Anna Maria Kaufmann und Ensemblemitglieder des Theaters Augsburg unterhielten die Gäste am Roten Tor mit Oper und Musical.

Ein wahres Wunder fand auf der Freilichtbühne statt. Gewiss, der Galaabend mit Musical-Star Anna Maria Kaufmann im Mittelpunkt war ein schmissiges Ereignis. Dass aber nach einem Wetter-Katz-und-Maus-Spiel den ganzen Freitag über dieses Konzert trocken über die aufgeweichte Bühne am Roten Tor gehen konnte – man hielt es schon nicht mehr für möglich. So waren letztlich alle selig mit Hits aus Oper und Musical. Es wären bei besseren Bedingungen sicher einige mehr gewesen, doch erschien die Zahl der Optimisten erstaunlich kompakt.
Dem pyrotechnischen Feuerwerk am Schluss ging ein musikalisches von den Sängern und dem Philharmonischen Orchester unter Kevin John Edusei voraus. Bewundernswert, wie die Künstler bei solchem Wetter sozusagen das Pulver trocken halten und ihre Raketen ohne Fehlzündung abschießen konnten.
Kaufmann moderierte mit Freude am ungezwungenen Wort. Die Kanadierin ist kein ausschließlich auf seine Soli fixierter Star, sondern ist mit sympathischem Ensemblegeist ausgestattet, weil sie auch anerkennende Worte für die hier engagierten Kollegen findet, besonders für Sopranistin Sophia Christine Brommer – womit sie völlig richtig liegt. Aber auch mit Kerstin Descher (Mezzo), den Tenören Seyung-Hyun Kim und Christopher Busietta sowie Bariton Seung-Gi Jung als Partner konnte sie sich weiß Gott schmücken.
Zwei Kult-Nummern aus Verdis „Traviata“
Regensicher untergebracht im Zirkuszelt der „Troubadour“-Inszenierung zündeten Edusei und die Philharmoniker mit Bizets „Carmen“-Ouvertüre den ersten Knaller. Kerstin Descher ließ als Carmen der Saison 2011/20012 mit der Habanera einen weiteren folgen, wobei sie im weiten Rund noch den Kontakt mit Orchester und Publikum suchte. Kaufmann sang den nächsten Ohrwurm: Puccinis „O mio babbino caro“ war weich und süß. Den Kontrast setzte Seung-Gi Jung („Nemico della patria“ aus „André Chenier“) – ein phantastischer Bariton-Dramatiker, der dies auch in der Musical-Abteilung („Jekyll and Hyde“) fulminant ausspielte. Zurück zum Opernteil, wo auch Ernesto de Curtis’ italienisches Musikbonbon „Torna a Surrienta“ geboten wurde, schmelzend gesungen von Seung-Hyun Kim: Zwei Kult-Nummern aus Verdis „Traviata“, ebenfalls im Spielplan 11/12, gaben den Vorgeschmack auf einen hinreißenden Sopran. Sophia Christine Brommer als Violetta in „Sempre libera“. Das unverwüstliche Trinklied „Brindisi“ durfte als mitgeklatschtes Schmankerl vor der Pause nicht fehlen.
Mit Leonard Bernstein wurde der Musicalteil eröffnet. Nach der wirbelnden „Candide“-Ouvertüre erfreute ein „West Side Story“-Paket. „Tonight“ mit Christopher Busietta (Tony) und das Duett „A boy like that“ mit Kerstin Descher (Anita) zeigte sich Kaufmann als Maria in ihrem stimmlich-gestischen Element. Nach der unvermeidlichen „Argentina“-Schmonzette als jäh erblondete „Evita“ erlebte man dann Kaufmann im Liza-Minelli-Outfit in John Kanders „Cabaret“. Vielleicht hätte man bei „Maybe this time“ mehr frivol-anarchische Aggression spüren wollen. Im Verein mit Tänzerin Stefanie Erb komprimierte sie eine feine choreografisch-optisch-gesangliche Erotik-Szene zu „Cabaret“. Am besten ist Anna Maria Kaufmann in Andrew Lloyd Webbers bestem Musical, dem „Phantom der Oper“.
Die Philharmoniker rissen auf der instrumentalen Seite hin
Nicht nur im orchestral tollen „Phantom“, auch im fetzigen „West Side“-Mambo sowie Calvin Custers perfektem virtuosen „James Bond“-Medley rissen die Philharmoniker unter dem souverän cool befeuernden Edusei auf der rein instrumentalen Seite hin.
Natürlich und von vielen schon bei den ersten Takten freudig begrüßt: Als letzte Zugabe machte Kaufmann das Publikum mit Francesco Sartoris „Time to say Goodbye“ glücklich.
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