Montag, 21. August 2017

05. November 2014 00:36 Uhr

Zum Staunen

Saxofonist Bob Mintzer beim Jazzclub Von Stephanie Knauer

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Größe, genauer musikalische Größe hat viel mit „staunen machen“ gemeinsam. Anders spielen als die anderen, aber doch plausibel, das macht Leuchtturmqualitäten im Kollegenpool aus. Die Musiker in der „Biermanufaktur Riegele“ am Freitagabend machten manchmal auch staunen: Als einer der Höhepunkte der aktuellen Jazzclub- Augsburg-Konzertsaison angekündigt, wurden Sax-Größe Bob Mintzer und seine drei Mitmusiker ihrem vorauseilenden Ruf gerecht. Über virtuoses Blendwerk ist der 61-jährige Mintzer erhaben. Der Saxofonist der „Yellowjackets“ muss nicht mehr beweisen, dass er sein Instrument beherrscht. Stattdessen spielte er, was zur Musik passt – ob extrovertiert brillierend oder „nur“ musikalisch und klanglich virtuos, dazu angstfrei melodiös – und das gerne auf überraschende, aber immer passende Weise.

Explodierte Hammond-Wunder Jermaine Landsberger im ersten Teil schier an seiner transportablen Alternative (Crumar Mojo) zur legendären Hammond B3 mit Discoblitzlicht-ähnlichen Repetitionen, bizarren Läufen und überspringender Spiellust, nahm sich Bob Mintzer von Anfang an die Zeit, seine Soli aufzubauen mit Freude an Phrasierungs-Details und Klangfarben bis zu wirkungsvoll berstenden Skalen.

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Interessante Rhythmus-Verschiebungen unterstrich Drummer Christoph Huber mit hartem Beat, verdolmetschte in Echtzeit das Spiel der Kollegen ins Drumstation-Spektrum und breitete sich in seinem Solo-Auftritt klanglich dreidimensional aus. Gitarrist Paul Morello, vierter im Bunde der „Hammond Eggs“, ist in Augsburg kein Unbekannter und gern gehört. Auch seine Improvisationen begeisterten mit Abwechslungsreichtum und überlegener Meisterschaft, die nie Selbstzweck wurden.

„Hammond Eggs“ nennt sich die Band, nicht nur dem Namen nach eine Hommage an die klassische Orgeltriobesetzung mit renommierten Bläsern. Stilistisch prägten viel Blues, Funk, Rock, Cool, Bop und Modern Jazz mit einem Fünkchen Free den Abend, der im zweiten Teil noch organischer wurde. Und wenn die „Hammond Eggs“ in vierstimmiger Modal-Polyphonie parlierten, scheinbar unabhängig und doch jeden Moment zusammen stimmend, Landsberger ein getragenes Orgelintro anstimmte, sich dann langsam der Groove herausschälte, waren das Momente ohne Zeit, purer Musik.

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