Dienstag, 27. September 2016

13. Januar 2016 13:16 Uhr

Augsburg

Was man als Radler auf dem Weg in den Oman erlebt

Uwe Philipp ist vor acht Monaten in Augsburg gestartet und ist tief beeindruckt: Er traf spannende Menschen, musste Steinen ausweichen und staunte über die Iranerinnen.

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Uwe Philipp hat Haunstetten Ende April 2015 verlassen, um sieben Jahre lang mit Rad um die Welt zu fahren. Er ist 57 Jahre alt.

Am 29. April 2015 sind Sie in Augsburg losgeradelt und sind jetzt im Oman. Wie waren die ersten Tage und Wochen? Was hat sich verändert?

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Philipp: „Allem Anfang wohnt ein Zauber inne...“, so war das auch bei mir. Die ersten Wochen waren einfach eine Art Rausch. Der Rhythmus war sehr schnell gefunden. Am Anfang war es ein Weltumradler-Dasein, was bedeutete: Weiter! Weiter! Jetzt nach acht Monaten bin ich im Nomaden-Dasein angekommen, das heißt genießen, entspannen, im Augenblick leben, auf die innere Stimme hören.

An welche Begegnungen erinnern sie sich besonders gerne?

Philipp: Ich habe bis heute unzählige bezaubernde Begegnungen gehabt. Der Georgier, der in 2600 Meter Höhe alleine eine Kirche baut und mich zum Bleiben einlud, die vier Afghanen, die mir bei strömendem Regen heimlich einen Saal zum Übernachten öffneten und die Herzlichkeit von Ali’s Familie, die mich wie einen Sohn für zwei Tage beherbergten, lecker kochten, meine Sachen wuschen und flickten, sollen hier für alle anderen stehen. All diese Geschichten würden bereits heute ein Buch füllen.

Auf welche Begegnungen hätten Sie verzichten können?

Philipp: Auf die Steine werfenden Jungen in der Osttürkei. Sie trafen mich mehrmals heftig. Das war kein Spiel, wie von den Erwachsenen gerne erzählt wird. Zum Glück fuhr ich mit Helm, ein faustgroßer Lavabrocken traf mich am Kopf. Die Begegnung mit einem Wetterumsturz in Armenien hätte ich mir gerne erspart. Mein Zeltgestänge brach und viele Teile stürzten einen Berghang hinab und waren nicht mehr auffindbar. Ich musste eine wilde Nacht bei Gewitter und Sturm unter einer Plane liegend verbringen in der Sorge, dass der Rest auch noch weggerissen wird.

Welches Land hat Sie besonders beeindruckt?

Philipp: Der Iran. Ein wundervolles Land. Die Menschen, die ich kennenlernen durfte, waren unglaublich freundlich, hilfsbereit und friedvoll. Die Vielfalt der Landschaften von Bergen über Meer bis Wüste waren die reinste Freude für mich. Der Iran konfrontierte mich aber auch mit vielen Vorurteilen, die sich nicht bestätigten. Ich hatte eher ein düsteres Land voller Regulierungen und Kontrollen erwartet, das Gegenteil war der Fall.

Was hat sie so überrascht?

Philipp: Zum einen die Offenheit und Freundlichkeit der Frauen im Iran. Viele haben studiert, sprechen fließend Englisch und haben eine hohe Allgemeinbildung. Das mag banal klingen, ist in anderen islamischen Ländern aber nicht selbstverständlich. Wobei es einen großen Unterschied zwischen Land und Stadt gibt. So verschleierten Frauen in Dörfern ihr Gesicht beim Anblick eines Fremden sofort und traten zur Seite. In Teheran musste man manchmal schon genau hinsehen, den Schleier überhaupt wahrzunehmen. Man sieht Joggerinnen, viele Autofahrerinnen, die Cafés, besonders im Umfeld der Universitäten, sind voller Lebendigkeit und westlichem Lifestyle.

Wie sind Sie in den Oman gekommen?

Philipp: Über Deutschland, Österreich, Slowakei, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Griechenland, Türkei, Georgien und Armenien in den Iran. Dort habe ich von der Hafenstadt Bandar Abbas nach Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten übergesetzt. Von dort aus ging es in den Oman.

Lief alles wie am Schnürchen, oder sind sie an einem Ort länger geblieben?

Philipp: Da ich auf ein Ersatzteil und ein Visum warten musste, blieb ich länger im Kaukasus, am Mount Aragaz, dem höchsten Berg in Armenien, und in dem Ort Gocht. Es waren Tage der Selbsterfahrung und purer Lebensfreude. Lot Desert im Iran war einfach atemberaubend, die Zeit aufgrund Wassermangels jedoch begrenzt.

Fühlen Sie sich einsam, wenn Sie von Ort zu Ort radeln?

Philipp: Nein, beim Radeln nicht, da hat es eher Vorteile. Aber an schönen Orten das Erleben teilen zu können, wäre schon erfüllender. Da hat das Solo-Unterwegssein schon manchmal etwas Trauriges, selbst im imposantesten Augenblick.

Was vermissen Sie an Augsburg?

Philipp: Zum Beispiel einen Abend mit dem Augsburger Ballett auf der Brechtbühne. Oder den jährlichen Plausch mit dem „Wachskerzen-Mann“ auf der Weihnachtsinsel. Oder dass Autos am Zebrastreifen halten. Und Zwetschgendatschi! Es sind kleine Dinge, die man woanders nicht kaufen kann. Am meisten aber vermisse ich, mal schnell meine beiden Töchter besuchen zu können.

Wie halten Sie zu ihren Töchtern, Verwandten und Freunden Kontakt?

Philipp: Kontakt halte ich über Facebook und WhatsApp. Das geht schnell und ist zeitnah.

Wie haben Sie Weihnachten und Silvester verbracht?

Philipp: Beide Tage werden im Islam nicht gefeiert und so waren es ganz normale Tage für mich. Ich verbrachte sie jeweils am Strand, zum normalen Pasta-Essen gab es aber Orangen als Dessert. Silvester war besonders intensiv: Fluoreszierende Algen färbten die nächtlich-schwarzen Wellen in leuchtendes Blau, dazu ging am Horizont ein blutroter Halbmond auf. Das war voll nach meinem Geschmack.

Ihr Ziel ist es, sieben Jahre unterwegs zu sein. Ist es das immer noch?

Philipp: Ja, es ist einfach zu traumhaft,umfrüheraufzuhören. Ich habe jedoch die Vision, einen Rückzugort zufinden, von dem aus ich mein Nomaden-Sein leben kann. Vielleicht in Chile oder Uruguay. Ich glaube, ein bisschen Heimat tut jedem gut.

Sie haben vor ihrer Abreise errechnet, dass sie im Schnitt fünf Euro am Tag ausgeben können. Klappt das?

Philipp: Meistens klappt das, ist sogar weniger. Allerdings musste ich einige Male wegen des Konflikts in der Türkei im Hotel übernachten, was so nicht geplant war. Es fordert jedoch jede Menge Disziplin und ist manchmal recht frustrierend, wenn man vor vollen Regalen steht und nicht kaufen kann, was das Herz begehrt.

Wo übernachten Sie unterwegs?

Philipp: Bis jetzt klappt wildes Campen bestens. Besonders die islamischen Länder haben eine ausgeprägte Camping-Kultur und fördern dies teilweise durch angelegte Plätze. Manchmal bin ich im Hotel schon alleine wegen des Komforts oder wegen der Größe einer Stadt oder wurde zum Übernachten eingeladen. Das ist aber eher selten der Fall.

Sie haben sich extra ein Reisefahrrad zugelegt und es mit einem Händler nach ihren Anforderungen aufgebaut. Entspricht es nun ihren Erwartungen?

Philipp: Ja, voll und ganz. Ich habe keine Rücken- und Knieschmerzen und das Handling ist super. Die beiden Dynamo-Jungs wissen, von was sie sprechen. Und sollte durch den teils harten Einsatz doch ein Problem auftauchen, stehen sie mir immer noch hilfreich zur Seite.

Sie sind mit 50 Kilogramm Gepäck losgefahren. Ist das mit der Zeit weniger geworden?

Philipp: Es ist gleich geblieben. Zwar habe ich mich beispielsweise vom Biwaksack getrennt, dafür ist Werkzeug hinzugekommen. Ich könnte noch die Kleidung reduzieren, sollte ich aber dann doch etwas brauchen, ist der Ersatz meist teuer und nicht in der selben Qualität. Spätestens beim ersten Flug wird es aber weniger werden müssen.

Apropos Flug. Wie soll es in diesem Jahr weitergehen? Und wohin?

Philipp: Ich würde liebend gerne die Erfahrung machen, mit einem Schiff über das große weite Meer zu fahren. Wenn es klappt, kann ich nach Kapstadt fahren und danach in Richtung Namibia radeln. Wenn nicht, geht es mit dem Flieger nach Sao Paulo in Brasilien und dann für die nächsten Jahre durch Lateinamerika, beispielsweise zum Tango tanzen, für Trekking-Touren und um das Leben und die Arbeitsweise der Schamanen kennenzulernen. Ein Buchprojekt zum Thema „Stille“ ist bereits in Arbeit. Es bleibt also spannend. Interview:

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