Sonntag, 19. November 2017

01. September 2015 00:31 Uhr

Interview

Wie heißt noch mal der Dingsbums?

Am 19. September ist der Tag der geistigen Fitness. Gedächtnistrainerin Petra Glauber verrät vorab, wie man sich gegen Vergesslichkeit wappnet. Denn ohne Anregung wird das Gehirn zunehmend träge

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Frau Glauber, Sie sind seit zehn Jahren Gedächtnistrainerin. Sind Sie vor Vergesslichkeit gefeit?

Nein, natürlich nicht. Geburtstage und Telefonnummern kann ich mir leicht merken. Bei Namen und Gesichtern fällt mir das etwas schwerer, da wende ich kleine Hilfen an. Ich bin ein Zahlenmensch.

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Ist das denn Typsache?

Durchaus. Auch der Kulturkreis, in dem man lebt, spielt eine Rolle. Bei uns hat die Kreativität einen niedrigeren Stellenwert, dafür haben wir mehr mit Zahlen zu tun. Unsere linke Gehirnhälfte, die das logische Denken steuert, ist besser trainiert.

Ist das Alter bei gehäufter Vergesslichkeit auch von Bedeutung?

Ja, aber Vergesslichkeit ist nicht an einen bestimmten Zeitpunkt gebunden. Grundschulkinder vergessen zum Beispiel ständig ihre Turnbeutel für den Sportunterricht zuhause. Sie machen sich nur keinen Stress deswegen wie Erwachsene. Generell gilt: Je mehr wir das Gedächtnis beanspruchen, desto fitter ist es.

Was passiert in unserem Gehirn, wenn wir etwas vergessen?

Oft liegt es daran, dass wir uns nicht die Mühe gemacht haben, uns etwas konzentriert zu merken. Im zunehmenden Alter sinkt die Konzentration der Botenstoffe, die Signale von Nervenzelle zu Nervenzelle übermitteln. Informationen werden langsamer weitergeleitet. Das ist ein normaler biologischer Prozess. Die Denkflexibilität ist dann geschwächt. Dass das Gedächtnis „abbaut“, ist also die falsche Formulierung.

Wie kann man der Vergesslichkeit entgegenwirken?

Durch geistiges Training. Um etwas nicht so schnell zu vergessen, kann ich Hilfsmethoden benutzen. Die einfachste Strategie ist es, ein Wort, das wir uns merken wollen, einem Bild zuzuordnen. Im nächsten Schritt kann man die Bilder verknüpfen, sodass eine Geschichte entsteht. Ähnlich ist die Loci-Methode, auch Raummethode genannt: Ich ordne Dinge bestimmten Punkten in einem Raum zu. Den Weg lasse ich vor meinem geistigen Auge ablaufen. Das klappt zum Beispiel gut bei einem Einkaufszettel, der so geschrieben ist, wie die Lebensmittel im Supermarkt angeordnet sind.

Aber dann muss man sich ja diese Bilder oder Wege wieder merken.

Ja, aber man dockt neues Wissen an bereits vorhandenes an. Ein Beispiel: Ich lerne die spanische Vokabel „viernes“ für Freitag. Das Wort klingt so ähnlich wie Vienna. Deshalb merke ich mir den Satz: Freitag fahre ich nach Wien.

Eine klassische Eselsbrücke also.

Ich nenne es Assoziationshilfe.

Man könnte doch einfach ein Kreuzworträtsel machen.

Grundsätzlich ja. Aber löst man nur Rätsel mit der gleichen Systematik, lernt das Gehirn nichts dazu. Man muss sich immer neue Herausforderungen suchen: Im Alter eine Sprache oder ein Instrument zu lernen, zum Beispiel. Oder sich Bewegungsabläufe beim Tanz einzuprägen. Am besten sind Übungen, bei denen beide Gehirnhälften gefordert sind.

Heute leitet uns das Navi zum Zielort, Telefonnummern lassen sich auf dem Handy abrufen. Verdummen wir?

Nein, natürlich nicht. Aber ohne Anregungen wird das Gehirn träge, außerdem verlernt man das Kartenlesen. Ab und zu ist es gut, sich zu fordern und nach der Karte zu fahren oder sich bewusst Nummern zu verinnerlichen. Ich selbst nutze Alltagshilfen wie das Navi beim Autofahren oft, um Stress zu vermeiden – Stress verursacht Denkblockaden.

Wann ist der richtige Zeitpunkt, mit dem Gedächtnistraining anzufangen?

In jedem Alter. Schon Kinder können lernen, ihre Konzentrationsfähigkeit zu verbessern und sich nicht so schnell ablenken zu lassen. Bei Demenz ist ein Training, das die Denkflexibilität trainiert, nicht mehr ratsam. Es verwirrt nur. In diesem Fall soll durch die Anregung des Gedächtnisses vorhandenes Wissen erhalten bleiben. Das ganzheitliche Gedächtnistraining wirkt vorbeugend.

Am 19. September findet der „Tag der geistigen Fitness“ statt. Was ist in Augsburg geboten?

Es wird einen Parcours zu den Zielen des ganzheitlichen Gedächtnistrainings geben. Dazu gehört neben der Merkfähigkeit das Training der Wahrnehmung, Konzentration, Kreativität und Wortfindung. Außerdem stehen drei Vorträge auf dem Programm.

Interview: Sabrina Schatz

Der 10. bundesweite Tag der geistigen Fitness findet am Samstag, 19. September, von 10 bis 16 Uhr im Zeughaus, Zeugplatz 4, statt. Veranstalter ist der Bundesverband Gedächtnistraining, in dem Petra Glauber Regionalgruppenleiterin für Bayern-Süd ist. Die Titel der Vorträge lauten: Fit im Kopf ein Leben lang! (10-10.30 und 13-13.30 Uhr); Schnupperstunde ganzheitliches Gedächtnistraining (11-11.30 und 14-14.30 Uhr) sowie Was trainiere ich mit ganzheitlichem Gedächtnistraining? (12-12.30 und 15 -15.30 Uhr). Der Eintritt ist frei. Infos: www.tagdergeistigenfitness.de sowie www.bvgt.de.

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