Samstag, 28. Mai 2016

09. Dezember 2015 14:33 Uhr

Augsburg

Wenn Schüler auf dem Gymnasium noch Deutsch lernen müssen

35 Prozent der Schüler weiterführender Schulen haben Migrationshintergrund. Falls sie sprachliche Defizite haben, kann sich das selbst in Mathe und Bio auswirken.

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Mit gezielten Programmen versuchen die Augsburger Schulen, die Sprachkompetenz ihrer Schüler zu verbessern.

Manchmal scheitert es an einem vermeintlich einfachen Wort. Zum Beispiel Acker. Wer in einer Textaufgabe in Mathematik die Fläche eines Ackers berechnen soll, aber gar nicht weiß, was das überhaupt ist, hat bereits beim Verständnis ein Problem – obwohl der Schüler die Aufgabe ansonsten vielleicht einwandfrei lösen könnte.

Viele Kinder wachsen zweisprachig auf, schließlich haben 42 Prozent aller Augsburger Migrationshintergrund, bei den Unter-18-Jährigen liegt der Anteil noch weit höher. Kinder, die mit mehreren Sprachen aufwachsen, lernen oft schnell neue Sprachen. Auf er anderen Seite haben sie, wenn es ins Detail geht, oft Defizite. Es fehlen deutsche Vokabeln, was im Schulalltag zu Missverständnissen, im schlimmsten Fall zu Unverständnis führt.

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50 Prozent Migrationshintergrund

Die Schulen haben dieses Problem vor Jahren erkannt und bieten Förderprogramme an, etwa am Jakob-Fugger-Gymnasium. Dort haben 50 Prozent der Kinder in der 5. Jahrgangsstufe Migrationshintergrund, in der 6. Jahrgangsstufe sind es derzeit 38 Prozent. „Wir bieten in der Unterstufe seit Jahren zusätzliche Sprachbildungskurse an, die eine Ergänzung zum Sprachunterricht sind. Diese Kurse werden von einem Lehrer und einem Lehramtsstudenten betreut“, sagt stellvertretende Schulleiterin Angelika Felber. Es gehe darum, den Schülern dieselben Chancen zu ermöglichen wie Schülern, die mit Deutsch als einziger Sprache aufgewachsen sind. „An fachlichen Mängeln kann man immer scheitern, in der Sprachkompetenz sollte das Scheitern aber nicht begründet sein“, sagt sie.

Derzeit besucht die Lehrerin eine eineinhalbjährige Fortbildung des Bildungsreferats und des Schulamtes. Lehrer erhalten dort Einblick in Methoden eines sprachsensiblen Unterrichts. Ziel ist es, nicht nur im Deutschunterricht ein Auge auf das sprachliche Vermögen der Schüler zu halten, sondern in allen Fächern darauf einzugehen. „Das ist eine Herausforderung, die sich alle Lehrer in allen Schularten Tag für Tag stellen müssen“, sagt Schulreferent Hermann Köhler.

Die Ansätze sind unterschiedlich. Im Maria-Theresia-Gymnasium sind 40 Mädchen und Buben im September drei Tage früher als die anderen Schüler ins Schuljahr gestartet. Die angehenden Fünftklässler nahmen an Schnuppertagen teil; sie bastelten einen „Werkzeugkoffer Sprache“. „Wir haben den Umgang mit Texten und Textgestaltung geübt, aber auch die Wertschätzung der verschiedenen Muttersprachen“, sagt Udo Legner vom Maria-Theresia-Gymnasium. Als nächstes wird er einen Fragebogen verteilen. Darin werden die privaten Sprachgewohnheiten abgefragt. Welche Sprache wird zu Hause oder mit den Freunden gesprochen? Helfen Mitgliedschaften in Vereinen oder Jugendgruppen beim Deutschlernen? Oder Zeitunglesen? Gefragt wird auch, wo Schüler Probleme mit der Schulsprache Deutsch bemerken: in den Naturwissenschaften, Fremdsprachen, Geschichte, Sport, Musik oder Kunst?

Am Fugger-Gymnasium wird ein Konzept erarbeitet, wie Arbeitsblätter verständlicher gestaltet werden können. „Fachbegriffe, die verwendet werden müssen, sollen auch erklärt werden“, sagt Felber.

Probleme mit Wortschatz

Dass der Fachwortschatz eingeübt werden muss, damit die Aufgabenstellungen problemlos bewältigt werden können, weiß auch Schulleiter Stephan Lippold vom Peutinger-Gymnasium, wo im Schnitt 35 Prozent einer Jahrgangsstufe Migrationshintergrund haben. Das Peutinger hat seit mehreren Jahren ein Förderprogramm. „Kinder mit Migrationshintergrund schaffen es oft mit großer Anstrengung aufs Gymnasium. Doch wenn sie dann zu Hause zu wenig Deutsch sprechen, klafft der Wortschatz bald auseinander und sie kommen nicht mehr mit“, sagt Lippold.

Ab Februar sehen sich Lippold und sein Kollegium mit ganz anderen Problemen konfrontiert. Denn das Peutinger ist eine von fünf bayerischen Pilot-Schulen für das Programm InGym. Dabei sollen Schüler innerhalb eines halben Jahres von wenig bis gar keinen deutschen Sprachkenntnissen auf ein sprachliches Niveau gebracht werden, in dem sie sich gut unterhalten können. 20 Wochenstunden Deutsch sind dafür vorgesehen. Lippold: „Das Programm wurde ursprünglich für Arbeitsmigranten aus dem südeuropäischen Raum eingeführt. Ich bin mir sicher, dass aber künftig auch viele Flüchtlinge davon profitieren können.“

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Augsburg | Hermann Köhler

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Ein Artikel von
Miriam Zissler

Augsburger Allgemeine
Ressort: Lokalnachrichten Augsburg


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