Traumergebnis für Miriam Gruß: Mit 30 von 31 Stimmen wurde sie von der Augsburger FDP als Kandidatin für die Bundestagswahl 2009 aufgestellt. Als neue Parlamentarierin in Berlin hat Gruß in der Partei offenkundig schon viele Punkte sammeln können.
Die Freien Demokraten fühlen sich im Aufwind. Nach dem guten Ergebnis bei der Landtagswahl und der voraussichtlichen Regierungsbeteiligung im Freistaat rechnet sich die FDP Chancen aus, auch bei der Bundestagswahl mehr Wählerstimmen zu bekommen. Die Marschrichtung für den Wahlkampf deutete stellvertretender Kreisvorsitzender Ullrich Müller-Kantor an: Ähnlich wie die Freien Wähler mit den Imitatoren von Stoiber und Pauli im Bierzelt will er mehr auf publikumswirksame Veranstaltungen setzen.
In der Nominierungsrede ging Gruß auf ihre ersten dreieinhalb Jahre als Abgeordnete in Berlin ein. Als "Küken" sei sie mit 29 Jahren überraschend ins Parlament eingezogen. Inzwischen bekomme sie schon viel Anerkennung für ihre Arbeit - nicht nur im Bundestag, sondern auch als gefragte Interviewpartnerin bei Medien. Spezialgebiet von Gruß ist die Familienpolitik. Federführend war sie für neun parlamentarische Initiativen zuständig. Themen waren etwa das Problem der "Killerspiele", mehr Kinderbetreuung und Familienfreundlichkeit von Betrieben. Wichtige Arbeit habe sie als Vorsitzende der Kinderkommission des Bundestages geleistet. Gruß ist dabei nicht nur Akteurin, sondern als Mutter selbst Betroffene der deutschen Familienpolitik. Der Bundestag mit über 600 Abgeordneten, darunter nur 16 jungen Müttern, sei kein familienfreundlicher Betrieb, sagt sie. Laut Gruß dürfen zum Beispiel Parlamentarier-Kinder nur mit Sondergenehmigung in den Kindergarten des Bundestages, der für den Nachwuchs von Mitarbeitern gedacht sei. Wenn Gruß unter der Woche in Berlin ist und ihr Mann Christopher arbeitet, betreuen ihre Eltern den vierjährigen Sohn Nikolas. Nicht nur in der Familie, auch im Bundestag und daheim im Wahlkreis baut die Abgeordnete auf Teamarbeit.
Nach langen Jahren der Opposition hält Gruß die Liberalen auf Bundesebene für personell und inhaltlich gut aufgestellt, um mitzuregieren. "Ich bin sehr zuversichtlich." Erst einmal geht es aber für sie darum, wieder den Sprung ins Parlament zu schaffen. Mitte März wird klar sein, welchen Listenplatz sie bei der FDP bekommt. Sie strebe "Platz 6 bis 7" an. Das wäre eine aussichtsreiche Startposition.
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