Kaum eine Gestalt der Oper ist derart mit eingefahrenen Vorstellungen belegt wie Carmen.
In der Neuinszenierung von Georges Bizets Oper am Theater Augsburg – erste Musiktheaterpremiere der Spielzeit 2011/12 – umsteuert die Mezzosopranistin Kerstin Descher souverän die Zigeunerinnen-Klischee-Falle, figuriert aber gleichwohl eine leidenschaftliche, auf Selbstbestimmung pochende Carmen. Auch sängerisch stehen ihr dazu alle Mittel zu Gebote, gleich zu Beginn elektrisierend vorgeführt in der kühl glitzernden Habanera.
Die Inszenierung ist unausgegoren
Unausgegoren die Inszenierung von Lorenzo Fioroni, der den Konflikt zwischen dem weiblich-starken Individuum Carmen und einer in eingefahrenen Verhaltensmustern verhafteten, männlich dominierten Bürgergesellschaft in den Vordergrund rückt, dies aber szenisch nicht sonderlich sinnfällig zu untermauern weiß. Am Ende der Premiere mischten sich in Beifallsbekundungen denn auch deutliche Buhs – eine Seltenheit im Augsburger Theater.