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20. März 2009 22:10 Uhr

Zu wenig zum Leben, und zum Sterben auch

Ersatzvornahme: Hinter diesem kalten Wort verbirgt sich eine erschütternde Tatsache. Ersatzvornahme bedeutet, dass ein Mensch, für dessen Beerdigung kein Geld da ist, von der Stadt bestattet wird, im Reihengrab oder einer Urne. 1500 Euro kostet das, 160 Tote finden so in Augsburg jedes Jahr ihre letzte Ruhestätte - vorher fristeten viele ein trauriges Dasein.

Zu wenig zum Leben, und zum Sterben auch
Foto: ALFA

Ersatzvornahme: Hinter diesem kalten Wort verbirgt sich eine erschütternde Tatsache. Ersatzvornahme bedeutet, dass ein Mensch, für dessen Beerdigung kein Geld da ist, von der Stadt bestattet wird, im Reihengrab oder einer Urne. 1500 Euro kostet das, 160 Tote finden so in Augsburg jedes Jahr ihre letzte Ruhestätte - vorher fristeten viele ein trauriges Dasein.

Gestern stellten Wohlfahrtsverbände den fünften Augsburger Armutsbericht vor. Armut breitet sich aus. 1996 galt in Bayern jeder Zehnte als arm, das waren in Augsburg 26 000 Menschen, jetzt ist es jeder Achte, das sind 30 000 Menschen. Aufgrund der prekären Situation in unserer Stadt ist die Dunkelziffer allerdings viel höher.

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Zwei Faktoren verschlimmern die Lage: Hartz IV und die Wirtschaftskrise. Regina Hinterleuthner von der Caritas: "Durch Hartz IV hat sich die Situation der Armen deutlich verschlechtert." Als arm gilt, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung hat. Das sind bei einem Alleinstehenden 781 Euro. Laut Sozialgesetzbuch bekommt er in Augsburg 736 Euro Hartz-Leistungen, lebt somit selbst mit dem Höchstsatz unter dem Existenzminimum. Christine Sturm-Rudat (VdK) berichtet: "Viele Menschen brechen in Tränen aus, wenn sie sehen, wie wenig Geld sie bekommen." Die Regelsätze seien zu niedrig, vor allem für Kinder.

Zurzeit schnellt die Zahl der Hilfsbedürftigen wegen der Krise nach oben. "In vier Wochen haben wir mehr Anträge an die Kartei der Not gestellt als in fünf Jahren zuvor", so Hinterleuthner. Überdurchschnittlich betroffen sind Kinder, Jugendliche, Alleinerziehendende, Frührentner, Migranten und Rentner. Es geht um Lebensmittel, Schulbedarf und Energie. Die Stadtwerke sperrten 2007 rund 2000 Haushalten den Strom, weil diese nicht zahlten.

Und ein Eis verschlingt den halben Betrag, der für die tägliche Ernährung eines Kindes nach Hartz IV festgelegt ist. Für "besondere" Unternehmungen bleibt fast nichts. Daher fordern die Wohlfahrtsverbände einen "Augsburg-Pass". Dieser soll sozial Benachteiligten billigeren Eintritt in Einrichtungen wie Zoo, Bäder, Theater, Museen und Bibliotheken sowie Teilnahme an vhs-Kursen ermöglichen. Gleiches gilt für ein Sozialticket. 14 Euro sieht Hartz IV monatlich für ÖPNV-Nutzung vor. Das sind in Augsburg acht Fahrten hin und zurück im Innenstadtbereich. Ein erschwingliches Ticket könne armen Menschen zu Mobilität verhelfen.

In anderen Städten gibt es das schon. Es kostet Kommune bzw. Verkehrsbetriebe allerdings Millionen. In Augsburg wurde die Idee immer wieder verworfen. Matthias Schopf-Emrich vom Diakonischen Werk schöpft nun neue Hoffnung. Sozialreferent Max Weinkamm habe die Armutskonferenz beauftragt, bis Mai ein Konzept für einen Augsburg-Pass zu erarbeiten, das der Stadtrat dann diskutiert.

Neues Projekt für Senioren

Bereits jetzt engagieren sich private und öffentliche Seite. Zum Beispiel gib es die Tafel, Patenschaftsprojekte und Kinderchancen, mit dem die Stadt Nachhilfe, Teilnahme im Sportverein oder Ferienprogramm unterstützt.

Im Sozialausschuss wurde diese Woche ein ähnliches Projekt verabschiedet, dass mit kleinen Beträgen Alleinerziehende und Senioren unterstützt. Hier kann es um Medikamente, Verhütungsmittel, Hauswirtschaftshilfe und Reparatur von Haushaltsgeräten gehen.

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