Mittwoch, 13. Dezember 2017

20. März 2017 00:05 Uhr

FCA

Pendler zwischen den Strafräumen

Konstantinos Stafylidis galt als der Prototyp des raubeinigen Defensivspezialisten. Doch der Grieche überzeugt auch als Torjäger. Er hat aber noch andere überraschende Seiten

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Konstantinos Stafylidis setzte nach dem Spiel gegen den SC Freiburg erst einmal Prioritäten. Natürlich warteten die Journalisten in der Mixedzone der WWK-Arena schon ungeduldig auf den Spieler, der dem FC Augsburg mit seinem Tor das 1:1 (1:1) gerettet hatte. Doch der Grieche machte erst einmal Halt bei Jonathan Schmid. Der formschwache Ex-Freiburger, der gegen seinen alten Klub gar nicht im Kader war, hatte seinen kleinen Sohn auf dem Arm. Der fiel Stafylidis gleich um den Hals und der Grieche lachte und scherzte ausgiebig mit ihm.

Dabei sieht Stafylidis mit seinem wild wuchernden Bart, seinem Irokesenschnitt und seinen großflächigen Tattoos, die auch am Hals nicht zu übersehen sind, eher wie ein raubeiniger Macho aus, der kleine Kinder eher zum Weinen bringt.

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Doch der 23-jährige Linksfuß, der auf dem Spielfeld wirklich keinen Spaß versteht, ist immer für eine Überraschung gut. Kaum einer hätte wohl gedacht, dass der Linksverteidiger nach dem 25. Spieltag mit vier Treffern die interne Torschützenliste anführt. Oder dass der nur 1,78 große Profi in der 38. Minute eine exakt getimte Flanke von Georg Teigl mit einem platzierten Kopfball zum 1:1 krönen würde.

Selbst Stafylidis war darüber erstaunt, wie er später offen gestand. Vor drei Jahren hätte er zuletzt per Kopf getroffen, erzählte er in Englisch. „So ähnlich habe ich auch in Griechenland mein erstes Profi-Tor geschossen.“ Ansonsten ist Stafylidis der Scharfschütze beim FCA. Seine Schüsse mit dem linken Fuß sind bei den gegnerischen Torhütern gefürchtet. Man braucht nur mal Jaroslav Drobny (Bremen), Jonas Lösl (Mainz) und Peter Gulasci (RB Leipzig) fragen.

Dass Stafylidis in dieser Saison auch in der Offensive zum Impulsgeber werden würde, ist die nächste Überraschung. Denn bisher galt Stafylidis, im Gegensatz zu seinen Konkurrenten Philipp Max, als eisenharter Verteidiger, der defensiv von seinem Gastspiel in der zweiten englischen Liga gestählt, gut grätschen konnte, doch dem aber im Spiel nach vorne viel weniger zugetraut wurde.

Und spätestens als Stafylidis Mitte Oktober den Schalker Embolo bei einem Zweikampf unglücklich verletzte, war er tief in die Schublade Eisenfuß eingeordnet. Doch wer gedacht hatte, dass Stafylidis nach dem Trainerwechsel von Defensivliebhaber Dirk Schuster zu Offensivfreund Manuel Baum auf der Bank Platz nehmen müsste, wurde überrascht. Stafylidis spielt auch unter Baum. Gerade im 3-5-2-System fühlt er sich wohl. „Kostas ist ein idealer Box-to-Box-Spieler, das macht er richtig gut“, sagt Baum. Ein Pendler zwischen den Strafräumen, Stafylidis gefällt diese neue Aufgabe. „Da habe ich die Möglichkeit, mich immer wieder ins Offensivspiel einzuschalten.“

Dabei schien der Grieche, der im Sommer 2015 von Leverkusen zum FCA kam, unter die Rubrik Fehleinkauf zu fallen. Trainer Markus Weinzierl setzte mehr auf Max, doch beim FCA glaubte man an Stafylidis. Im Februar zog man die Option, sein Vertrag läuft bis 2019.

Der Grieche zahlt das Vertrauen mit Leistung zurück. Und mit vollem Einsatz. Seit dem Darmstadt-Spiel spielt er mit einem Bruch an der rechten Hand. Zuerst mit einer Bandage, jetzt mit einer dick eingepackten Carbonschale. Stafylidis beißt auf die Zähne, für sein Team. Das steht beim ihm im Mittelpunkt. „Es ist egal, wer trifft, wichtig ist, dass wir gepunktet haben“, sagte er nach dem Spiel gegen Freiburg. Den einen Punkt sieht er mit zwiespältigen Gefühlen: „Einer ist besser als keiner. Gegen Teams wie Leipzig oder Freiburg kannst du auch verlieren.“ Doch angesichts der Enge im Tabellenkeller weiß er auch: „Wir müssen noch besser werden.“ Das gilt auch für seine Freistoßflanken, die zuletzt kaum mehr die eigenen Kollegen fanden.

Doch jetzt ist erst einmal Länderspielpause. Am Donnerstag wird der FCA in der WWK-Arena gegen den Zweitligisten SpVgg Greuther Fürth (mit dem Ex-FCA-Jugendtrainer Janos Radoki) testen. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Genau unter die Lupe genommen wird die Partie aber von der DFL. Die nützt die Partie, um den Videoschiedsrichter in Echtzeit zu testen.

Stafylidis wird nicht dabei sein. Er flog gestern zur griechischen Nationalmannschaft. Das wichtige WM-Qualifikationsspiel gegen Belgien steht an. Ein Knochenbruch kann ihn nicht aufhalten. Er ist nicht der einzige Nationalspieler, der unterwegs ist. Ja-Cheol Koo, Dong-Won Ji (bd. Südkorea), Marwin Hitz (Schweiz), Martin Hinteregger (Österreich), Takashi Usami (Japan). Dominik Kohr (U21) und Kevin Danso (U19 Österreich) sagten aus Verletzungsgründen ab.

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Ein Artikel von
Robert Götz

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