Mittwoch, 16. August 2017

12. August 2017 00:03 Uhr

Leichtathletik

95 Prozent Training, fünf Prozent Belohnung

So hart ist der Weg junger Athleten zum Erfolg. Auch eine WM in London macht ihn nicht leichter

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In den Abendstunden sitzt Familie Friedrich aus Augsburg derzeit am liebsten vor dem Fernseher und verfolgt die Leichtathletik-Weltmeisterschaft in London. „Und wenn wir nicht zu Hause sind, muss der Livestream im Handy herhalten“, erzählt Sabine Pajonk-Friedrich lachend. Denn am Mittwoch hat sie das heimische Wohnzimmer mit der Tartanbahn im Rothtal-Stadion in Horgau getauscht und konzentriert sich abwechselnd auf das Handy und auf ihren Sohn Daniel.

Der 15-jährige Leichtathlet von der LG Augsburg will beim Abendsportfest der SpVgg Auerbach-Streitheim seine Leistungsfähigkeit im Speerwurf testen. Im Kugelstoßen und Diskuswurf hat er bereits die Qualifikationsweite für die deutsche Meisterschaft in seiner Altersklasse geworfen, im Speer kämpft er noch mit der Technik. Doch sein zweiter Wurf an diesem Abend sitzt. Mit 44,13 Metern gewinnt er die Disziplin in der U16. Und das, obwohl er seine Wunschweite („Irgendwas um die 50 Meter“) verfehlt. Viele junge Athleten der LG Augsburg nutzen das Abendsportfest, um „unter Wettkampfbedingungen eine Trainingseinheit zu absolvieren“, wie es LG-Trainer Philipp Xenos beschreibt.

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Darunter auch die erst zwölfjährige Sprinterin Mona Mark, die erstmals in der höheren Altersklasse U16 über 100 Meter an den Start geht. Schon beim Aufwärmen ist sie aufgeregt. „Eine junge Athletin, die unglaublich viel Talent und Lust mitbringt“, schwärmt Xenos von der Läuferin. Doch kurz nach dem Startschuss knickt Mona Mark im vollen Lauf um, wankt, fängt sich aber wieder und sprintet trotz Schmerzen ins Ziel. Dort warten schon Mutter, Trainer und Freunde mit Kühlpack, Salbe und tröstenden Worten auf die enttäuschte Läuferin. Doch trotz des unglücklichen Zwischenfalls gelingt Mona Mark mit 13,58 Sekunden immer noch die zweitbeste Zeit in der Klasse U16.

Es sind diese jungen, engagierten Athleten, die Xenos und seinen Kollegen die Hoffnung geben, dass die Leichtathletik in Augsburg eine Zukunft hat. Jetzt, wo das alte Rosenaustadion mit modernen Leichtathletik-Anlagen ausgestattet ist und die erste bayerische Meisterschaft dort stattgefunden hat.

Dennoch treten die Probleme dieser Sportart – national wie lokal – in den Tagen der WM in London offenkundig zutage. Deutschlandweit krankt es an konkurrenzfähigen Ergebnissen und am Spitzennachwuchs. „Leichtathletik bedeutet nun mal zu 95 Prozent Training und nur zu fünf Prozent Belohnung“, bringt Xenos den kräfte- und nervenzehrenden Weg in dieser Sportart auf den Punkt.

Manchmal müssen die jungen Athleten auch berufsbedingt zurückstecken. Wie Dominik Riffel, den seine Ausbildung zum Industriekaufmann bei Sortimo in Zusmarshausen im Leistungsniveau zurückgeworfen hat. Dass er in seinen goldenen Schuhen in 11,90 Sekunden auf den 100 Metern noch immer pfeilschnell unterwegs ist und sein Rennen in Horgau überlegen gewinnt, tröstet ihn nur bedingt. „Aber im Dezember werde ich 18, dann kann ich nach der Arbeit endlich mit dem Auto nach Augsburg ins Training fahren“, ist Riffel schon ganz heiß darauf, sein Leistungsniveau bald wieder zu steigern.

Doch nur vereinzelt können und wollen junge Athleten einen solchen Aufwand betreiben. Entsprechend schwer sei es, Kinder und Jugendliche zur Leichtathletik zu holen. Groß-Events wie eine WM oder die Olympischen Spiele helfen da gar nichts, stellt Trainer Xenos klar. „Eine Weltmeisterschaft im Fernsehen bringt unserem Verein keinen einzigen neuen Sportler. Wir müssen unseren Nachwuchs anderswo herholen“, macht er deutlich, dass der internationale Sport kaum Sogwirkung auf die Jugend hat.

Zumal sich in den sechs Augsburger Vereinen, die sich zur LG Augsburg zusammengeschlossen haben, auch Breitensportler zu Hause fühlen sollen, die keinen Anspruch auf Spitzenplatzierungen haben, sagt Xenos: „Wir haben als Verein die Aufgabe, Jugendarbeit zu leisten. Nicht nur für die, die nach oben wollen, sondern für alle, die einfach nur Spaß an der Leichtathletik haben.“ Und manchmal entdeckt da ein Talent auch seine Leidenschaft für diesen Sport.

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Ein Artikel von
Andrea Bogenreuther

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