Sonntag, 19. November 2017

09. November 2017 00:03 Uhr

FCA

Martin Hinteregger will mehr

Der Innenverteidiger wird nach seiner Operation schneller fit als geplant. Er hofft, dass er vielleicht schon gegen Bayern München wieder spielen kann. Auch seine sportliche Zukunft soll bis Weihnachten geregelt sein

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Martin Hinteregger, 25, ist ein ungeduldiger Patient. Die Ärzte in der Hessingpark-Clinic haben das zu spüren bekommen, sagt Hinteregger selbst. „Die Doktoren haben keine Freude an mir, weil ich jeden Tag mehr machen will. Aber es ist ihr gutes Recht, dass sie mich bremsen. Sie wollen mich halt erst 100 Prozent fit und schmerzfrei ins Training entlassen.“

Erst vor etwas mehr als drei Wochen wurde dem Innenverteidiger des FC Augsburg ein überzähliges Knochenstück in der Nähe des rechten Sprunggelenks entfernt, das sich immer wieder entzündet hatte. Seit Monaten hatte er sich damit gequält. Mal war es besser, mal schlechter. Doch nach dem 2:2 in Hoffenheim ging es nicht mehr. Hinteregger musste unters Messer. Es war kein großer Eingriff. 45 Minuten in Vollnarkose. Nach einem Tag war der österreichische Nationalspieler schon wieder entlassen.

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Zuerst hieß es, dass er bis zur Winterpause ausfallen würde. Nur Hinteregger selbst glaubte diesen Prognosen nicht. „Mein Ziel war es immer, dass ich spätestens nach der Länderspielpause ins Mannschaftstraining einsteigen kann.“ Er wird wohl recht behalten. Hinteregger hat auch alles dafür getan. Sein Ernährungsberater Christian Putscher, den kennt er noch aus seiner Zeit bei RB Salzburg, hatte ihm einen speziellen Ernährungsplan für die ersten Wochen zusammengestellt, damit die Entzündung schneller abheilt. „Zucker ist in der Entzündungs- und Schwellungsphase das Schlechteste was man essen kann. Alkohol ist sowieso tabu“, erklärt Hinteregger. Und es gibt auch bestimmte Öle, die den Heilungsverlauf unterstützten.

Vergangene Woche absolvierte er schon mal ein leichtes Lauftraining. Am Montag will er mit Athletiktrainer Andreas Bäumler richtig loslegen. Wenn er schmerzfrei bleibt, ins Mannschaftstraining einsteigen. Ob es für das Spiel am 18. November beim FC Bayern München reicht, weiß er noch nicht. Spätestens gegen Wolfsburg will er spielen.

Dann wird wohl sein Nationalmannschaftskollege Kevin Danso, 19, seinen Platz wieder räumen müssen. Denn Hinteregger hat sich gleich nach seinem Wechsel im August 2016 von RB Salzburg zum FCA einen Stammplatz in der Innenverteidigung erkämpft. Und das nicht nur, weil er der einzige Linksfuß ist, sondern weil er sich kontinuierlich gesteigert hat. Er ist einer der großen Profiteure der Trainerrochade weg vom eher rustikalen Trainer-Typ Dirk Schuster hin zu Trainer-Pädagoge Manuel Baum.

Geschätzte 6,5 bis sieben Millionen Euro hat sich Augsburg den Transfer kosten lassen. Schuster feilte aber an dem Rohdiamanten nicht viel, Baum hingegen schleift die Ecken und Kanten immer mehr ab und poliert ihn auf.

Hinteregger überzeugte bis zu seiner Verletzung nicht nur mit Einsatz, Willen und Zweikampfstärke, sondern er entwickelt an der Seite von Jeffrey Gouweleeuw auch immer mehr Gefühl für die filigranen Seiten seines Arbeitsplatzes, der Spieleröffnung. „Das erste halbe Jahr war schwer“, sagt Hinteregger, „doch durch den Trainerwechsel kam auch bei mir neuer Schwung rein. Jetzt geht die Entwicklung stetig nach oben. Ich fühle mich so gut wie noch nie. Auch jetzt nach der Verletzung. Ich bin topfit.“ Er will wieder spielen, kann angesichts des guten Saisonverlaufs kaum noch stillhalten. „Wir sind Zehnter, haben 16 Punkte und sind nur zwei, drei Punkte weg von den internationalen Plätzen. Warum sollten wir uns da nach unten orientieren?“ Man habe gezeigt, dass man auch gegen große Mannschaften mithalten könne. „Wir sind gut drauf und haben Qualität.“ Hinteregger, der passionierte Jäger und Angler, sagt das mit Überzeugung. Er verkörpert das neue FCA-Selbstbewusstsein. Er sieht seine Entwicklung und die des Klubs noch lange nicht abgeschlossen. „Ich hoffe, dass wir beide noch lange den Weg gehen und schauen wir mal, wo wir den FCA noch hinbringen können.“

Sein Vertrag läuft im Sommer aus. Doch es gibt eine beidseitige Option auf eine dreijährige Verlängerung. Wie Hinteregger sagt, befindet er sich „in guten Gesprächen“ mit dem FCA. „Ich denke, dass schon noch vor Weihnachten feststeht, wie die nächsten Jahre aussehen werden.“ Eine Verlängerung des Arbeitspapiers bis 2021 scheint nur noch eine Formsache zu sein.

Hinteregger und der FCA – das scheint zu passen. Und auch mit der österreichischen Nationalmannschaft will er nach dem Tiefpunkt mit der verpassten WM-Qualifikation durchstarten. Den Umbruch mit einigen Rücktritten und der Neubesetzung des Trainerpostens sieht er als Chance: „Wir haben einen richtig guten Stamm, es kommen junge Spieler dazu. Der Fokus liegt auf der neuen EM-Qualifikation. Wir wissen, wie es geht, wir müssen es jetzt einfach umsetzen.“

Den neuen Nationaltrainer, Franco Foda, und dessen Assistenten, den ehemaligen FCA-Spieler Imre Szabics, kennt er persönlich noch nicht. Er wisse aber, dass Foda bei Sturm Graz „einen hervorragenden Job gerade mit jungen Spielern gemacht hat und das braucht das österreichische Nationalteam“. Er ist selbst einer davon. Dass er das ÖFB-Trainingslager auf Marbella verpasst, nimmt er gelassen hin. „Ich bin froh, dass ich hier meine Therapie abschließen kann.“

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Robert Götz

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