Dienstag, 30. August 2016

17. März 2016 07:11 Uhr

Augsburg

Wenn Eltern ihre Kinder krank in die Kita schicken

Viele Eltern schicken ihren Nachwuchs trotz Krankheit in Betreuungseinrichtungen. Der Grund ist oft hoher Druck im Beruf. Kindergärten und Ärzte warnen jedoch eindringlich davor.

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Viele Kinder gehen in Betreuungseinrichtungen, obwohl sie krank sind.
Foto: Tobias Kleinschmidt, dpa

Auch wenn der Nachwuchs hustet und schnieft, schicken viele Eltern ihre Kleinen anscheinend in die Kinderbetreuung. Bernhard Gattner vom Caritasverband der Diözese Augsburg findet das alarmierend. „Bedauerlicherweise passiert es oft, dass Kinder trotz Krankheit in die Kita kommen“, sagt Gattner im Gespräch mit unserer Redaktion.

Werden die Kinder krank, sollten die Eltern sie von der Kita abholen

Oft sei damit die Angst um einen Arbeitsplatz verbunden, viele Eltern seien berufstätig. „Da ergibt sich ein entsprechender Druck am Arbeitsplatz, auch um den Arbeitsplatz. Aber wenn ein Kind krank ist, sollte es zu Hause bleiben.“ Das Kind brauche die erhöhte Aufmerksamkeit der Eltern. Doch Gattner weiß auch, dass Krankheiten abrupt auftreten können. Dann sollten die Einrichtungen die Mutter oder den Vater erreichen, damit sie oder er das Kind aus der Kita abhole, meint er.

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Jedem Elternteil stehen zehn freie Tage zu, wenn ein Kind krank ist

Eine gesetzliche Regelung sieht vor, dass jedem Elternteil zehn freie Tage zustehen, falls der Nachwuchs erkrankt und es keine Betreuungsmöglichkeit außer den Eltern im Haushalt gibt. Nach Aussage der AOK Bayern gab es 2014 jedoch nur 59.604 Fälle, bei denen Eltern das Kinderkrankengeld in Anspruch genommen haben. Im Schnitt blieben die Eltern nur 2,4 Tage pro Kind zu Hause – obwohl ihnen eigentlich zehn Tage zustehen.

Was unternehmen die Kindergärten gegen Eltern, die ihren kranken Nachwuchs in die Häuser bringen? „Es gibt natürlich Elternabende zu diesem Thema“, sagt Bernhard Gattner. „Aber wir wissen auch um die Zwänge, die die Mütter heutzutage haben.“ Letztlich entscheiden die Kindergärten über das Handeln im Krankheitsfall, sagt er. Kummer in der Kita: Wann wird ein Kita-Wechsel nötig?

Eltern bringen Kinder trotz Krankheit in die Kita, weil sie unter Druck stehen

So wie Eva Hermanns, Leiterin der Kindertagesbetreuung der Stadt Augsburg, zu der etwa 30 Einrichtungen zählen. Hermanns hat eine klare Meinung zum Thema kranke Kinder in der Krippe: „Kranke Kinder gehören nicht in die Kita oder in die Schule.“ Das sei sehr wichtig, weil in Gemeinschaftseinrichtungen im Sinne des Infektionsschutzgesetzes besonderer Infektionsschutz gelte – damit die Kinder sich nicht gegenseitig anstecken. Eltern seien durch ein Merkblatt darüber informiert. Doch auch sie kennt das Problem, das viele Erziehungsberechtigte haben: „Leider stehen Familien häufig unter Druck, sodass die Wirklichkeit in den Einrichtungen oftmals eine andere ist.“ Kind in Kita unglücklich - Eltern dürfen fristlos kündigen

Werden die Kleinen kränkelnd in die Betreuungseinrichtungen geschickt, ist das nicht nur für den eigenen Nachwuchs eine Gefahr. Kinderarzt und Leiter der Kinderklinik II in Augsburg, Prof. Gernot Buheitel sagt: „Sind viele Kinder in einem Raum, ist natürlich die Infektionsgefahr höher.“ Kinder hätten außerdem noch kein ausgereiftes Immunsystem wie Erwachsene. Der Facharzt rät Eltern deswegen zur Impfung ihres Nachwuchses. Der Kinderarzt und Leiter des Gesundheitsamtes Augsburg, Dr. Ulrich Storr, sagt, ein Kind habe acht bis zehn Infektionen zu Beginn des Kindergartenalters.

Sind die Kinder krank, bleibt meist die Mutter zuhause

Vor allen könne man die Kleinen jedoch nicht bewahren, meint Storrs Berufskollege Buheitel. „Ich bin skeptisch, ob man so viel verhüten kann“, sagt er. Seien die Kleinen schlapp und müde, sollten Eltern sie zu Hause versorgen und besonders bei schlechter Atmung einen Arzt kontaktieren, im schlimmsten Fall könne das nämlich in der Klinik enden.

Ein Problem, das damit verbunden ist, sind die fehlenden Frauen am Arbeitsplatz, bemängelt Anka Leiner, Geschäftsführerin der evangelischen Kindertageseinrichtungen in der Region Augsburg (ekita.net). „Warum müssen immer die Mütter zu Hause bleiben?“, fragt sie.

Hoffnung gibt es aber zumindest in dieser Hinsicht: Laut DAK Bayern seien im vergangenen Jahr immerhin doppelt so viele Papas zu Hause geblieben wie noch im Jahr 2007 – bei jedem sechsten Krankheitsfall also.

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Augsburg | Eva Hermann | Ulrich Storr | DAK

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Ein Artikel von
Felicitas Macketanz

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