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05. Februar 2012 14:40 Uhr

Konzert

Von BB und den musikalischen Versuchungen

Das Münchner Rundfunkorchester tritt mit Werken von Strawinsky, Eisler und Weill im Goldenen Saal auf. Von Manfred Engelhardt

Wenn der „politische“ Brecht ausgeleuchtet und eingekreist wird, und für gut befunden wird oder für bedenklich, wenn Bekenntnis auf Besorgnis trifft und man einen Ausweg sucht – dann ist es gut, wenn die Musik zur Stelle ist, und die Poesie, die das regelt. So war das Gefühl im festlich schimmernden Goldenen Saal des Rathauses, nachdem dort vorher ein Stockwerk tiefer im nüchterneren Oberen Flez die harte Rede war von Bertolt Brecht und den Frauen. Das Münchner Rundfunkorchester, in vielen Genres zu Hause, präsentierte Musik, die mit Brecht im engeren und weiteren Sinn zu tun hat.

Bei der „Geschichte vom Soldaten“ von Strawinsky/Ramuz wundert es schon immer, dass sie nicht von Brecht/Weill ist. Die glasklaren Bausteine der Musik, das genial Lapidare aus Igor Strawinskys Feder tut genau das, was auch Brecht will: Distanz einnehmen zur parabelhaften Geschichte und doch eine zweite Ebene aufbauen, die sie weiterträgt, die das Gesagte und Gesungene auf ihre Weise erklärt.

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Charles-Ferdinand Ramuz’ Märchen vom Soldaten, der vom Teufel in den Teufelskreis von Versuchung und maßloser Glückssuche gezogen wird, lebt von zwei Symbolen: Die Geige des Soldaten ist Inbegriff harmonischer Zufriedenheit und wahrer Stärke; das Buch des Teufels, das „sich selbst liest“ und alle Wünsche erfüllt, einschließlich der Voraussage für den richtigen Einstiegskurs an der Börse, steht für die Unmöglichkeit des potenzierten Glücks.

Was der Leipziger Sänger-Schauspieler Martin Petzold in den Dialogen (Soldat/Teufel usw.), blitzschnell zwischen den Personen hin- und herspringend, an illustrativer Stimmfärbung herausholt, bis zur sächselnden Biederkeit des naiven Kriegers, war beste Unterhaltung, vielleicht schon zu viel Grand-Guignol-Bühne. Geschliffen präzise realisierten Dirigent Paul Daniel und das siebenköpfige Ensemble den funkelnden Streicher-Bläser-Schlagwerk-Klang, allen voran der hervorragende Geiger Sreten Krstic.

Hanns Eisler ist mit Kurt Weill Bertolt Brechts wichtigster musikalischer Begleiter. Die kleine Kantate „Die Teppichweber von Kujan-Bulak“ aus den Svendborger Gedichten zeigt das erstaunliche sinnlich-gesangliche Potenzial, das der musikalische Aphoristiker Eisler beherrscht. Diese Brecht’sche Parabel von einer hintersinnigen Lenin-Ehrung der besonderen Art – das Geld für eine teure Bronzebüste lieber in eine nützliche soziale Investition zu stecken – sang Tenor Martin Petzold mit pointiertem Belcanto.

Zum Schluss präsentierte das konzentriert spielende Rundfunkorchester den Sinfoniker Weill. Die 2. Sinfonie ist ein mit großer Gestik ausgebreitetes Stück Spätromantik, mit Tendenzen zu suggestiver Filmmusik. Mit bestechender kompositorischer Virtuosität lässt Weill chamäleonartig Stimmungen kippen, sodass durchaus auch mal „Dreigroschen“-Sound oder, als regelrechtes „Mahagonny“-Zitat, „Denn wie man sich bettet, so liegt man“ herauszuhören ist. Der Auftritt wurde mit Bravorufen belohnt.

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