Donnerstag, 22. Februar 2018

18. Dezember 2015 06:31 Uhr

Augsburg

Wie ein Kommissar 40.000 Euro verlor

Eine Duo versprach Geldanlegern eine Renditen von fast 400 Prozent. Doch am Ende verloren ihre Kunden viel Geld. Einer von ihnen kämpfte als Polizist gegen organisierte Kriminalität. Von Peter Richter

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Die Erfolgsaussichten klangen gewaltig, doch das Ergebnis war heftig: Anlagebetrüger brachten 376 Menschen um ihre Ersparnisse. Symbolbild
Foto: Ralf Lienert

Vor dem hiesigen Landgericht sind schon viele Fälle von international organisiertem Anlagebetrug verhandelt worden. Angesichts der mickrigen Sparzinsen, die deutsche Banken und Sparkassen schon seit langen zahlen, verwundert es nicht, wenn Sparwillige sich nach attraktiveren Geldanlagen umsehen. Doch Vorsicht ist geboten. Gerade im Internet sind Betrüger unterwegs. Wie jene zwei Russen, die jetzt vor der 10. Strafkammer zu hohen Haftstrafen verurteilt worden sind.

In Werbemails hatten sie von ihrem Freiburger Büro aus für Geldanlagen im Devisenhandel geworben. Sie stellten eine Rendite von sagenhaften 385,34 Prozent in Aussicht. Kursverluste, wurde Anlegern zugesichert, würden nicht höher als 25 Prozent ausfallen.

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Anleger verloren fast fünf Millionen Euro

Wer glaubt so etwas? Immerhin sind weltweit, auch in Deutschland und in Augsburg, 376 Anleger darauf hereingefallen – und haben fast fünf Millionen Euro verloren. Was diesen Prozess so bemerkenswert machte: Unter den Augsburgern, die viel Geld verloren, ist ein Kriminalkommissar. Der 51-Jährige ist obendrein in einer Abteilung zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität tätig – also auch im Bereich Wirtschaftskriminalität. Für den Kripobeamten war es daher ein Leichtes, die Strafanzeige am Arbeitsplatz aufzusetzen und in die Dienstpost zu geben. Seine Chefs, beim Urteil im Gerichtssaal, haben ihn für die Dauer der noch andauernden Ermittlungen gegen mutmaßliche Mittäter der beiden Russen in die „Ausbildung“ versetzt.

Wie der 51-Jährige als Zeuge aussagte, hatte er im Januar 2013 bei der Stadtsparkasse 40 000 Euro abgehoben und an eine Bank in Budapest überwiesen. Als Kontoinhaber war ein vom zentralamerikanischen Belize aus agierender Broker genannt. In anderen Fällen überwiesen die Anleger Gelder an eine zypriotische Bank und ins lettische Riga. Die Angeklagten sind diesen Februar verhaftet worden. Nur der 34-Jährige zeigte sich im Prozess voll geständig. Schon vor der Polizei hatte er zugegeben, dass nicht ein Euro der Kunden angelegt wurde. Dabei war diesen vertraglich die volle Kontrolle über das eingesetzte Kapital zugesichert worden. In Echtzeit. Doch was die Geldanleger nicht ahnten: die Online-Plattform, die sie sahen, war um Bruchteile von Sekunden zeitverzögert. Ihr Broker nutzte eine Software für den Devisenhandel, die manipuliert war. So legte er scheinbar das Geld in Devisen an, deren Kurs nach oben schoss, was dann die Anleger zu sehen bekamen.

Die Täter waren auch darauf vorbereitet, wenn sie nach einer Haltefrist Geld ausbezahlen sollten. Zwei Monate nachdem der Kriminalkommissar die 40 000 Euro nach Ungarn überwiesen hatte, traf bei ihm folgende alarmierende Nachricht ein: Es hat einen Hacker-Angriff auf den Server gegeben. Die Unternehmens- und Kundenkonten seien schwer in der Verlustzone. Man bemühe sich um frisches Kapital. Nur zwei Wochen später dann das Ende: „Totalverlust“. Man sei zahlungsunfähig. So oder so ähnlich endete für alle Geldanleger der Traum vom schnellen Reichtum. Was folgte waren Strafanzeigen.

Waffenarsenal im Keller

Die Wirtschaftsstrafkammer hat den älteren der beiden Russen für mehr als acht Jahre ins Gefängnis geschickt. Bei ihm kann hinzu, dass im Keller seines Hauses ein ansehnliches Waffenarsenal entdeckt wurde. Der 34-Jährige kam eine Haftstrafe von sechs Jahren zwei Monaten davon. „Wer solche Allgemeine Geschäftsbedingungen unterschreibt, dem ist nicht mehr zu helfen“, hatte Verteidiger Ulrich Zaiger für seinen Mandanten geltend gemacht. Die Devisenspekulationen im Forex-Handel seien extrem riskant, im schlimmsten Fall Betrug, warnt denn auch eine amerikanische Verbraucherschutzorganisation.

„Gier frisst Hirn“ – von zwei geschädigten Anlegern war dieses Eingeständnis zu hören. Auch vom Kriminalkommissar. „Meine Frau hat mich auch sehr dafür gelobt“, beendete er seine Aussage vor dem Landgericht.

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