwar, sie habe in all der Zeit nichts von dem offenbar kriminellen Doppelleben ihres Liebhabers geahnt. Dennoch geriet sie unter Verdacht. Mit gravierenden Folgen.

Zweieinhalb Monate saß die Frau in Untersuchungshaft, ehe sie in der vorigen Woche freigelassen wurde. Ihr Anwalt Johannes Siegmund sagt jetzt: „Diese Haftzeit war für meine Mandantin eine enorme Belastung.“ Er ist der Meinung, dass die Haft nicht angemessen war. Die Frau, sagt der Anwalt, habe eine wichtige Prüfung an der Universität verpasst. Sie verlor durch den Verdacht ihren Nebenjob, Freunde wandten sich teilweise von ihr ab.

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Die Ermittler hatten vermutet, die 35-Jährige sei in die kriminellen Aktivitäten der Brüder Raimund M. und Rudi R., 56, eingeweiht gewesen. Als die Brüder Ende Dezember von Spezialkräften der Polizei festgenommen wurden, war die Frau zu Besuch bei ihrer Familie in Rumänien. Nach ihrer Rückkehr Anfang Januar wurde sie am Münchner Flughafen von Ermittlern in Empfang genommen. Sie musste eine Nacht in einer Zelle sitzen, durfte aber am nächsten Tag wieder raus.

Mitte Februar kam die Geliebte dann erneut hinter Gitter – ausgerechnet wenige Tage vor einer entscheidenden Prüfung im Studium. Die Beamten signalisierten ihr angeblich, sie habe es selbst in der Hand, ob sie bis zur Prüfung wieder freikomme. Doch dieses Mal dauerte die Haft nicht nur eine Nacht. Die Staatsanwaltschaft warf der Frau vor, Geld aus Überfällen der Brüder in eine Eigentumswohnung in Augsburg und in ein Grundstück in Rumänien investiert zu haben. Insgesamt ging es um eine Summe von rund 80000 Euro. „Geldwäsche“ lautete der Verdacht im Haftbefehl.

DNA der Frau war am Tatort, sie selbst aber vermutlich nicht

Dieser Verdacht hat sich nun offenbar in wesentlichen Punkten wieder zerschlagen. Nach Informationen unserer Zeitung untersuchte die rumänische Polizei auf Bitte aus Augsburg die Grundstücksangelegenheit. Dabei wurde die Frau offensichtlich entlastet. Die Staatsanwaltschaft hat den Haftbefehl selbst aufgehoben. Abgeschlossen seien die Ermittlungen damit aber nicht, heißt es.

Von Raimund M.s Geliebter wurden sogar DNA-Spuren am Tatort des Polizistenmordes im Siebentischwald gefunden. Erbgut der Frau war auf einem Handschuh. Die Ermittler gehen trotzdem davon aus, dass die Frau nicht am Tatort war. M. hatte in jener Nacht offenbar ihre Handschuhe benutzt.

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