Wenn sich Rouven Kasper an seine Anfänge beim FC Augsburg erinnert, dann kommt er sich vor wie in einer anderen Zeit. „Ich gehe jetzt in die sechste Saison mit dem FCA. In den ersten viereinhalb Jahre haben wir an die oft verschlossenen Türen angeklopft und versucht, sie zu öffnen. Mittlerweile ist die Situation einer andere und wir können uns vor Anfragen kaum noch retten“, sagt der Augsburger Teamleiter von Sportfive, dem Sportrechtevermarkter des FCA. Seit dem Aufstieg brummt das Geschäft mit den Logen und Business-Seats.
Die Logen waren nie das große Problem. Schon in der 2.Bundesliga waren 42 belegt. Jetzt sind auch die restlichen zehn komfortablen „Fußball-Wohnzimmer“ innerhalb weniger Tage vermietet worden. Dabei hat der FCA die Preise um 30 Prozent angehoben. Wenn jetzt ein Unternehmen seinen Kunden die Spiele gegen Bayern, Dortmund oder Schalke 04 vom Logenplatz aus zeigen will, kostet eine 10er Loge (es gibt auch 20er) zwischen 40000 und 65000 Euro plus Mehrwertsteuer pro Saison. Der Vertrag läuft über drei Jahre. Das schreckt die Unternehmen nicht ab und bringt dem Verein wichtige Planungssicherheit.
„Es ist enorm, welchen Zuspruch unser Hospitality-Produkt findet“, freut sich Kasper. Schon jetzt schließt er Vorverträge ab, falls eine Longe frei werden sollte. Bei der Auswahl der Firmen legt Kasper hohe Maßstäbe an. „Nachhaltige Unternehmen aus der Region sind uns lieber als die Rosinenpicker.“
Auch die Business-Seats, lange Zeit nicht so nachgefragt wie gewünscht, gehen in der Aufstiegseuphorie weg wie die warmen Semmeln. „In den beiden günstigsten Kategorien sind wir ausverkauft und in den anderen drei werden wir auch bald keine Plätze mehr anbieten können“, sagt Kasper. Der teuerste Business-Seat kostet 5200 Euro (plus Mehrwertsteuer). Vertragsdauer: zwei Jahre.
Spätestens seit dem Aufstieg in den erlauchten Kreis der Großen ist der FCA mega-in. Gerade in der Wirtschaft. Denn vom Treffpunkt der Arbeiter und Männerfreunde hat er sich auch zum Anziehungspunkt der Vorstände und Marketing-Entscheider der Unternehmen entwickelt. Dort werden zwischen Torjubel und Fangesängen immer öfter Geschäfte angebahnt und Kontakte geknüpft. Beim FCA gibt es sogar ein „Business Speeddating“ zwischen den VIP-Kunden im Businessbereich. „Innerhalb von fünf Minuten werden Visitenkarten ausgetauscht und Gemeinsamkeiten abgeklärt“, erklärt Rouven Kasper. Die schnelle Kontaktvermittlung sei gewinnbringend für die Unternehmen und ein Renner.
Vielleicht liegt es auch daran, dass man beim FCA noch das bekommt, was auch draufsteht. „Wir setzen auf den starken Mittelstand, und da kommt neben dem Marketingleiter auch der Inhaber persönlich in die Loge, der bekanntlich selbst entscheiden kann“, sagt Kasper. Die Kontaktqualität sei eine sehr hohe.
Nur 10 Euro für ein Bundesliga-Spiel
Die Fußballfans auf den gepolsterten Business-Seats helfen aber nicht nur dem Verein, sondern auch den Anhängern auf den Stehplätzen und Plastiksitzen. Auch wenn das den Normal-Fans nicht gleich ins Auge springt. Die ärgern sich allzu oft lieber über die Stimmungstöter im VIP-Bereich. Dass die aber auch ihre Plätze mit subventionieren, vergessen die Anhänger in den Fanblöcken leicht. Kostet ein Bundesliga-Spiel den Inhaber einer Stehplatz-Dauerkarte etwas über 10 Euro, so kommt es für den Inhaber eines Platin-Business-Seats auf rund 300 Euro. Und zu sehen gibt es das Gleiche. Nämlich nationalen Topfußball. Den FC Bayern, Borussia Dortmund, den Hamburger SV oder Schalke 04 nicht im TV, sondern live im Stadion.
Die FCA-Dauerkarten werden ein begehrtes Gut sein. Darum schnellen auch die Mitgliederzahlen des FCA so schnell nach oben. Die 4000er-Marke ist schon durchbrochen, jetzt geht es schnurstracks auf die 5000 zu. Denn mit dem Mitgliedsausweis gibt es auch noch ein Dauerkarten-Vorverkaufsrecht dazu. Was nicht zu unterschätzen ist: Der Mitgliedsbeitrag kommt voll der Jugendarbeit zugute. Im Vorjahr setzte der FCA über 7000 Dauerkarten ab, diese Marke will man verdoppeln. Es sieht gut aus, dass der FCA dieses Ziel erreicht.
Und der normale Fan hat gegenüber dem VIP noch einen Vorteil. Sollte der FCA absteigen, muss er keine Karte mehr kaufen. Der Logeninhaber besitzt in diesem Fall kein Sonderkündigungsrecht.