Mittwoch, 20. September 2017

19. März 2017 19:12 Uhr

Theater Augsburg

Vorhang auf für den neuen Intendanten am Stadttheater Augsburg

André Bücker übernimmt nach der Sommerpause das Augsburger Theater. Dass es keine „richtige“ Spielstätte gibt, kommt ihm dabei vielleicht sogar zugute.

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Andre Bücker leitet ab der kommenden Spielzeit das Theater Augsburg.
Foto: Anne Wall

Die Vorzeichen für den Start von André Bücker sind günstig: Wie jeder, der beruflich eine neue Aufgabe übernimmt, muss er beweisen, dass er bereit ist für Veränderungen. Veränderungen, die im besten Fall auch Verbesserungen sind. Doch der künftige Intendant des Theaters Augsburgs hat einen Bonus, da er sein Amt in einer Zeit des Umbruchs antritt: Ein voll funktionsfähiges Theaterhaus steht ihm nicht zur Verfügung, die Übergangsspielstätten werden eben erst gebaut. Sollte Bückers erste Saison also nicht so anlaufen, wie er, sein Team und die Theaterbesucher sich das wünschen, könnte man dies immer noch auf die Rahmenbedingungen zurückführen.

Neuer Intendant will neue Besucher ansprechen

Bücker aber tritt mit einem anderen Anspruch an, was er im zuständigen Werkausschuss des Stadtrats auch klar machte: Er will neue Besucher ansprechen, die „Reichweite“ des Dreispartenhauses erhöhen und „die ökonomische Situation“ verbessern. Vor allem letztere Ankündigung dürfte wohl dazu dienen, den Kritikern der Theatersanierung eine Brücke zu bauen. Sie hatten stets argumentiert, die millionenschwere Sanierung komme am Ende nur einer „Minderheit“ von Theaterbesuchern zugute.

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Was aber wäre, wenn Augsburg künftig etwas böte, das nicht nur Menschen aus der näheren Umgebung, sondern Gäste aus ganz Bayern sehen wollen? Könnte das Fugger-Musical auf der Freilichtbühne ein solches Stück werden? Bücker will es vermarkten, will den Besuch am Roten Tor zum Paket schnüren mit Stadtführungen und Museumsbesuchen. Es könnte ein Angebot sein für Theaterinteressierte, die im Sommer eine Städtereise planen. Vielleicht sogar eines, das man jährlich machen könnte.

Das Theater Augsburg soll für 235 Millionen Euro saniert werden. Jetzt geht das Theater in die Offensive: Die Augsburger sollen mit eigenen Augen sehen, wie schlecht es um das Große Haus bestellt ist. Daher gibt es jetzt regelmäßig Führungen.

Die Stücke müssen beim Publikum „ziehen“

Doch bevor man darüber diskutiert, wird man sehen müssen, wie das Augsburg-Musical 2018 überhaupt ankommt. Denn der Erfolg so mancher Freilichtbühnensaison rührte in den vergangenen Jahren daher, dass Kassenschlager wie „Jesus Christ Superstar“ oder die „Blues Brothers“ gezeigt wurden – Stücke also, deren Songs bekannt sind und „ziehen“.

Was sich nach der Präsentation des ersten Bücker-Spielplans abzeichnet, ist dies: Die Entscheidung, bei der Neubesetzung der Theaterleitung auf ein Tandem aus Intendant und Kaufmännischem Direktor zu setzen, war richtig. André Bücker hatte sich gemeinsam mit Friedrich Meyer für Augsburg beworben, die beiden sind ein eingespieltes Team. Nun wollen sie das Theater offenbar auch wirtschaftlich auf stabile Beine stellen. Augsburger Inszenierungen werden künftig auch an andere Häuser verkauft. Mit Heilbronn und Schweinfurt ist Bücker bereits übereingekommen. Der Wegfall der Hauptspielstätte kommt ihm dabei sogar zupass: Weil die Bühne des Großen Hauses so groß ist, eignete sich in der Vergangenheit kaum ein Bühnenbild – und damit kaum eine Produktion – für andere Theater in Deutschland. Mit den kleineren Interimsbühnen ist dieses Problem erst einmal behoben.

Spielplan von Bücker gibt Antworten

André Bücker gibt mit seinem ersten Spielplan Antworten auf Fragen, die im Rahmen der Sanierungsdebatte immer wieder gestellt wurden. Doch das alles wirkt nicht gezwungen, nicht, als ob da jemand Erwartungen zu erfüllen versuche. Bücker will in Augsburg lediglich die Form des Theaters umsetzen, die ihn auch in anderen Städten bereits umgetrieben hat.

Eine Thema ist dabei die auch in Augsburg oft geforderte Öffnung des Theaters – zugegebenermaßen ein schwammiger Begriff, da man ihn einerseits baulich, andererseits künstlerisch betrachten kann. Was die Frage nach einem öffentlichen Café oder ähnlichen Angeboten im Großen Haus betrifft, hat ein Intendant nur bedingt Einfluss. Diese Voraussetzungen muss die Stadt im Rahmen der Sanierung schaffen.

Künstlerisch gesehen will Bücker aber neue Wege gehen. Ein Beispiel: Sein Tatort ist ein Stück, für das Besucher nicht ins Theater kommen müssen, sondern mit dem das Ensemble in die Stadtteile geht. Gut vorstellbar, dass sich dadurch Menschen angesprochen fühlen, die die Atmosphäre eines Theaters mit roten Plüschsesseln eher abschreckt. Für das größtenteils neue Ensemble ist dies aber auch ein Weg, die Stadt kennenzulernen.

Das Hin und Her der Spielstätten hatte Folgen

Mit anderen, freien Ensembles und Künstlern will Bücker Kooperationen eingehen. Er setzt damit eine Arbeitsweise fort, auf die zuletzt auch seine Vorgängerin Juliane Votteler setzte. Dass er die Fühler in Augsburg längst ausgestreckt hat, ist kein Geheimnis: Bücker, so ist zu hören, ist unter anderem mit dem Augsburger Regisseur Ferdi Degirmencioglu im Gespräch. Wenn er Ende April sein neues Team vorstellt, will er außerdem weitere Projekte präsentieren.

Allen neuen künstlerischen Formaten zum Trotz, wird Bücker aber erst einmal am Image des Theaters arbeiten müssen. Vielen Besuchern hat das Hin und Her um die Ausweichspielstätten nicht behagt. Dem Theater ist daran zwar nicht die Schuld zu geben – es war die Stadt, die unglücklich agierte – , doch es muss die Folgen tragen: Einige Abonnenten sprangen ab, weil sie die Unsicherheit nicht mehr mitmachen wollten. Vor diesem Hintergrund ist André Bückers Mahnung zu verstehen, die er den Stadträten diese Woche zwar freundlich, aber unmissverständlich mitgab: Beim Umbau der Martinipark-Hallen zur Spielstätte darf nichts schief gehen. Die Abonnenten, sagt Bücker, brauchen wieder Verlässlichkeit. Erst dann werden sie auch bereit sein, sich auf neue, künstlerische Experimente einzulassen.

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Ein Artikel von
Nicole Prestle

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