Donnerstag, 18. Januar 2018

12. Januar 2018 00:32 Uhr

Hobby

Wenn Kinderträume wahr werden

An alten Autos zu schrauben, ist für viele Menschen eine Leidenschaft. In Augsburg widmen sich ihr unter anderem Mitglieder eines speziellen Klubs. Andere wiederum kaufen die Fahrzeuge aus finanziellen Gründen Von Vera Latotzki-DOll

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Werner Petrak hantiert an seiner Isetta. Ein Auto, von dem er begeistert ist. „Das Radio konnte man rausnehmen und mit an den See nehmen“, sagt der Oldtimer-Fan. „Das funktioniert heute noch.“ 1960, sagt er, habe BMW die Isetta 250 gebaut. 1981 erwarb Petrak das Auto. Schon immer hatte er davon geschwärmt. „Es war ein Kindheitstraum“, erzählt er. „Die Nachbarn hatten eine Isetta, mit der ich manchmal mitfahren durfte. Das ist hängen geblieben.“ Angefangen mit Schrauben an alten Autos hat er mit zwei VW-Käfern.

Heute besitzt Petrak fast drei Oldtimer. Fast deshalb, da sein VW-Bus vom TÜV noch nicht als Oldtimer anerkannt wurde. Alt genug ist er, aber das Radio war nicht original genug. Zum Glück hat der Sammler genügend alte Radios im Keller. Sobald es ausgetauscht ist, wird er erneut versuchen, ein sogenanntes H-Kennzeichen zu bekommen. Das „H“ steht dabei für historisch. Solange fährt er eben mit normalem Kennzeichen jeden Tag seinen VW-Bus.

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Die Isetta, genauso der Morris aus dem Jahr 1934, werden zu besonderen Fahrten herausgeholt. Dabei achtet Petrak darauf, dass er mal mit dem einen Auto fährt, mal mit dem anderen. „Man muss aufpassen, dass die Autos nicht eifersüchtig werden“, sagt er schmunzelnd.

Eifersüchtig ist Peter Frey, Vorsitzender des Oldtimer Clubs Augsburg, auf wohlhabende Menschen, die sich immer häufiger Oldtimer kaufen, nicht. „Ich gönne den Leuten alles“, sagt Frey. Wichtig ist ihm nur, dass die Autos auch genutzt werden. Oldtimer sollten der Öffentlichkeit nicht verschlossen bleiben und in beheizten Garagen eingesperrt sein. Auch nicht, wenn Menschen Oldtimer als Geldanlage nutzen. Von Spekulationskäufen rät Petrak ab. „Die meisten Leute zahlen da drauf. Vor allem dann, wenn man nichts selbst machen kann.“

Die Mitglieder des Oldtimer Clubs haben oft vor 30 bis 40 Jahren ihren Traumwagen gekauft und sind auch heute noch darin verliebt. Für sie können Nachteile durch „Spekulationskäufe“ entstehen: steigende Preise bei Ersatzteilen und Reparaturkosten etwa. Da der Wert der Autos steigt, verlangen auch die Versicherungen einen höheren Beitrag. Petrak ist traurig darüber, dass durch die Geldanlage das Hobby Oldtimer in den Hintergrund tritt. Ihm ist es nicht daran gelegen, möglichst viel Profit mit seinen Autos zu erlangen. Verkaufen könnte er sie sowieso nie. „Wenn man selbst an den Autos schraubt, entwickelt man viel Herzblut“, sagt er. Und noch etwas anderes treibt die Preise in die Höhe. „Im Internet haben die Leute keine Scheu, übertriebene Verkaufspreise hineinzuschreiben. Die Verkäufer denken, dass irgendwann schon jemand kommt, der den Preis zahlt“, berichtet Frey.

Frey vermutet, dass die Preise für Oldtimer nicht unendlich weiter steigen werden. Er unterscheidet zwischen Brot- und Butterautos. Einige Wagen wie ein Mercedes SLK Cabriolet oder ein Ferrari waren schon immer im teureren Segment. Andere Autos wie ein Opel Kadett werden immer erschwinglich bleiben, so seine Einschätzung.

Petrak hatte seinen Morris 104 im Jahr 1990 noch auf altem Weg erhalten: Eines der Klubmitglieder erhielt eine Zeitschrift, in der zwei Morris inseriert waren. Als zwei der Augsburger Klubmitglieder nach England fuhren, drückte Petrak ihnen einen Scheck über 1000 Mark in die Hand und gab ihnen den Auftrag, damit eine Anzahlung zu leisten, sofern die Autos in einem akzeptablen Zustand wären. Der Scheck blieb in England und die Autos gehörten so gut wie dem Oldtimerliebhaber.

Nun war es nur noch eine Frage des Transportes nach Deutschland. Petrak arbeitete damals noch bei einer Firma für Autowaschanlagen. Einmal im Monat fuhr ein Tieflader nach England und setzte dort Waschanlagen ab. Auf dem Rückweg war der Transporter leer. Daher organisierte Petrak, dass der Tieflader bei einer seiner Fahrten die zwei Morris mitnahm. „Das war für die Fahrer eine ihrer schönsten Fahrten. Jeder schaute nach den geladenen Autos.“

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