Donnerstag, 22. Februar 2018

27. Oktober 2015 17:39 Uhr

Augsburg

Wie eine Familie aus Augsburg ohne Plastik lebt

Sylvia Schaab versucht seit einem halben Jahr, ein Leben ohne Kunststoff zu führen. Lässt sich das überhaupt umsetzen, wenn man berufstätig ist und drei Kinder hat? Von Franziska Roos

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Holz statt Plastik: Sylvia Schaab hat im vergangenen halben Jahr versucht, so gut wie möglich auf Plastik zu verzichten.
Foto: László Dobos

In der Haushaltswarenabteilung im Supermarkt ist es, in der Brotabteilung ist es und natürlich auch in der Obstabteilung – Plastik ist überall. Der Kunststoff ist heute aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Doch Sylvia Schaab möchte das Gegenteil beweisen. Sie hat es sich zum Ziel gesetzt, ihr Leben in eine plastikfreie Zone zu verwandeln. Kann das in einem Alltag mit drei Kindern funktionieren?

Blick in die Mülltonne

Umweltbewusst war Sylvia Schaab schon immer. Zu Schulzeiten hatte sie das Ozonloch in einem Schulprojekt dargestellt und ihren Eltern die Mülltrennung beigebracht. Als ihr eigener Sohn sich im Unterricht mit dem Thema Müll auseinandersetzte, schaute sich Sylvia Schaab mit ihm den eigenen Hausmüll genauer an. Zu diesem Zeitpunkt wurde ihr bewusst, wie viel Plastik ihre fünfköpfige Familie verbraucht. „Es muss etwas anders werden“, kam ihr schnell in den Kopf.

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Erster Schritt: Glasflaschen

Der Entschluss, ein Leben ohne den umweltschädlichen Kunststoff zu führen, wurde schnell geboren. Die Umsetzung erfolgte jedoch stufenweise. Der erste Schritt in ein grüneres Leben begann im Mai dieses Jahres mit dem Austausch von Tetrapacks und Plastikflaschen gegen Glasflaschen. „So eine Umstellung auf ein plastikfreies Leben geht leider nicht von heute auf morgen, weil man sehr viel überlegen, recherchieren und ausprobieren muss“, sagte die 44-Jährige. Ihren Mann konnte die Wirtschaftsjournalistin mit ihrer Idee schnell anstecken. In einem Gespräch mit ihren Kindern erklärte das Ehepaar, dass ihre Familie plastikfrei leben möchte.

Doch die konsequente Umsetzung mit drei Kindern im Alter von vier, acht und zehn Jahren ist gar nicht so leicht. Am Anfang sei es sehr schwierig gewesen, nein zu sagen, so die Mutter. „Wenn ich ihnen etwas nicht erlaubt habe, haben sie es von der Oma bekommen“, erinnert sich die 44-Jährige. Da ging es zum Beispiel um Joghurts im Plastikbecher. Es habe zwei bis drei Erklärungen gebraucht, bis es die Kleinen akzeptiert hätten.

Krise im Supermarkt

Aber auch Sylvia Schaab fiel die Umstellung nicht so leicht: „Anfangs habe ich im Supermarkt die Krise gekriegt. Ich dachte, hier finde ich nie etwas ohne Plastik“, erinnert sich Sylvia Schaab. Ein plastikfreies Leben erfordert viel Durchhaltevermögen und alternative Ideen. Während des „Gewöhnungsprozesses“ hat die dreifache Mutter ein neues Einkaufsverhalten entwickelt: Ihr Obst und Gemüse kauft die Augsburgerin auf regionalen Märkten. Milch und Joghurt nimmt sie im Glas. Statt abgepackte Wurst kauft die Journalistin beim Metzger ein und lässt sie in Papier einpacken. Sylvia Schaab hat auch einen besonders einfachen Tipp für umweltbewusste Einkäufer: „Immer eine Einkaufstasche mitnehmen, dann fällt die Plastiktüte weg.“

In die Schule bekommen ihre Kinder eine Edelstahltrinkflasche mit. Die Schulbücher packt sie in Tonpapier ein. Als der Klebestift leer war, kam sie erst ins Zweifeln über eine Alternative. Doch jetzt besitzt sie einen nachfüllbaren Klebestift aus Glas.

Bei der Suche nach plastikfreien Artikeln empfiehlt die 44-Jährige das Internet und die Facebookgruppe „Plastikfrei in Augsburg“. Sie selbst erklärt auf ihrem Blog „Grüner wirds (n)immer?!“, wie man weniger Müll produziert. Sie veranstaltet zudem gemeinsam mit der Leiterin der Internetgruppe einmal monatlich den „Stammtisch für Müllverweigerer“. Bei diesem können sich Umweltschützer untereinander austauschen und neue Tipps kennenlernen. Der nächste Stammtisch findet am Dienstag, 3. November, im Restaurant Anna im Annahof um 20 Uhr statt.

Kompliziert, aber gut

Nach einem halben Jahr sagt Sylvia Schaab: „Der Verzicht auf Plastik macht das Leben kompliziert, aber es lohnt sich.“ Sie müsse auf nichts verzichten. Viele Produkte, die mit dem Kunststoff verpackt sind, seien zudem nicht unbedingt gesund. So werden bei den Schaabs nun verpackte Süßigkeiten gegen frisches Obst ausgetauscht.

Mittlerweile würden ihre Kinder den neuen Lebensstil der Familie toll finden. „Sie machen super mit und bringe eigene Ideen ein“, sagt Sylvia Schaab. Ihr zuerst skeptischer Sohn motiviere sie jetzt selbst: „Mama, wir müssen die Welt verbessern.“

Kleiner Durchhänger

Doch manchmal hat selbst die „Weltverbesserin“ einen Durchhänger. „Die anderen kümmern sich doch auch nicht drum“, sind Ausreden, die Sylvia Schaab kennt. Dann erinnert sie sich daran, dass jeder Einzelne etwas bewirken kann und hält sich vor Augen, dass Deutschland nach Angaben des Bund Naturschutz mit 11,5 Millionen Tonnen Plastik im Jahr so viel wie kein anderes Land in Europa verbraucht – Tendenz steigend. Vom gesamten Plastikmüll werden demnach nur 42 Prozent recycelt. 57 Prozent der Abfälle würden verbrannt.

Ist ein Leben ohne Plastik also möglich? Sylvia Schaab möchte ihren neuen Lebensstil beibehalten. Es gibt jedoch Sachen, die sie bis heute nur in Plastikverpackungen gefunden hat. Dazu gehören Deo, Creme, Quark und saure Sahne. Hinzu kommen elektronische Küchengeräte, der Fernseher oder der Computer. Bei diesen Produkten muss die 44-Jährige das Plastik in Kauf nehmen. „Ich könnte Kosmetika auch selbst herstellen, aber das ist mit drei Kindern und Beruf einfach nicht drin“, sagt Sylvia Schaab.

Eigenes Geschäft?

Für einige Dinge hat sie den Laden „Plastikfreie Zone“ in München entdeckt, der Artikel ohne Kunststoff verkauft. So hat sie beispielsweise von dort ihre Zahnbürste aus Miswak-Holz, für die sie keine Zahnpasta mit Mikroplastik benötigt. Da so ein Laden in Augsburg noch fehlt, könnte sich die Wirtschaftsjournalistin gut vorstellen, in Zukunft einen eigenen plastikfreien Supermarkt zu eröffnen. „Der Plastikverbrauch kann ja nicht ewig so weitergehen, irgendwann werden wir alle aus dieser Blase erwachen.“

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