Die 1900 Mitarbeiter der Verlagsgruppe Weltbild machen sich große Sorgen. Gestern startete mit der Frühschicht die umfangreiche Protest-Unterschriftenaktion. Wegen des angekündigten Verkaufs des Unternehmens befürchten die Mitarbeiter, dass viele Stellen abgebaut oder das Unternehmen ganz zerschlagen werden könnte (wir berichteten). Eine Jobgarantie will der Aufsichtsratschef Klaus Donaubauer zwar nicht explizit aussprechen, im Gespräch mit der AZ betont er aber, der "Erhalt des Standortes" sei Grundlage der Verhandlungen. Von Thomas Faulhaber


Fünf große Unternehmen sind in der engeren Auswahl, bestätigt Donaubauer AZ-Informationen. Dazu zählen die Riesen Bertelsmann, Thalia, Hugendubel und Holtzbrinck. Die internationale Finanzkrise habe die Verhandlungen deutlich erschwert. "Wir prüfen alles mit größter Sorgfalt", sagt Donaubauer, der gleichzeitig Finanzdirektor der Diözese ist. Denn 14 Diözesen sind die Besitzer der Verlagsgruppe, darunter auch Augsburg als drittgrößte Gesellschafterin. Donaubauer hat Verständnis für die Sorgen der Mitarbeiter ("Wir nehmen das ernst"). Der Appell der Mitarbeiter an die Bischöfe - "die christliche Verantwortung nicht der Höhe des möglichen Verkaufserlöses zu opfern" - belaste das Verhältnis zu der Belegschaft nicht. Doch der Aufsichtsratschef betont, dass die Sorgen unbegründet seien.
"Zuverlässigkeit, Seriosität und Sorgfalt" seien die Grundpfeiler der Verkaufsverhandlungen. Das Unternehmen sei hocheffektiv und profitabel. "Das Geschäftsmodell stimmt." Warum solle also ein neuer Eigentümer etwas daran ändern.
"Stehen zu unserer Verpflichtung"
"Bei der Entscheidung zählt nicht nur das Geld, auch die Sicherheit der Arbeitsplätze. Wir müssen das gut abwägen und stehen zu unserer Verpflichtung", versichert der Aufsichtsratschef.
Seit über 50 Jahren befindet sich das Unternehmen in kirchlicher Verantwortung. Zuletzt wurde ein Umsatz von über 1,9 Milliarden Euro erzielt. Die Rendite lag bei 100 Millionen Euro.
Donaubauer will jetzt möglichst zeitnah mit den Mitarbeitern ein Gespräch suchen, um "ihnen die Logik", die hinter den Verkaufsüberlegungen steht, "begreifbar zu machen". Ein Verkauf bedeute auch "neue Chancen und Entwicklungsmöglichkeiten".
Die von Gewerkschaft und Betriebsrat genannte Zahl von 1,5 Milliarden Euro, die ein Verkauf erzielen könnte, sei nicht realistisch. Der Geschäftsführer Carel Halff besitze im Übrigen das volle Vertrauen der Gesellschafter. Dass sich Halff, wie aus Gewerkschaftskreisen zu hören war, neu orientieren wolle, ist Donaubauer nicht bekannt. "Davon weiß ich nichts. Halff arbeitet sehr engagiert."
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