Montag, 18. Dezember 2017

26. September 2011 15:52 Uhr

Interview

Welches Deutsch ist richtig?

Ein Gespräch mit Sprachwissenschaftler Stephan Elspaß über die Untiefen der deutschen Grammatik und den Stellenwert der Sprache. Neues Forschungsprojekt an der Uni. Von Eva Maria Knab

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Einzahl und Mehrzahl: Fiona Preis von der Grundschule Göggingen-West schreibt verschiedene Varianten des Plurals an die Tafel. „Die Parks“ sagt man vor allem in Süddeutschland und der Schweiz, „die Pärke“ in der Schweiz. „die Parke“ ist eine Variante, die in Südtirol gebräuchlich ist.
Foto: Fred Schöllhorn

Die deutsche Sprache ist ein Irrgarten. Spätestens seit der Buchreihe „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“ von Sebastian Sick wissen wir, welche Stolperfallen sie bereithält. Ein Wissenschaftler der Uni Augsburg geht nun noch einen Schritt weiter. Er nimmt die Feinheiten der deutschen Grammatik systematisch unter die Lupe. Wir sprachen mit Professor Stephan Elspaß über sein internationales Forschungsprojekt.

Lassen Sie uns mit einem Test anfangen: Was ist korrektes Deutsch – „ich bin gestanden“ oder „ich habe gestanden“?

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Elspaß: Beides ist Standarddeutsch, nur in verschiedenen regionalen Variationen. „Ich bin gestanden“ würde eher auf einen Schreiber aus dem süddeutschen Sprachraum, aus Österreich oder der Schweiz weisen. „Ich habe gestanden“ schreibt üblicherweise ein Norddeutscher.

Was sind die häufigsten Unterschiede in diesen Sprachräumen?

Elspaß: Am auffallendsten sind neben den Unterschieden in der Aussprache diejenigen im Wortschatz, zum Beispiel die verschiedenen Wörter für Begriffe des Handwerks oder der Landwirtschaft.

Was interessiert Sie wissenschaftlich an den Unterschieden in der Alltagssprache?

Elspaß: Im Rahmen eines internationalen Projekts werden wir erstmals die nationalen und regionalen Unterschiede in der Grammatik der deutschen Standardsprache systematisch erforschen.

Wie werden Sie vorgehen?

Elspaß: Wir werden zirka 250 Millionen Wörter aus 57 Zeitungen des deutschen Sprachraums analysieren und dort Varianten herausfiltern. Zeitungen gelten Linguisten heute als der Maßstab für die Standardsprache.

Sie befassen sich mit relativ kleinen grammatikalischen Unterschieden, was ist der große Sinn dahinter?

Elspaß: Auch kleine sprachliche Unterschiede können für die nationale und regionale Identität wichtig sein. Für diese sprach-politische Dimension will ich nur ein Beispiel nennen: Als die Österreicher der EU beitraten, bestanden sie darauf, dass bestimmte landesübliche Ausdrücke ins Amtsdeutsch übernommen werden – etwa „Marille“ statt „Aprikose“.

Wie wichtig ist es, sich seine eigene Sprache zu bewahren?

Elspaß: Enorm wichtig. In anderen Ländern gibt es deshalb Regierungskrisen. Man braucht nur auf den Sprachenstreit zwischen Flamen und Wallonen in Belgien zu schauen.

In Deutschland spottet man vielleicht über sprachliche Unterschiede, aber regt man sich darüber auf?

Elspaß: Man kann sich gerade darüber aufregen, dass die sprachliche Färbung bestimmter Sprecher verspottet wird. Sprache kann einerseits ein Wir-Gefühl erzeugen – stärker noch als etwa landestypische Bauweisen, Speisen oder Kleidung. Wenn man sein Gegenüber wegen seines Akzents oder bestimmter Ausdrucksweisen sofort einordnet und einschätzt, kann andererseits auch Ausgrenzung die Folge sein.

Was glauben Sie, nimmt das Bewusstsein für Sprache bei uns zu oder ab?

Elspaß: Man kann den Eindruck gewinnen, dass bei lokalen Radio- oder TV-Sendern wieder mehr Moderatoren beschäftigt werden, die Hochdeutsch mit einer regionalen Einfärbung sprechen. Beim BR hört man immer wieder Sprecher mit dem rollenden „r“. Allerdings ist es schwer vorstellbar, dass ein solcher Sprecher in der „Tagesschau“ engagiert werden könnte.

Zurück zu Ihren Forschungszielen...

Elspaß: Ein praktisches Ziel ist es, eine Grammatik zu schreiben, die es so noch nicht gibt.

Reicht der Duden nicht aus, wenn man sich sprachlich orientieren will...

Elspaß: Wir wollen eine weiterreichende Hilfestellung geben. Journalisten, Übersetzer, aber auch Schüler und Studenten sollen sich über richtige und falsche sprachliche Varian-ten des Standarddeutschen informieren können. Zum Beispiel auch bei Streitfragen: Darf der Lehrer das als Fehler anrechnen?

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