Montag, 19. Februar 2018

13. Januar 2016 00:02 Uhr

Schach

Sechs Stunden Konzentration sind umsonst

Die Zweitliga-Frauen der SG Augsburg verlieren gegen den FC Bayern München denkbar knapp mit 2,5:3,5. Warum dabei ein Autounfall eine wichtige Rolle spielt

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Maria Horvath hatte alles versucht, doch nach über sechs Stunden Spielzeit und 120 Zügen musste sich die österreichische Schachspielerin in Diensten der Schachgesellschaft (SG) Augsburg mit einem Remis gegen Carolin Dirmeier vom FC Bayern München zufriedengeben. Mit dieser Punkteteilung war die 2,5:3,5-Niederlage der Augsburgerinnen im Spitzenspiel der 2. Frauen-Bundesliga Süd perfekt.

Es war das fünfte Remis am Sonntag, die einzige Niederlage musste Maria Specht hinnehmen. Die SG-Spielerin war beim Einparken vor der Spielstätte, dem Ibis-Hotel in der Hermanstraße, in einen Unfall mit Blechschaden verwickelt worden, trat trotzdem an, verlor aber in der entscheidenden Phase der Partie die Konzentration.

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Der FC Bayern (18 Zähler) liegt damit vor dem letzten Spieltag punktgleich vor der SG auf Platz eins und steht so kurz vor dem Aufstieg. Dass sich die Bayern am letzten Doppelspieltag in Zeulenroda gegen den Tabellenletzten CSC Aufbau 95 Chemnitz und SC Zeulenroda noch eine Blöße geben, glaubt SG-Mannschaftsführerin Ursula Münch, 59, nicht. „Ich habe ihnen gesagt, sie sollen den Elfmeter jetzt nicht mehr verschießen.“

Davon überzeugen können sich die Augsburgerinnen Ende Februar selbst, zusammen mit den Münchnerinnen treten die beiden bayerischen Vereine an einem Wochenende immer gemeinsam zu zwei Auswärtsspielen an, um Reisekosten zu sparen. Doch schon da zeigen sich die großen finanziellen Unterschiede. Während die Bayern, deren Etat hauptsächlich vom Hauptverein getragen wird, ihr Hotel schon gebucht haben, studiert Münch noch die günstigsten Angebote. „Da kostet das Doppelzimmer 150 Euro, das machen wir nicht.“ Die Spielerinnen finanzieren sich weitestgehend selbst, Münch muss mit rund 2000 Euro pro Saison auskommen.

Selbst in der dreigeteilten 2. Frauen-Bundesliga (West, Süd, Ost mit je acht Teams) ist das ein Mini-Etat. In den beiden Bundesligen der Frauen (zwölf Teams) und der Männer (16 Teams) geht es um ganz andere Summen. Die Männer-Bundesliga gilt als die stärkste der Welt. 150 Großmeister (davon 18 mit einer ELO-Zahl über 2700), 68 internationale Meister und drei ehemalige Weltmeister spielen dort. Spitzenreiter OSG Baden-Baden soll einen Etat von 200000 Euro zur Verfügung haben. Ursula Münch kann darüber nur staunen.

Bei den Frauen müsste die langjährige Schachfunktionärin und Spielerin nach dem Aufstieg wohl auch eine fünfstellige Summe aufbringen. Das ist ohne Sponsor ein nicht mögliches Unterfangen. Darum ist die Akademikerin, Hausfrau, Mutter und Oma gar nicht traurig darüber, dass der FC Bayern sein Aufstiegsrecht wahrnehmen wird.

Seit der Einführung des Ligenbetriebs Anfang der 90er Jahre, er wurde nach der Wende aus der DDR übernommen, organisiert Münch das SG-Team. Einmal hat die SG Augsburg bisher in der Bundesliga gespielt. In der Saison 97/98. Der Großteil der jetzigen Mannschaft saß schon damals für die SG am Brett. Wie Maria Horvath, 53. Die Wienerin bringt jetzt ihr Patenkind Lisa Hapala, 22, mit zu den Partien. „Maria ist meine älteste Schachfreundin.“ Es sind die langjährigen Kontakte von Münch, die den Spielbetrieb der SG-Frauen auf diesem Niveau sichern. Alle Spielerinnen treten zum Nulltarif an.

Schach spielt im Leben von Münch eine tragende Rolle. Ihr Mann, Dr. Klaus-Norbert Münch, war von 1987 bis 2014 Präsident des bayerischen Schachbundes. Doch Münch, die mit ihrer Familie in Hochzoll wohnt, war nie die Einzelspielerin. „Ich brauche dieses Mannschaftsgefühl.“ Auch der Wettkampfgedanke im Team gefällt ihr. Darum sei für sie Schach auch Sport. Auch wenn der körperliche Aspekt nicht im Vordergrund stehe. „Aber so eine Partie ist schon anstrengend. Man sollte schon eine gewisse Fitness mitbringen, wenn man bei jedem Zug hoch konzentriert sein muss.“ Manchmal über fast einen ganzen Arbeitstag.

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