Die Musik kennt das Seufzer-Motiv. Dieses Seufzer-Motiv, vorgetragen in angemessen ergebenem Tonfall, erklang gestern wiederholt bei der Spielplanvorstellung des Theaters Augsburg für die kommende Saison 2011/2012. Von einer vorläufigen, von einer letzten Version eines ständig überarbeiteten Spielplans war die Rede seitens der Intendantin Juliane Votteler, des Weiteren davon, dass man „im Ungewissen belasse, was im Ungewissen ist“. Und wirklich frohgemut lautet auch nicht das Motto der Saison 2011/2012, entlehnt von dem Dramatiker Samuel Beckett: „Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern.“
Der, der die kulturpolitischen Augsburger Vorgänge der vergangenen Monate kennt, weiß natürlich, was hinter den Moll-Tönen steckt: Das Bühnenhaus „Container“, das neben dem Theater die geschlossene Altstadt-„Komödie“ längst hätte ablösen sollen, lässt weiter auf sich warten – und das Theater hat sich in Improvisation hinsichtlich Ersatzspielstätten weiter zu üben.
Gleichzeitig aber will die Intendantin nicht alle Hoffnung fahren lassen, erklärt den Spielplan zum besten „unter den momentanen Umständen“ und appelliert daran, dass die Augsburger Fußball-Aufbruchsstimmung doch bitteschön auch auf das Theater übertragbar sei. Ganz wichtig ist ihr zu erwähnen, dass die Aufführungen der kommenden Saison wieder durchwegs vor nummerierten Plätzen stattfinden; dies war offensichtlich ein Problem für viele Zuschauer vor allem der „rapide gesunkenen“ Schauspielabende außerhalb des Großen Hauses. Bei aller erklungenen Reserviertheit: Der avisierte Spielplan lässt sich auch wie eine Perlenkette betrachten. Hier eine Übersicht mit Aufführungsorten:
Oper – Operette
George Bizet: Carmen (22. Oktober, Großes Haus)
Alban Berg: Lulu (4. Dezember, Großes Haus)
Johann Strauß: Die Fledermaus (14. Januar 2012, Großes Haus)
Giuseppe Verdi: La Traviata (10. März, Großes Haus)
Wolfgang Mitterer: Das tapfere Schneiderlein (21. März, Textilmuseum)
Emil Nikolaus von Reznicek: Ritter Blaubart (4. Mai, Großes Haus)
Hans Werner Henze: Boulevard Solitude (Frühjahr 2012, Intendantin Votteler: „Wo auch immer“)
Richard Wagner: Fliegender Holländer (23. Juni, Freilichtbühne)
Schauspiel
Kai Hensel: Welche Droge passt zu mir? (25. September, Hoffmannkeller)
Heinrich von Kleist: Der zerbrochene Krug (1. Oktober, Großes Haus)
Peter Weiss: Die Ermittlung (3. Oktober, Alter Justizpalast)
Familienstück vor Weihnachten: Der kleine Vampir (13. November, Großes Haus)
Jean-Baptiste Molière: Tartuffe (26. November, Textilmuseum)
Roland Schimmelpfennig: Der goldene Drache (4. Februar 2012, Textilmuseum)
Felicia Zeller: Gespräche mit Astronauten (5. Februar, Hoffmannkeller)
Friedrich Schiller: Die Räuber (9. Februar, Großes Haus)
Fritz Kater: We Are Camera/jasonmaterial (13. April, Textilmuseum)
Beatles: Das weiße Album, auf Deutsch übersetzt von Roland Schimmelpfennig (14. April, Großes Haus)
Tanztheater
Sergej Prokofjew: Cinderella (23. Dezember, Großes Haus)
Tanzreise mit Choreografien von William Forsythe, Itzik Galili und Demis Volpi (24. März 2012, Großes Haus)
Ballettgala 2012 (30. März, Großes Haus)
Carl Orff: Carmina Burana (30. Juni, Freilichtbühne)
Wiederaufgenommen werden „Le Nozze di Figaro“ und „King Arthur“ im Großen Haus. Im Mai 2012 finden die 30. Bayerischen Theatertage in Augsburg statt.