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27. Juni 2008 22:05 Uhr

Was BAP mit Augsburg am Hut hat

Moment mal, sang da gerade einer "Augsburg" im Radio? Tatsache: Im neuen Hit "Morje fröh doheim" der Kölner Band BAP kommt Augsburg vor. Ebenfalls in dem älteren Lied "Sendeschluss". Weshalb das so ist und welche Anekdoten der Sänger und Textschreiber mit Augsburg verbindet, das hat er im Gespräch mit unserer Zeitung verraten.

Herr Niedecken, das müssen Sie uns jetzt mal erklären: Warum baut ein Kölner ausgerechnet Augsburg in seine Lieder ein, nicht nur in "Morje fröh doheim" vom neuen Album, sondern in "Sendeschluss" taucht Augsburg ja auch schon auf.

Wolfgang Niedecken: Stimmt, das ist ja tatsächlich eine Parallele. Es ist mir immer wieder in den Kopf gekommen, wie kriegen eigentlich diese Fernfahrer ihr Familienleben hin? Dann war die Geschichte relativ naheliegend. Und wenn man da die Autobahn ein bisschen kennt, ich kenne sie natürlich alle, ich kenne jeden Kilometerstein beim Namen, dann muss es eine Strecke sein, die vom Süden in den Norden oder vom Norden in den Süden führt.

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Und über die A 8, weil die besonders schrecklich ist?

Niedecken: Ja (lacht). Ich hasse diese Krimis, die immer vor den Sehenswürdigkeiten stattfinden. Ich sage immer, wenn ein Krimi, der in New York spielt, ohne Empire State Building und Freiheitsstatue nicht auskommt, dann ist irgendwo ein Fehler im Plot. Oder wenn die Köln-Krimis alle vor dem Dom stattfinden, dann schalte ich aus, ich kann das nicht ab. Deswegen habe ich mir zwei Städte ausgesucht, die ich kenne, mit denen ich was am Hut hab, die aber nicht unbedingt spektakulär sind. (Anm. der Red.: Augsburg und Osnabrück) Wir haben ja nun überall gespielt, es heißt ja, eine Tournee ist bei BAP zu Ende, wenn wir an allen Steckdosen gespielt haben. In Augsburg zum ersten Mal 1981 in der Kresslesmühle. Da waren so wenig Zuschauer da, dass wir noch nicht einmal die Anlage aufbauen mussten, wir haben die Monitorboxen umgedreht und dann war's gut.

Und was verbinden Sie sonst so mit Augsburg?

Niedecken: In erster Linie unsere Konzerte. Wir haben ja auch in Augsburg an jeder Steckdose gespielt. Einschließlich im Fußballstadion. Damals auf einer Festival-Tour mit Suzanne Vega, Joe Cocker und den südafrikanischen Kollegen Johnny Clegg and Savuka.

Was fällt Ihnen sonst so zu Augsburg ein? Als Sehenswürdigkeitenhasser?

Niedecken: Ich bin kein Sehenswürdigkeitenhasser. Aber ich ergehe mir die Städte und nicht nur die Wahrzeichen. Wir haben bei BAP die Einrichtung, dass wir einen Bus für die Frühaufsteher, also die Frühschicht, haben und einen für die Spätschicht. Das heißt, die Frühschicht will immer möglichst schnell in der nächsten Stadt sein und die Spätschicht will in der Stadt aussschlafen, wo wir am Abend vorher gespielt haben.

In welchem Bus sitzen Sie?

Niedecken: Im Frühbus. Weil ich mir halt die Stadt dann auch noch ergehen möchte. Ich will in der Stadt immer sehen, was hat sich getan, seit wir das letzte Mal da gespielt haben. Und ein Gefühl haben, wenn ich auf der Bühne stehe, für die Leute, die da sind. Ich erinnere mich in Augsburg natürlich auch an die Gold-Verleihung, für unser erstes Live-Album "Bess demnähx" von 1983. Was ist noch in Augsburg? Dieses runde Hotel . . .

Der Hotelturm, Maiskolben, wie er hier genannt wird . . .

Niedecken: Ja, da haben wir auch 1000 Mal drin gewohnt. Das ist aber das Schlimme, dass ich manchmal Augsburg und Ulm durcheinanderwerfe. Das hört ihr wahrscheinlich nicht sehr gerne.

Nein.

Niedecken: Na, dann lassen wir das mal weg. Würden Sie Düsseldorf und Köln durcheinanderbringen, hätten Sie's auch bei mir verscherzt (lacht).

Na, so schlimm ist es bei uns nicht.

Niedecken: Im Hotelturm haben wir auch gewohnt, als wir beim Spiel FC Augsburg gegen FC Köln waren...

. . . vor zwei Jahren, als der FCA in die zweite Liga aufgestiegen ist . . .

Niedecken: Ja, ich bin ja mit dem Andreas Rettig befreundet. Das für mich Denkwürdige an diesem Spiel war, dass der Christian Springer, der bis zum Ende der davorliegenden Saison beim FC gespielt hatte und auch ein guter Freund ist, sein erstes Spiel als nicht mehr aktiver Fußballer von der Tribüne aus verfolgt hat. Ich saß neben dem und hab eigentlich das ganze Spiel mit seinen Augen gesehen. Das muss der Horror für ihn gewesen sein. Wenn ich mir vorstelle, ich ginge in ein BAP-Konzert und dann steht da ein anderer, der singt. Ich glaube, ich würde wahnsinnig werden.

Apropos Tour: Auf dem BAP-Tourplan taucht Augsburg nicht auf. Sie haben doch gesagt, Sie spielen an jeder Steckdose.

Niedecken: Das ist ja noch nicht alles fertig (lacht). Da steht immer drunter "wird fortgesetzt".

Augsburg wird also bei der Radio-Pandora-Tour noch aufgenommen?

Niedecken: Da kann ich meine Hand nicht für ins Feuer legen. Aber irgendwas, wo man nicht allzu weit fahren muss, wird dabei sein. Das kann ich versprechen.

Wie sind Sie eigentlich auf den Text von Sendeschluss gekommen. Hat Ihnen damals ein Fan geschrieben?

Niedecken: Wenn ich mich recht entsinne, gerieten wir damals immer mehr in ein Dilemma. Nämlich, dass uns minderjährige Jugendliche nachreisten, die in uns was sahen, wo sie sich nach sehnten. Nach was Abenteuerlichem, weiß der Teufel. Wenn wir aus der Halle rauskamen, dann standen die da draußen in unglaublichen Mengen und uns war klar, die sind jetzt schon seit einer Woche hinter uns her. Wo schlafen diese Kinder eigentlich? Also versuchen wir für sie Hotelzimmer zu mieten, wo die mit ihren Schlafsäcken reinkönnen. Zehn auf ein Zimmer. Was allerdings dazu führte, dass das die Runde machte. Das wurden immer mehr. Bis wir sagen mussten: Jeder kann eine Nacht in so ein Zimmer und dann soll er nach Hause fahren. Klappte aber nicht.

Ist Augsburg hier also wieder das Synonym für ganz weit weg?

Niedecken: Diesen Brief gab's tatsächlich. In Augsburg war ich auch mal aus der Halle gekommen. In Augsburg fing dieser Prozess glaube ich an, dass wir anfingen, diese Verantwortung für diese Fans zu realisieren. Aber als Erstes fällt mir bei Augsburg immer die Kresslesmühle ein. Der Mann, der unsere Bühne gebaut und unsere Trucks gefahren hat, der kam aus Augsburg. Oh, wie hieß denn der? Wir nannten den immer Schepperle.

Wieso das denn?

Niedecken: Weil er es immer so lustig fand, dass unser Percussionspieler so viele verschiedene Instrumente hatte, mit denen er herumschepperte.

Ach so, ich dachte schon "Schepperle" - das heißt hier in Schwaben ja so viel wie kleiner Dachschaden, nett ausgedrückt.

Niedecken: (lacht) Nee, nee, der stand immer vor dem ganzen Percussionkram und freute sich - ich habe damals immer noch ein g davor gehört - Gschepperle.

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