Sideris Tasiadis hat seinen Olympiaplatz im Canadier-Einer sicher, Christos Tsakmakis will sich nächste Woche bei der Europameisterschaft das Ticket sichern Von Peter Deininger
Sören Kaufmann war im Kanuslalom einer der weltbesten Canadier-Fahrer. Dreimal nahm er an Olympischen Spielen teil, der Schwaben-Paddler war Weltmeister und kennt auch das Gefühl einer Europameisterschaft auf dem Augsburger Eiskanal. „Bei der allerersten EM im Jahr 1996 gewann ich Gold mit der Mannschaft und Silber im Einzel“, erinnert sich der 40-jährige Canadier-Bundestrainer. „Damals wurde in den Wettkampfbestimmungen viel ausprobiert.“ Experimente gibt es bei der Europameisterschaft nächste Woche nicht, dazu ist sie zu wichtig, weil einige Olympia-Startplätze vergeben werden.
Der Deutsche Kanuverband ´(DKV) hat seine London-Tickets bereits seit der WM im vergangenen Jahr sicher, in der nationalen Qualifikation hat sich der Augsburger Sideris Tasiadis (Kanu Schwaben) ganz knapp gegen den Leipziger Jan Benzien durchgesetzt. „Sideris hat eine überaus ausgereifte Technik. Wenn er die richtige Linie findet, kann er sehr schnell sein“, beschreibt Kaufmann den knapp 22-jährigen London-Fahrer.
Tasiadis hat einen der 16 Startplätze für Olympia sicher, für seinen Schwaben-Kollegen Christos Tsakmakis (24) entscheidet sich erst bei der Europameisterschaft, ob er in diesem Sommer seine dritten Spiele erleben darf. „Nur bei Olympia bekommt der Athlet einer Randsportart jene Anerkennung, die er verdient“, weiß der Grieche aus Augsburg um den Wert des Spektakels. Er nahm 2004 in Athen und 2008 in Peking (Rang sieben) für sein Land an den Spielen teil.
Seine Hochrechnung für London ist einfach: „Für die zwei noch freien Europaplätze kommen Paddler aus sieben Nationen infrage“, glaubt Tsakmakis, der 2007 schon einmal EM-Bronze gewann. In Augsburg stuft er vor allem Kroaten und Italiener als große Konkurrenten ein.
Wie Tasiadis hat auch Tsakmakis seine Sicherheit im Wildwasser Klaus Gebhard zu verdanken. Der Lehrer hat die beiden Augsburger Griechen bereits als Kinder vom Schulunterricht zum Slalom gelotst. Tsakmakis entschied sich wegen der Perspektive Olympia früh für den griechischen Kanuverband und musste erkennen, dass südliche Sportorganisation nicht mit mitteleuropäischen Maßstäben zu messen ist.
Tasiadis paddelt für den DKV und hat Vorzüge sowie Nachteile eines großen Verbandes. Er bekommt umfassende Betreuung, muss aber mit heftiger Konkurrenz leben. Selbst Vizeweltmeister Nico Bettge aus Magdeburg musste jedoch den Augsburger Sportsoldaten ziehen lassen. Die hartnäckige Ellbogenverletzung, die Tasiadis vergangenes Jahr sehr zu schaffen machte, ist auskuriert. Bereits zu Beginn der Qualifikationsserie mit vier Rennen geriet Entdecker Klaus Gebhard ins Schwärmen. „Sein erster Lauf war perfekt, so was sieht man nur selten.“ Am Ende entschied ein Vorsprung von genau 34 Hundertstelsekunden zugunsten von Tasiadis.
Tsakmakis erlebte das Finanz-Tohuwabohu in Griechenland hautnah mit, wurde kaum noch gefördert – und hat sich dennoch „sehr zielstrebig“ (Gebhard) auf die Olympia-Saison vorbereitet. Auch der Italiener Robert d’Angelo gibt sich als Tsakmakis-Trainer zuversichtlich. Es könnte sein, dass erstmals zwei griechische Augsburger bei Olympia dabei sein werden.
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