Montag, 11. Dezember 2017

02. Dezember 2017 00:04 Uhr

Was

„Ich bin clean von der ,Droge‘ Volleyball“

Augsburg war in den 1980ern eine Volleyball-Hochburg, die Frauen der TG Viktoria holten das Triple. Um die Jahrtausendwende gab es noch einmal einen Bundesligisten. Beide Male war Peter Götz Trainer

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In unserer neuen Serie Was macht eigentlich…? fragt die AZ-Sportredaktion bei Menschen nach, die den Sport in Augsburg geprägt haben. Das können ehemalige Aktive sein, aber auch Funktionäre oder Trainer. Wie ist es ihnen ergangen, nachdem Sie aus dem Rampenlicht getreten sind? Heute: Peter Götz.

Herr Götz, als Trainer haben Sie den Volleyballsport in Augsburg geprägt wie kein anderer. Jetzt sind Sie 68 und im Ruhestand. Wie sieht Ihr Leben heute aus?

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Ich mache sehr viel Sport für mich selbst. Ich gehe Laufen, ich mache Fitness, ich bin mit dem Mountainbike unterwegs, ich spiele Golf. Ich verbringe meine Zeit sehr viel mit Sport.

Sie schreiben sich inzwischen also nur noch selbst die Trainingspläne?

Nein, nein. Die Zeit der Trainingspläne ist vorbei. Ich mache das, was mir guttut und was mir Spaß macht.

Sie sind also topfit…

Ich glaube schon (lacht). Ich kann zumindest noch mit manch Jüngerem mithalten.

In der Liste Ihrer Sportarten fehlt Volleyball. Haben Sie damit nichts mehr zu tun?

Mit Volleyball habe ich eigentlich nur noch zwei-, dreimal im Jahr zu tun. Dann werde ich von einem guten Freund zu Champions-League-Spielen nach Friedrichshafen eingeladen. Da fahre ich dann hin und schaue zu – und sofort sind die alte Euphorie und die alte Begeisterung wieder da. Aber wenn ich aus der Halle gehe, ist das auch wieder vorbei.

Sie zieht es also nicht mehr zurück auf die Trainerbank?

Nein, auf keinen Fall. Da war ich fast 30 Jahre und habe eigentlich alles erlebt, was man erleben kann. Ich brauch da nix mehr. Ich habe drei deutsche Meisterschaften gewonnen, zweimal den Pokal, einmal den Europapokal. Als Junioren-Bundestrainer haben wir zum ersten Mal gegen die Mannschaft der damaligen DDR gewonnen. Das sind schöne Erinnerungen. Aber es ist Vergangenheit, da kann man nicht runter beißen. Irgendwann gehören die alten Leute weg aus dem Ganzen und die Jungen sollen das machen.

Also nebenher eine unterklassige Mannschaft zu betreuen kam für Sie nicht in Frage?

Nein. Ich habe das mal versucht, war da dann aber nur zweimal. Das war nichts für mich. Entweder gescheit oder gar nicht.

Haben Sie noch Kontakte zu ehemaligen Spielerinnen oder Kollegen?

Ganz sporadisch. Wir Augsburger waren in dieser Szene ja immer so ein bisschen die Außenseiter, die den anderen gezeigt haben, dass es so auch geht. Die Kontakte schlafen dann irgendwann ein. Von Zeit zu Zeit meldet sich mal jemand und wenn man sich mal trifft, ist das schön. Dann kann man über alte Zeiten ratschen, aber das war es dann auch. Volleyball war eine schöne Zeit, aber ich bin jetzt in einem anderen Lebensabschnitt. Ich mach jetzt den Sport für mich und nicht mehr für andere.

Was war das sportliche Highlight Ihrer Trainer-Karriere?

Das absolute Highlight war die Saison 1984/85 mit Viktoria. Damals haben wir das Triple aus Meisterschaft, Pokal und Europapokal geholt. Das haben später auch andere geschafft, aber so weit ich weiß, waren wir die Ersten. Das war eine überragende Saison mit einer traumhaften Mannschaft. Wir haben teilweise in der ausverkauften Sporthalle vor tausenden Menschen gespielt. Es gibt eine uralte Videoaufnahme, da wird mir angst und bang, wenn ich die heute anschaue. Da hat man keine Aufgänge mehr gesehen, die Leute standen bis ans Spielfeld. Und wir gewinnen auch noch gegen das übermächtige Lohhof, das nahezu komplett aus der Nationalmannschaft bestand. Damals hat in Augsburg fast schon eine Volleyball-Begeisterung geherrscht. Da kam alles zusammen, auch eine Portion Glück, die du immer brauchst.

Sie haben später dann mit der DJK Augsburg-Hochzoll den Aufstieg aus der Regionalliga bis in die Bundesliga geschafft. Später wurde aus der Mannschaft der VCA. Als das Konstrukt aus finanziellen Gründen zerbrach: War das auch für Sie der Schlusspunkt in Sachen Volleyball?

Ja, danach war für mich Schluss. Ich habe gesehen, dass man in Augsburg mit Volleyball nicht in der Bundesliga spielen kann. Außerdem hatte ich leichte gesundheitliche Probleme bekommen, die sich aber wieder gegeben haben.

Wie schwer war es für Sie, sich von dem Sport zurückzuziehen?

Ich habe das radikal gemacht. Mit mir konnte man damals über alles reden, außer über Volleyball. Das ist wie eine Sucht. Als ich damals noch mal nach Lohhof zurück bin, haben sie mich gefangen, indem sie mich angerufen und gefragt haben, ob ich mir nicht ein Europapokalspiel anschauen möchte. Das habe ich gemacht und danach haben sie mich gefragt, ob ich nicht auch Trainer machen wolle. Darum habe ich das so radikal gemacht bis ich clean war von der „Droge“ Volleyball.

Klingt nach einem harten Entzug…

Das stimmt. Es war schon so: Sobald ich in der Halle war, kam die Begeisterung oder der Fanatismus oder was das auch war zurück. Mittlerweile ist es so, dass ich zwar abgehe wie Schnitzel, wenn ich mir ein Spiel anschaue. Aber danach ist es auch wieder vorbei. Volleyball ist nach wie vor eine tolle Sportart. Aber ich bin clean. Ich kümmere mich um mich selbst und schau zu, dass es mir gut geht. Und das tut es auch im Moment.

Wie intensiv verfolgen Sie noch das Volleyball-Geschehen in Augsburg?

Nur aus der Augsburger Allgemeinen. Nikolaj Roppel (Trainer des Drittligisten DJK Augsburg-Hochzoll, Anm. d. Red.) war ja mal mein Co-Trainer und ich finde toll, was er leistet. Es ist nicht leicht, in diesen Ligen immer super Leistungen zu bringen. Die dritte Liga ist das, was im Moment zu Augsburg passt. Alles andere ist auch im Volleyball mittlerweile extrem teuer. Wenn ein Verein keinen wirklich guten Sponsor hat, muss man ihm davon abraten, nach oben zu gehen.

Haben Sie schon mal ein Spiel der DJK gesehen?

Nein. Ich nehme es mir immer vor, aber wenn die am Samstagabend spielen, ist immer irgend was anderes. Interview: Andreas Kornes

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