Donnerstag, 22. Februar 2018

08. Februar 2018 00:04 Uhr

Trendsport

Bei vier Grad in den Kuhsee

In Augsburg wagen sich einige hart gesottene Sportler ans Eisschwimmen. Warum sie sich das antun und wie groß dabei der innere Schweinehund ist

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Was darf man sich als Laie unter Eisschwimmen vorstellen?

Der Begriff Eisschwimmen ist vielleicht etwas hoch gegriffen, denn es handelt sich ja nicht um Eis. Das Wasser ist ja noch flüssig. Nach den offiziellen Regeln der 2009 gegründeten International Ice Swimming Association (ISA) beginnt das Eisschwimmen bei Wassertemperaturen von fünf Grad und weniger.

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Was ist die Schwierigkeit dabei?

Es gibt verschiedene Hürden zu überwinden. Für Anfänger ist vor allem das Hineingehen ins Wasser schwierig, weil sie erst einmal einen kleinen Schock und Herzklopfen kriegen, weil es so kalt ist. Verlassen sie das Wasser wieder, brennt es auf der Haut. Es ist schwer, immer länger im Wasser zu bleiben und bei niedrigen Temperaturen die Muskeln zu bewegen. Denn der Körper kühlt durch die Kälte aus, da hat man einfach gar keine Chance.

Und man kann sich wirklich daran gewöhnen und bei dieser Temperatur längere Zeit im Wasser bleiben?

Am Sonntag waren wir am Kuhsee etwa eine Viertelstunde bei 4,5 Grad im Wasser. Das ist kein Problem. Aber nach 20 Minuten wird es haarig. Für den normalen Menschen, der nicht daran gewöhnt ist, wird es schon nach zehn Minuten problematisch.

Ist Eisschwimmen dann gefährlich?

Man muss seinen eigenen Körper schon sehr gut beobachten. Es gibt eine Problematik beim Eisschwimmen: die Kälte schlägt erst so richtig zu, wenn man bereits etwa zehn Minuten aus dem Wasser wieder draußen ist. Während des Schwimmens schützt der Körper sein Zentrum, die inneren Organe, das Herz. Beine und Arme werden dagegen kalt, sterben fast ein wenig ab. Aber wenn man das Wasser wieder verlässt, dann schießt nach einiger Zeit das kalte Blut ins Herz und das kann einen umhauen. Im Fachjargon nennt man dieses Phänomen den „After-Drop“. Deshalb muss man ein Gefühl dafür bekommen, wie der Körper reagiert. Man muss also aus dem Wasser, solange man sich noch wohlfühlt. Deshalb würde ich Anfängern auch raten, nicht mehr als zwei Minuten in das kalte Wasser zu gehen. Ab fünf Grad und weniger würde ich maximal zwei Minuten empfehlen. Danach kann man es langsam ausweiten.

Was gefällt Ihnen bei diesen Gefahren dann so an diesem Sport?

Ich habe mit dem Eisschwimmen angefangen, weil es mir einfach so viel Spaß macht und weil ich es schön finde, in kaltem Wasser zu schwimmen. Je kälter es wurde, desto schöner fand ich das. Das Wasser empfinde ich als sanft und weich. Ich habe viele andere Sportarten gemacht und die als hart oder brutal empfunden. Das Eisschwimmen kann ich dagegen extrem genießen, für mich ist es sehr entspannend. Vielleicht sind das die Glückshormone, die Endorphine, die dabei ausgeschüttet werden. Es hat für mich auch etwas Meditatives. Wenn man ins Wasser geht, ist man sofort in der Gegenwart. Man fokussiert sich auf den Augenblick und ganz elementare Dinge.

Wie haben Sie da Ihre Mitstreiter gefunden?

Ich selbst betreibe Eisschwimmen seit sieben Jahren und, weil ein Freund weggezogen ist, seit zwei Jahren alleine. Deshalb habe ich nun die Trainingsgruppe beim SB Delphin gegründet. Im freien Wasser sollte man ohnehin nicht alleine schwimmen. Beim Eisschwimmen gilt diese Regel um so mehr. Man weiß nicht, wie der Körper reagiert und wie schnell die Energie wirklich weg ist.

Muss man dann auch ein geübter Schwimmer sein?

Nicht unbedingt, wenn man nicht gut schwimmt, hält man sich in Ufernähe auf. Wenn man aber an Wettbewerben teilnehmen möchte, sollte man schon gute Zeiten schwimmen können. Dieses Jahr bin ich bei den German Open in Veitsbronn einen Kilometer bei 3,8 Grad in 23 Minuten geschwommen. Mittlerweile wird man allerdings auch immer öfter nach einem Attest vom Kardiologen gefragt.

Kann man andere Menschen wirklich fürs Eisschwimmen begeistern?

Das ist zwar nicht ganz einfach, aber ein Argument ist, dass man dadurch eben auch eine stählerne Gesundheit bekommt. Nachweislich ist ja schon eine Minute kaltes Duschen gesund. Damit könnte man ja mal anfangen.

Wohin führt Sie ihr nächster Wettkampf?

Im Hinterkopf habe ich den Plan, demnächst mal die Eis-Meile, also 1,6 Kilometer, zu schwimmen. Dann würde ich bei der ISA vom sogenannten „Cold-Member“ zum „Ice-Member“ werden. Das wäre eins der nächsten Projekte, die ich noch vor habe.

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