Dienstag, 20. Februar 2018

14. Februar 2018 06:24 Uhr

Augsburg

Warum in Augsburg so viele neue Hotels entstehen

Vier Hotels wollen bis Ende 2019 in Augsburg eröffnen. Ihre Ansiedlung ist nötig, sagt ein Experte. Das Drei Mohren reagiert mit einem neuen Angebot auf die Anfrage von Gästen.

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Etwas mehr als 4000 Hotelbetten stehen derzeit in Augsburg für Gäste zur Verfügung. Diese Zahl könnte bald auf 6000 steigen, da demnächst mehrere Unternehmen Hotels eröffnen wollen.
Foto: Silvio Wyszengrad

Für Hotelbetreiber scheint Augsburg ein gutes Pflaster zu sein. Nachdem es viele Jahre lang zu wenig Hotelbetten in der Stadt gab, wollen in den kommenden zwei Jahren gleich mehrere Unternehmen Häuser eröffnen. Das größte Hotel der Stadt wird wie berichtet direkt am Plärrer, auf dem bisherigen Gelände des Autohauses, entstehen.

Das „Leonardo Royal Hotel“ soll Ende 2019 eröffnen, sich über sieben Etagen erstrecken und über 235 Zimmer mit 500 Betten verfügen. Im Textilviertel soll Ende 2018 das Drei-Sterne-Haus „Hotel beim tim“ mit 155 Zimmer seine Pforte öffnen. So zumindest steht es auf der Bautafel. Im Gespräch ist dieses Projekt schon seit längerem, passiert ist in den vergangenen Monaten aber nichts. Insider sind deshalb skeptisch, ob sich der avisierte Eröffnungstermin halten lässt.

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Im Innovationspark will sich das Lifestyle- und Budgethotel „Ninety Nine“ (120 Zimmer) bis Ende 2018 ansiedeln. In der Eichleitnerstraße kommt mit dem Arthotel ANA Living ein Boarding-House mit 52 Zimmern und dazu das Zwei-Sterne-Business-Hotel „Super8“, das 152 Zimmer haben wird. Eröffnung ist für 2020 geplant.

Eine „notwendige Entwicklung“

Was für den Laien wie eine Angebotserweiterung zu großen Ausmaßes wirkt, ist für Augsburgs Tourismusdirektor Götz Beck eine notwendige Entwicklung. „Zusätzliche Übernachtungsmöglichkeiten sind absolut notwendig, um sich erfolgreich dem Wettbewerb stellen zu können“, sagt er. Der Bedarf sei gegeben, das zeige auch ein Blick auf die Statistik. Seit 1998 steigen demnach die Übernachtungszahlen für Augsburg stark an. Lag die Zahl 1998 noch bei 431.341 wurden im vergangenen Jahr 782.262 Übernachtungen gezählt.

Als Gründe für diese Entwicklung nennt Beck verschiedene Faktoren. „Mit der Sanierung und Neupositionierung des Kongress am Park konnte sich Augsburg zu einer Kongressdestination entwickeln. Dieses Marktsegment ist einer der wichtigsten Impulsgeber für die positive touristische Entwicklung.“ Ebenso habe sich die Messe in den vergangenen Jahren vor allem mit den Leitmessen Interlift, GrindTec und Americana stark entwickelt, so Beck. Aber auch der FCA, die Augsburger Panther und die Kanuwettbewerbe am Eiskanal zögen Publikum an, dazu entwickle sich der Städtetourismus stark.

Laut „World Travel Organisation“ ist der Städtetourismus ein Megatrend, der sich bis 2030 mit dieser Dynamik fortsetzen wird. „Augsburg kann hier mit wichtigen Profilen wie Fugger, Brecht, Mozart, den Römern oder Luther punkten“, argumentiert Beck. Diese Themen seien so aufbereitet, dass Besucher sie das ganze Jahr über erleben können: Für jedes Thema gebe es ein Museum und Führungen, Jubiläen werden genutzt, um die Profile zusätzlich hervorzuheben, so Beck.

Der Welterbe-Titel brächte zusätzliche Gäste

Sollte Augsburg 2019 Unesco-Welterbe werden, so könne der Tourismus von dieser weltweit anerkannten Marke zusätzlich profitieren. Auch die Ansiedlung der Universitätsklinik werde dazu führen, dass es im Kongress- und Tagungsbereich sowie bei Übernachtungen Zuwächse geben wird. Eine Erhöhung von derzeit rund 4400 auf 6000 Betten sei für Augsburg daher absolut erstrebenswert.

Zum Vergleich: In Nürnberg (rund 512.000 Einwohner) stehen den Gästen 18500 Betten zur Verfügung, in Münster (310.000 Einwohner) sind es 8250, Regensburg (140.000 Einwohner) hat 6320 und Freiburg (220.000 Einwohner) 8500 Betten. Augsburg könnte mit den geplanten Neuansiedlungen nun auf rund 6000 Betten aufholen.

Dabei ist Bett aber nicht gleich Bett und Hotel nicht gleich Hotel. Die Gäste haben unterschiedliche Ansprüche – sie variieren je nach Reisegrund, Alter und persönlichen Lebensumständen. So fehlen in Augsburg laut Beck derzeit Angebote im Zwei- und Drei-Sterne-Bereich. Der Tourismusexperte geht deshalb davon aus, dass die Investoren den Augsburger Markt genau analysiert haben und ihre Neuansiedlungen entsprechend ausgerichtet werden.

Die dritte Suite

Auch bereits in Augsburg ansässige Häuser tun dies regelmäßig und rüsten auf. Das Hotel Drei Mohren (Steigenberger) beispielsweise hat vor Kurzem seine dritte Suite eröffnet. Sie ist 80 Quadratmeter groß und kostet, je nach Aufenthaltsdauer und Saison, zwischen 350 und 700 Euro die Nacht. Wer glaubt, dieser Preis schrecke ab, der irrt. „Vor allem für geräumige Zimmer mit viel Platz, wie es bei unseren Suiten der Fall ist, ist die Nachfrage stark gestiegen. Aus diesem Grund haben wir uns dazu entschieden, rund 180.000 Euro zu investieren und unser Haus noch um eine Suite zu erweitern“, sagt Hoteldirektor Theodor Gandenheimer. Die Auslastung der drei exklusiven Wohneinheiten liege bei 75 Prozent.

Die Gäste wollen heutzutage nicht mehr nur übernachten sondern wohnen, so Gandenheimer. Die neue Suite verfüge daher über ausgewählte Designermöbel, ein großes Bad mit freistehender Wanne und einen verspiegelten Fernseher. Dass exklusive Übernachtungen gefragt sind, weiß auch Götz Beck. Er hält die Personengruppe, die solche Angebote nutzt, jedoch für überschaubar. Wichtig sei das Angebot dennoch, weil es zum Angebotsmix beiträgt. „Wir haben in Augsburg vom Viereinhalb-Sterne-Hotel bis zum Hostel und Ferienwohnungen alles.“ Kommen jetzt die neu geplanten Häuser dazu, sei Augsburg vorerst gut aufgestellt.

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Andrea Wenzel

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