Sonntag, 20. August 2017

27. Juli 2017 18:14 Uhr

Interview

Vom Zankapfel zum kleinsten Museum Augsburgs

Die Altaugsburg-Gesellschaft will den Bau der Treppe am Fünffingerlesturm nun mit der Stadt vorantreiben. Wie Vorsitzender Sebastian Berz zur neuen Situation steht und wie der Streit sich auf den Verein auswirkte.

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Jahrelang herrschte hier Stillstand: Der Streit um den Bau der Treppe am Fünffingerlesturm zog sich in die Länge. Nun dürfte es bald vorangehen.
Foto: Peter Fastl

Jetzt, da die Treppe kommt, was sind die nächsten Schritte?

Sebastian Berz: Es sieht so aus, dass der Knoten gelockert, jedoch noch nicht völlig gelöst ist. Die Stadtverwaltung muss sich nun entschließen, das anhängige Gerichtsverfahren zu beenden. Wir sind jenseits dieser Vorgänge auf die Stadt zugegangen und haben vermitteln können, dass der Stillstand am Projekt inzwischen mehr Verärgerung auslöst als die Gestaltung der Treppe.

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Hat die Stadt signalisiert, dass sie das Verfahren beenden möchte?

Berz: Die Stadt muss das Verfahren beenden, sie hat ja bereits mehrere Male verloren. Das Verfahren gilt außerdem zum Originalentwurf, der ja überarbeitet wurde.

Wie soll die Treppe denn nun aussehen? Es gab ja auch Gedanken über einen Anstrich im Farbton des Turms...

Berz: Dieses Thema ist ebenfalls ausdiskutiert. Zu Projektbeginn wurden zahlreiche Varianten durchgespielt und das vorliegende Ergebnis mit der Denkmalpflege erarbeitet. Daran möchten wir nicht mehr rütteln. Was die Farbe betrifft, ist es sehr wahrscheinlich, dass alles so kommt, wie es jetzt angelegt ist.

Was sagen Sie zu Vorwürfen, die Alt-augsburg-Gesellschaft würde nicht verantwortungsvoll mit der Historie und ihrem Ruf umgehen?

Berz: Mit den Planungen wurde bereits 2005 ein Gutachten erstellt, um alle denkmalpflegerischen Belange zu berücksichtigen. Dieses Gutachten werden wir um noch offene Fragen zur Entstehungsgeschichte und die über Jahrhunderte hinweg wechselnde Funktion des Turmes vertiefen. Andererseits haben wir auch deutlich gemacht, dass der heute freistehende Fünffingerlesturm nicht isoliert betrachtet werden kann. Er stand und steht in einem städtebaulichen Zusammenhang, der seinen Charme begründet.

Die Stadt will ja auch ein Konzept zur Stadtbefestigung erarbeiten.

Berz: Dieses städtische Programm zur Aufwertung der Wallanlagen werden wir sehr unterstützen. Das entspricht dem Satzungsziel der Alt-augsburg-Gesellschaft und begründet ihren Ruf des proaktiven Engagements. Schließlich wurde sie in den 50er Jahren ins Leben gerufen, als der Begriff Denkmalpflege noch nicht einmal in der Bayerischen Verfassung verankert war.

Würde sich die Altaugsburg-Gesellschaft nach der Erfahrung mit dem Turm noch einmal an ein solches Projekt wagen?

Berz:

Welche zum Beispiel?

Berz:

Nochmal kurz zurück zum Turm: Was bringt die Zukunft?

Berz: Die Öffentlichkeit hat unseren Entschluss, aus der Schmollecke der Gedemütigten zu treten, mit Respekt gedankt. Dies beflügelt natürlich, den ursprünglichen Spirit des Projektes überzeugend umzusetzen: die Öffnung des Fünffingerlesturmes, aber ohne ihn zu „entzaubern“.

Und wie sieht der Zeitplan aus?

Berz: Den bestimmt der Baureferent mit seinem Programm zur Aufwertung der Wallanlagen. Das wollen wir Hand in Hand unterstützen. Wir haben außerdem bereits jetzt Führungen, die den Fünffingerlesturm beinhalten. Dessen Öffnung wird schrittweise stattfinden – in Abstimmung mit der Stadt. Vielleicht ist es schon im nächsten Frühjahr so weit. Interview: Nicole Prestle

Termin Am Tag des offenen Denkmals, 10. September, organisiert die Altaugsburg-Gesellschaft ein Benefizkonzert mit Jazz-Sängerin Agnieszka Hekiert und Pianist Tim Althoff im Rokokosaal. Der Erlös kommt der Restaurierung der Supraporten im Schaezlerpalais zugute. Karten für das Konzert und einen Aperitif gibt es für 20 Euro im Vorverkauf bei den Städtischen Kunstsammlungen und an der Abendkasse.

Wir unterstützen die Sanierung der Supraporten im Schaezlerpalais, also der Bilder über den Türen des Wandelgangs. Außerdem soll demnächst der zweite Band zur Baugeschichte der Stadt Augsburg von Eugen Hausladen erscheinen. Hausladen war seit Ende der 20er Jahre Architekt im Augsburger Bauamt und dokumentierte die Augsburger Baugeschichte vom Mittelalter bis zum Klassizismus. Seine Forschungen wurden aber nie veröffentlicht, was wir nun nachholen. Mit der behördlichen Institutionalisierung der Denkmalpflege ist die Altaugsburg-Gesellschaft zum Partner der dort tätigen Fachleute geworden. Der seinerzeit wahlkampftaktisch überhöhte Treppenstreit hat sich tatsächlich nicht negativ auf die Arbeit und die Motivation der Projektleiter und Mitglieder ausgewirkt. Vielmehr gab es eine große Geschlossenheit gerade beim Projekt Fünffingerlesturm – natürlich einschließlich der ernsthaften Einwände einzelner Mitglieder. Neben diesem Projekt des wohl „Kleinsten Museums der Stadt“ gibt es zahlreiche weitere aktuelle Projekte, für die die Altaugsburg-Gesellschaft steht und für die sie aktiv wirbt.
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Ein Artikel von
Nicole Prestle

Augsburger Allgemeine
Ressort: Lokalnachrichten Augsburg


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