Samstag, 30. Juli 2016

28. Januar 2016 00:03 Uhr

Historie

Vielen Fußballern blieb nur die Flucht

Jüdische Sportvereine in den Zeiten des Nationalsozialismus. Ein Buch beschreibt, was in Augsburg passierte Von Joachim Göres

i

Der Opfer des Holocaust wurde gestern, am Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz am 27. Januar 1945, mit deutschlandweiten Veranstaltungen gedacht. Dass der Antisemitismus auch im deutschen Sport weit verbreitet gewesen war, haben die Sporthistoriker Lorenz Peiffer und Henry Wahlig in einem Buch öffentlich gemacht. Mit ihrem Werk „Jüdische Fußballvereine im nationalsozialistischen Deutschland“ wollen sie dazu beitragen, dass dieser wenig bekannte Teil der Fußballgeschichte nicht in Vergessenheit gerät. Auch dem Fußball in Augsburg ist ein Kapitel gewidmet.

Etliche Sportvereine nahmen schon Anfang des letzten Jahrhunderts keine Juden auf. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurden Juden überall im Deutschen Reich aus ihren Vereinen verbannt. Von da an konnten jüdische Sportler nur noch in eigenen Vereinen aktiv sein. Detailliert stellen Peiffer und Wahlig in ihrem Buch jene knapp 200 Vereine vor, in denen Juden auch nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten Fußball spielen durften.

ANZEIGE

In Augsburg gründeten 1922 vermutlich jüdische Tennisspieler, die aus ihren antisemitisch dominierten Klubs hinausgedrängt worden waren, die Private Tennisgesellschaft (PTG). Ab 1933 öffnete sich diese auch für andere Sportarten wie Wintersport, Handball, Leichtathletik und Fußball. 320 Mitglieder zählte der Verein Mitte der 30er Jahre, das bedeutete rund ein Drittel der damaligen jüdischen Bevölkerung in Augsburg.

Darunter war auch der Augsburger PTG-Sportler Henry Landmann, der im KZ Dachau in Haft saß und 1938 mit seiner Familie in die USA floh. Das Jüdische Kulturmuseum in Augsburg verdankt ihm wertvolle Erinnerungsstücke an das frühere jüdische Leben in Augsburg und die Private Tennisgesellschaft Augsburg – zumal sein Vater Joseph dort auch der Vorsitzende war.

Die PTG gehörte zeitweise dem Schild-Verband an. Die Schild-Vereine betonten ihren deutschen Patriotismus und standen dem Reichsbund jüdischer Frontsoldaten nahe. Sie standen in Konkurrenz zum jüdischen Makkabi-Verband, der zionistisch orientiert war und den Aufbau des Staates Israel propagierte.

Zwischen diesen beiden Richtungen gab es wegen unterschiedlicher politischer und religiöser Grundauffassungen starke Spannungen, sodass Kontakte oft vermieden wurden und die Schild- und Makkabi-Vereine getrennte Meisterschaften ausspielten. Spiele gegen nichtjüdische Mannschaften waren kaum noch möglich.

Im Juni 1934 wurde das erste Fußballspiel auf dem Sportplatz am Alten Heuweg im Augsburger Herrenbach gegen ITUS München ausgetragen. Die PTG verlor 4:8. 1937 wurden erstmals bayerische Meisterschaften der jüdischen Vereine ausgespielt. Meister wurde ITUS Nürnberg vor Würzburg, Fürth, PTG Augsburg und ITUS München.

Während viele andere jüdische Vereine ihre Sportplätze nach den Olympischen Spielen 1936 verloren – bis dahin wollten sich die Nazis dem Ausland als weltoffen präsentieren – , konnten die PTG-Fußballer ihren Platz weiter nutzen. Am 9. November 1938 wurden im Deutschen Reich dann nicht nur Synagogen zerstört und Juden umgebracht, sondern auch das vorläufige Ende für jüdische Fußballer in Deutschland besiegelt – die Nationalsozialisten verboten allen jüdischen Vereinen am 10. November die Sportausübung unter freiem Himmel.

Heute gibt es wieder jüdische Sportclubs in Deutschland. Im Verband Makkabi sind 37 Ortsvereine organisiert. Fußball wird etwa in München und Nürnberg gespielt. Im Gegensatz zu früher gibt es hier auch nichtjüdische Spieler.

Lorenz Peiffer, Henry Wahlig: Jüdische Fußballvereine im nationalsozialistischen Deutschland, Die Werkstatt Göttingen, 576 Seiten, 44,90 ¤

i

Ihr Wetter in Augsburg-Stadt
30.07.1630.07.1631.07.1601.08.16
Wetter Unwetter
                                                Wetter
                                                heiter
	                                            Wetter
	                                            Gewitter
                                                Wetter
                                                wolkig
Unwetter16 C | 29 C
13 C | 24 C
10 C | 22 C
Das Wetter aus Ihrer Region
Nachrichten in Ihrer Region
Augsburger Allgemeine Aichacher Nachrichten Augsburger Allgemeine Donau Zeitung Donauwörther Zeitung Friedberger Allgemeine Günzburger Zeitung Illertisser Zeitung Landsberger Tagblatt Mindelheimer Zeitung Mittewlschwäbische Nachrichten Neu-Ulmer Zeitung Neuburger Rundschau Rieser Nachrichten Schwabmünchner Allgemeine Wertinger Zeitung

Bauen + Wohnen

Unternehmen aus der Region

Fachkräfte-Kampagne der Region Augsburg