Donnerstag, 22. Februar 2018

13. Februar 2018 06:16 Uhr

Porträt

Wie ein Polizist zum Retter von Greifvögeln wird

Bernhard Wolf arbeitet am Augsburger Hauptbahnhof. Dort bekommt er es auch mit Tieren zu tun. Der 59-Jährige hat ein außergewöhnliches Hobby.

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Gleis 2 am Augsburger Hauptbahnhof wurde neulich kurzzeitig gesperrt. Wegen eines Vogels. Ein Fahrgast hatte aus einem Zug heraus das Tier am Gleis gesehen und Alarm geschlagen. Der Sperber war tatsächlich verletzt. Bernhard Wolf hat als Bundespolizist eigentlich wichtigere Dinge zu tun. Aber er nahm den Vogel in Obhut. Wolf hat eine außergewöhnliche Leidenschaft für Greifvögel. Diese hätte ihm einmal beinahe eine kulinarische Katastrophe beschert.

Bernhard Wolf kam an dem Tag zum Spätdienst auf die Dienststelle am Hauptbahnhof. Der Buchloer, der täglich nach Augsburg pendelt, kennt sich mit Vögeln aus. Seit über 40 Jahren kümmert er sich in seiner Freizeit um verletzte Greifvögel. Seine Kollegen, die das Sperberweibchen an dem Tag von Gleis 2 gerettet hatten, wussten das und übergaben ihm das Tier. Sie sind nicht die einzigen. „Ich bekomme auch von Tierärzten oder von Tierheimen Vögel. Das hat sich irgendwie herumgesprochen“, erzählt der 59-jährige. Die Tiere sind allerdings keine Dauergäste in den beiden großen Volieren, die im Garten von Bernhard Wolf und seiner Frau stehen. Der Bundespolizist mit dem ungewöhnlichen Hobby kümmert sich so lange um die Greifvögel, bis sie wieder gesund sind. Denn meist haben sie Verletzungen an den Flügeln. Wolf weiß, wie er mit seinen Pflege-Gästen umgehen muss.

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Er bringt ihnen das Jagen bei

Hochpäppeln und das Fliegen üben. Das geschieht zunächst an einer Leine, die nach für nach länger gehalten wird, bis die gesunden Vögel wieder in die Natur entlassen werden. Jungvögeln bringt er das Jagen bei. „Sonst haben die keine Überlebenschance.“ Dann steht Wolf in seinem Garten, wirft Futter in die Luft oder zieht ein Stück Fleisch an einer Schnur am Boden entlang. Andere mähen Rasen.

„Meinen ersten Vogel habe ich mit nach Hause genommen, als ich 13 Jahre alt war.“ Wolf war mit anderen Kindern vom Ort beim Spielen im Wald, als er den jungen Turmfalken am Boden fand - scheinbar hilflos. „Heute weiß ich, ich hätte ihn da sitzen lassen sollen. Er wäre von älteren Vögel schon versorgt worden und hätte das Fliegen gelernt. Aber damals meinte ich, ich müsste ihm helfen.“ Geholfen hat Wolf seitdem vielen Greifvögeln, die ohne seine Pflege wohl nicht überlebt hätten. Einen Dauergast hat er sogar behalten.

Es ist ein Schwarzer Milan. Der Greifvogel, der so groß wie ein Mäusebussard ist, ist nach einer Verletzung dauerhaft flugunfähig. Wolf bekam ihn vor 14 Jahren von der Unteren Naturschutzbehörde überlassen. Das Tier und die Wolfs haben eine besondere Beziehung zueinander. „Ich nenne ihn Schreihals. Weil wenn er uns am Wohnzimmerfenster sieht, fängt er in der Voliere zum Rufen an. Der Schwarze Milan darf oft ins Freie. Dann läuft er auf der Terrasse herum und schaut neugierig durch die Glastür. Im Sommer kommt er allerdings an eine Laufschnur. „Sonst frisst er meine ganze Bonsai-Pflanzen zusammen.“ Auch an den Koi-Fischen im Teich habe er großes Interesse, erzählt der Beamte. „Aber die Fische sind schlau und tauchen in die Tiefe ab.“ Hunger müssen die Greifvögel bei dem Buchloer sowieso nicht leiden. Für sie steht im Keller eine eigene Gefriertruhe, in der unter anderem tiefgefrorene Eintagsküken und Fisch parat liegen. Einmal kam es zu einer Verwechslung.

Keine gute Suppe

„Meine Frau hatte eine Leberspätzlesuppe auf dem Herd. Ich kam in die Küche und dachte, das riecht aber komisch.“ Bernhard Wolf hob den Deckel und sah im Topf nach. Seine Frau hatte sich ganz offensichtlich an der falschen Gefriertruhe bedient. „Statt der eingefrorenen Leberspätzle hatte sie das Paket mit den Babymäusen aufgetaut.“ Das wäre keine gute Suppe geworden.

Wolf darf sich ganz offiziell um die Vögel kümmern. Beim deutschen Falkenorden absolvierte er extra einen Kurs. Die beiden Vogelvolieren, die der naturverbundene Mann selbst gebaut hat, sind vom Amtstierarzt abgenommen.

Dem Schwarzen Milan scheint es bei ihm und seiner Frau zu gefallen. Im Sommer, so erzählt der Bundespolizist, sonnt sich der gefiederte Dauergast gerne im Garten. Dann legt er sich ins Gras, streckt die Flügel von sich und sperrt den Schnabel ganz weit auf, um die Hitze auszugleichen. Wolf stellt dann einen Sonnenschirm auf. Aber nicht, um dem Vogel Schatten zu spenden, sondern als Sichtschutz. „Sonst meinen die Spaziergänger, die am Garten vorbeikommen, der Vogel ist gerade am Sterben.“ Das wäre nun wirklich ein völlig falscher Eindruck. Ist doch Wolf der Retter der Greifvögel.

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Ina Kresse

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