Sonntag, 19. November 2017

11. Oktober 2011 00:11 Uhr

Puppenspiel

Wahnwitzige Wahrheiten

Große Stoffe vergnügen das Publikum beim klapps-Festival Von Alois Knoller und Claudius Wiedemann

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Drei große Stoffe handelte das Puppenspielfestival „klapps“ am Wochenende ab – freilich in der genretypischen heiteren Leichtigkeit.

Waren Bayern-König Ludwig II. und Kaiserin Sissi zwei Königskinder, die sich liebten, aber zueinander nicht fanden? Wie es hätte sein können, davon erzählte „Sissi und Ludwig II.“ am Freitagabend die Wolfsburger Figurentheater Compagnie in einer spritzigen Inszenierung. Die beiden Spielerinnen Brigitte van Lindt und Andrea Haupt hielten intensiven Kontakt zum Publikum. Ihre überzogen nervöse Art amüsierte und sorgte immer wieder für Lacher. Diese ergeben sich auch aus der grotesken Liebesgeschichte, die „nichts als die Wahrheit“ zeigte.

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Fähnchen schwingendes Volk

Spannend ergänzten sich die unterschiedlichen Theatermittel. Das Realspiel hatte ebenso seinen Platz wie große und kleine Handpuppen, Diaprojektionen und viel pompöse, nicht selten wagnerianische Musik. Wagner schenkte sich sogar als Puppe seinem Gönner Ludwig II.

Die Zuschauer mussten auch als Akteure herhalten – als Fähnchen schwingendes Volk bei der pompösen Kaiserhochzeit zwischen Sissi und Franz Josef. Doch damit ist der Untergang der beiden bayerischen Liebenden eingeläutet. „Jetzt haben sie sich auf ewig verloren.“ Doch nein, die Wolfsburger deckten die Wahrheit auf: Sissi und Ludwig waren keineswegs des Todes, sie flohen in die neue Welt und gründeten die erste Weißbierbrauerei der USA.

Früher war es einfacher. Da gab es noch den Schalk, der den Normalos den Spiegel vorhielt und an ihre unbemerkten Narrheiten erinnerte. Zum Glück hat sich die Erfurter Puppenspielerin Christiane Weidinger auf die Suche gemacht, um Till Eulenspiegel aufzustöbern. Als fidele Marketenderin mit einer riesigen Hucke wackelte sie am Samstagabend ins Theater. Sie ist Mutter Witgen, der ihr Till entsprungen ist.

Im Reden hat sie schon ihre Schüssel, die eben noch eine Schwangerschaft andeutete, abgeschnallt, mit etwas Wasser gefüllt und eine Spiellandschaft auf ihrer Hucke aufgebaut. Till erscheint als Stoffpuppe, die oftmals ausgewrungen wird, an der Leine hängt – und pieselt. Aus den Brüsten, die ihn säugten, stülpen sich zwei keifende Marktweiber heraus. Die Hucke wird zum Bienenkorb, den klappmaulige Spitzbuben klauen wollen.

Eine kreative Überraschung nach der anderen erwartete die vergnügten Zuschauer. In Christiane Weidingers Kostüm gibt es zahlreiche Taschen mit vielen Figuren, mit denen sie die Streiche des Till Eulenspiegels erfrischend frech spielt – als er Eulen und Meerkatzen backt und für gutes Geld vertickt, als er wieder einmal einen reichen Pfeffersack ausschmiert, als er zum Spott ehrbaren Bürger sein blankes Gesäß zeigt. Dazu passte die Schnodderschnauze der Puppenspielerin, die zur Gitarre auch unverschämte Lieder sang. In zwei Theaterstunden vollbrachte sie eine großartige Solovorstellung, die doppelt so viele Zuschauer verdient gehabt hätte.

Ein absolutes Highlight der Puppenspielkunst erlebten die Zuschauer am Sonntagabend mit Grimms Märchen „Der Mond“, dargeboten vom Theater der Nacht aus Northeim. Geboten wurde die perfekte Symbiose von Poesie und Magie. Heiko Brockhausen hat eine eigene Version geschrieben. Erzählt wird nicht nur die Geschichte vom Diebstahl des Mondes. Seine Diebe nehmen das große Licht in ihren Särgen sogar mit in das Totenreich. Damit gerät die Welt wahrhaft aus den Fugen, herrscht auf der Erde mit Sonnenuntergang stockfinstere Nacht. Die Unterwelt jedoch erwacht zu neuem Leben. Kein Wunder, dass Petrus auf den Plan gerufen ist.

Grandios agierende Spieler

Bald hatte man den Eindruck, es agierten ein Dutzend Personen auf der Bühne. Doch weit gefehlt: Alle Figuren, Masken, Hand- und Stabpuppen, Tischpüppchen und Objekte wurden von vier grandios agierenden Puppenspielern bedient und gegeben: Heiko Brockhausen, Gudrun Stockmann, Ruth Brockhausen und Thomas Rump. Ihr Spiel verzauberte über zwei Stunden mit der Poesie des Figurentheaters.

Da durchstreiften mit ausdrucksstarken Masken Gottfried, Karl, Bernhard und der fette Hugo die mondbeschienenen Nächte. Die große Handpuppe „Der Wächter“ wehrte sich verzweifelt gegen die Folter der Zwerge, die eine Sprache sprachen, die man nur im Land der Fantasie entwickeln kann. Der Heilige Petrus war ein Riese. Friedrich und seine Frau hingegen spazierten als zwei Däumlinge durch diese Welt, die ihren Platz auf einem alten Leierkasten gefunden hatten. Und dann kämpften da noch die Skelette.

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Ludwig II. | USA

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