Freitag, 22. September 2017

14. September 2017 00:04 Uhr

Radfahren

Wilde Hatz auf dem Holzoval

Der Nachwuchs liefert sich auf der Rennbahn in Augsburgs Nordosten rasante Rennen in der Keirin-Disziplin. Vizeweltmeister Bichler erklärt Besonderheiten Von Jan-Luc Treumann

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Es ist ernüchternd, auch für den Reporter. Gerade einmal 16 Zuschauer sitzen auf der Tribüne des Peter-Krauss-Velodroms in Augsburgs Nordosten und sehen den Bahnradfahrern zu. Und das Publikum besteht vor allem aus Angehörigen der Fahrer. „Daran haben wir uns schon gewöhnt“, erzählt Albert Hofstetter, der Vorsitzende der Radsportgemeinschaft Augsburg. Claudia Winkler ist zum zweiten Mal in Augsburg, ihr Mann Jörg ist Bundestrainer für den Nachwuchs beim Bahnradsport. Sie erzählt, dass nur wenige Augsburger die Radrennbahn kennen.

Die Nachwuchsfahrer können daran wenig ändern – und fahren trotzdem. Die Sportler haben teilweise viele Hundert Kilometer zurückgelegt, ein Fahrer reiste aus Belgien an. Am Samstag gab es ein Sprinterturnier, am Sonntag standen dann die Keirin-Rennen an. Keirin ist eine Sportart, die in Japan ihren Ursprung hat und nach dem Zweiten Weltkrieg ins Leben gerufen wurde. Die Japaner schlossen Wetten auf die Fahrer ab, die Gewinne, die der Staat damit machte, steckte er in den Wiederaufbau des Landes. Dort hat der Sport weiterhin eine große Bedeutung.

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In Lechhausen wurde am vergangenen Sonntag zwar nicht gewettet, aber gefahren: sieben Runden pro Rennen. Dabei fährt zunächst ein Moped vorneweg, der sogenannte Derny oder Schrittmacher. Er erhöht über dreieinhalb Runden langsam das Tempo auf über 60 Stundenkilometer für die Fahrer hinter ihm. Dann gibt der Derny die Bahn frei, und das Rennen beginnt. „Da geht es wirklich zur Sache“, erzählt Albert Hofstetter. „Die Fahrer müssen taktieren und sich ihre Kräfte einteilen.“ Wenn der Derny rausfährt, kann sich ein Fahrer an die Spitze setzen und trotzdem als Vierter ins Ziel einlaufen. „Vor allem die jungen Fahrer sind da am Anfang etwas ungestüm.“

Die Nachwuchssportler müssen nicht nur lernen, sich ihre Kräfte einzuteilen, sondern auch für die Schule pauken. Der Übergang von der U19 zu den Erwachsenen ist schwer im Radsport, vor allem bei den Ausdauerfahrern. Daher spricht Hofstetter immer wieder an, dass die Fahrer einen Beruf erlernen sollen. Schließlich gibt es auch eine Zeit nach dem Sport. „Die müssen 20000 Kilometer im Jahr fahren, um oben vielleicht ein bisschen mitmischen zu können. Als Jugendlicher, der kurz vor dem Abitur steht, ist das schwer.“ Viele streben daher eine Ausbildung bei der Bundes- oder Landespolizei an, die es ihnen ermöglicht, gleichzeitig ihren Sport auszuüben. So auch Timo Bichler.

Der 18-Jährige ist Vizeweltmeister und fährt seit seinem achten Lebensjahr Rennen. Vor einigen Jahren ist er dann vom Mountainbike auf die Rennbahn gewechselt. Keirin-Rennen haben für ihn einen besonderen Reiz. Nur eine Regeländerung stört ihn. Früher durfte er seine Startposition ändern, jetzt wird ausgelost und man muss diese halten. „Das liegt mir nicht so“, betont Bichler. Beim Startschuss kann er nicht mehr nach vorne fahren und hat keine bessere Ausgangslange, wenn der Derny weg ist.

Auch an die mit 200 Metern vergleichsweise kurze Bahn in Augsburg muss er sich gewöhnen, sonst sind es häufig 250 Meter. Durch die kurze Gerade können die Fahrer ihre Geschwindigkeit nicht optimal ausfahren. Trotzdem steht Bichler auf dem Podium. Er arbeitet noch auf ein besonderes Ziel hin: „In Japan würde ich gerne einmal fahren.“

Ende September ist die Rennsaison vorbei. Dann werden noch einige Bauarbeiten am Augsburger Velodrom durchgeführt. „Das, was notwendig ist und was wir tun können, machen wir“, erzählt Hofstetter. Doch für viele Arbeiten in der Halle fehlt das Geld. Das Preisgeld für die Sportler stiftete Margot Krauss, die Witwe des Erbauers der Bahn.

Für Augsburg gibt es auch erfreuliche Nachrichten. Claudia Winkler und ihr Mann Jörg wollen den Standort stärken und die Nominierungsrennen für die WM im Mai 2018 hierher verlegen. Die finden hoffentlich vor größeren Publikum statt.

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Augsburg | Japan | Belgien

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