Sonntag, 28. Mai 2017

07. März 2017 00:35 Uhr

Ermittlungen

Zufallsopfer beinahe auf die Gleise gestoßen

Ein 29-jähriger Mann will am Hauptbahnhof einen anderen Reisenden vom Bahnsteig vor einen Zug schubsen. Die Polizei ermittelt den Tatverdächtigen schnell. Doch kann man ihn überhaupt bestrafen?

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Es ist ein eher ruhiger Sonntagvormittag am Hauptbahnhof, kurz vor elf Uhr. Ein Reisender, 33 Jahre alt, steht am Bahnsteig von Gleis 3 und wartet. Plötzlich nähert sich ein anderer Mann und versucht, ihn vor einem einfahrenden Zug auf die Gleise zu stoßen. Der Stoß hätte für den 33-jährigen Mann im schlimmsten Fall tödlich enden können. Doch es gelingt ihm, den Schubser abzufangen. Er stürzt nicht vom Bahnsteig. Nach Informationen unserer Zeitung geht die Kriminalpolizei derzeit davon aus, dass der 33-Jährige ein Zufallsopfer war.

Die Erkenntnis daraus: Es hätte wohl jeden treffen können, der sich zu der Zeit an dem Bahnsteig aufgehalten hat. Einen Streit hat es zwischen den Männern zuvor offenbar nicht gegeben. Die Ermittler gehen vielmehr davon aus, dass der Tatverdächtige, ein 29 Jahre alter Deutscher, an einer psychischen Erkrankung leiden könnte. Er habe bei seiner Festnahme einen verwirrten Eindruck gemacht, hieß es. Er befindet sich derzeit im Bezirkskrankenhaus in Augsburg und soll dort von einem Psychiater begutachtet werden. Dabei geht es auch um die Frage, ob der 29-Jährige überhaupt schuldfähig ist.

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Denn bestraft werden kann ein Täter nur, wenn er in der Lage war, das Unrecht seiner Tat zu erkennen und seine Handlungen zu steuern. Leidet ein Beschuldigter zum Beispiel unter Wahnvorstellungen, so kann es sein, dass er selbst dann nicht zu einer Haftstrafe verurteilt wird, wenn er jemanden getötet hat. Oft wird von den Gerichten aber eine Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik angeordnet – wenn nach Ansicht des Gutachters vom Täter eine Gefahr ausgeht.

Unabhängig davon ermittelt die Kripo wegen des Verdachts auf ein versuchtes Tötungsdelikt gegen den 29-Jährigen. Ist ein Täter schuldfähig, dann droht in solchen Fällen eine hohe Strafe. Erst im vorigen Herbst ist in München ein 49-jähriger Angeklagter zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt worden, weil er im Streit einen anderen Mann auf S-Bahn-Gleise gestoßen hatte. Als der Mann wieder zurück auf den Bahnsteig klettern wollte, hatte ihm der 49-Jährige auch noch mehrfach auf die Finger getreten. Weil ein Mitarbeiter der Verkehrsbetriebe per Videoüberwachung den Sturz gesehen und die Station gesperrt hatte, ist dem Opfer nichts passiert.

In dem Fall vom Augsburger Hauptbahnhof war es ein Zeuge, der per Notruf rasch die Polizei alarmierte. Den Polizeibeamten ist es kurz darauf gelungen, den Tatverdächtigen noch in Bahnhofsnähe in der Augsburger Straße aufzugreifen. Der 33-jährige Mann ist, nachdem er den plötzlichen Stoß abgefangen hatte, in einen Zug in Richtung Nürnberg eingesteigen. Im Zug meldete er sich beim Personal, hieß es. Am Hauptbahnhof in Nürnberg konnten Polizisten den 33-Jährigen dann befragen.

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Schlagworte

Kripo | Augsburg | München | Nürnberg | Polizei

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