Ja-Cheol Koo (22) ist in Chungju geboren. In der südkoreanischen Stadt (rund 200000 Einwohner), die 2013 Austragungsort der Ruder-Weltmeisterschaften ist, ist auch UN-Generalsekretär Ban Ki-moon aufgewachsen. Fast doppelt so groß ist Bochum. Aus der Stadt im Ruhrpott kommt Matthias Ostrzolek (21). Beide sind junge talentierte Fußball-Profis. Der eine stand beim VfL Bochum, der andere beim Namensvetter in Wolfsburg unter Vertrag. Beide hätten vergangene Woche wohl nicht gedacht, dass sie jetzt zusammen beim FC Augsburg gegen den Bundesliga-Abstieg spielen. Trotzdem sind sie ein ungleiches Duo. Ostrzolek kam erst am Freitag mit dem VfL Bochum aus dem Trainingslager in Belek, Türkei, zurück. Am Samstagmorgen saß er mit seinem Berater schon im Auto, auf der Autobahn Richtung Augsburg. „Ich wusste schon länger von dem Interesse“, sagt Ostrzolek. Doch war er davon ausgegangen, dass ein Wechsel erst im Sommer über die Bühne gehen würde. Da hätte er den VfL zu einer vorgeschriebenen Ablösesumme (geschätzte 500000 Euro) verlassen dürfen. So lange wollte FCA-Manager Andreas Rettig nicht warten. Ein deutscher U-21-Nationalspieler ist begehrt.
Zuletzt war es aber ruhig um Ostrzolek geworden. Unter dem neuen Trainer Andreas Bergmann hatte er nicht mehr so gute Karten wie unter seinem Vorgänger und Förderer Friedhelm Funkel.
Deshalb gab es für das Bochumer Eigengewächs – seit der F-Jugend trug er ausschließlich das VfL-Trikot – auch kein langes Überlegen. „Wenn es beim VfL besser gelaufen wäre, für mich persönlich und auch für den Verein, hätte ich mir vielleicht mehr Gedanken gemacht“, sagt Ostrzolek. Jetzt will er beim FCA seinen Traum verwirklichen: „Ich will Bundesliga spielen.“
Dass dies aber noch dauern kann, ist dem Single mit polnischen Wurzeln bewusst. Marcel de Jong blockiert erst einmal seine Lieblingsposition als linker Verteidiger. Ostrzolek sagt: „Ich bin der, der dahinter wartet und im Training zeigt, dass er auch spielen kann.“
Ostrzolek steht auch für den Spagat, den der FCA im Winter-Basar bewerkstelligen musste. Ihn hat man langfristig an sich gebunden, weil er auch ein Mann für die Zukunft in der 2. Liga sein würde. Koo steht für die harte Gegenwart. Er soll gleich dafür sorgen, dass dem FCA der Abstieg erspart bleibt. Er und Jan Moravek sind genauso jung wie Ostrzolek, stehen darum auch für die gewünschte „Blutauffrischung“ (FCA-Manager Rettig), doch sie sind bundesligaerprobt und müssen darum auch nach diesen Tarifen bezahlt werden. In der 2. Liga wären sie eine finanzielle Belastung. Darum hat man sie erst einmal bis zum Saisonende ausgeliehen. Koo könnte morgen in Hoffenheim wohl sofort spielen. Er ist fit. In Wolfsburg absolvierte er in der Vorrunde immerhin zwölf Spiele, zuletzt sogar gegen die Bayern. Nach dem Einkaufsbummel von VfL-Allesmacher Felix Magath ist für ihn derzeit aber kein Platz mehr.
Auch Hannover soll sich angeblich um den Asiaten, der in seiner Heimat schon Star-Status besitzt , bemüht haben. Doch da sich Magath und 96-Trainer Mirko Slomka nach dem geplatzten Lakic-Transfer in die Haare geraten sind, war plötzlich der Weg frei für den FCA. Koo selbst sieht das alles gelassen. „Für mich ist Augsburg eine neue Herausforderung. Ich bin ein junger Spieler. Das Jahr in Wolfsburg war gut, aber die Stadt war langweilig“, radebrechte er in einem Gemisch aus Deutsch und Englisch.
Da hat die Augsburger Innenstadt sicher mehr zu bieten. Wenn es die Zeit zulässt, kann er die mit Ostrzolek erkunden. Die Sightseeing-Tour können sie ja beim Frühstück besprechen.
Beide hat der FCA vorerst im Hotel Alpenhof einquartiert.