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Porträt: Giulio Alvise Caselli: Er kam mit Musik zur Welt

Porträt

Giulio Alvise Caselli: Er kam mit Musik zur Welt

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    Giulio Alvise Caselli studierte Germanistik, um dann zum Gesang zu wechseln. Er ist Bariton am Theater.
    Giulio Alvise Caselli studierte Germanistik, um dann zum Gesang zu wechseln. Er ist Bariton am Theater. Foto: Foto: Silvio Wyszengrad

    Italienische Sänger kennt man als Tenöre, meist kompakt gebaut, nicht allzu groß, dafür mit viel Temperament. Letzteres hat auch Giulio Alvise Caselli, doch er ist ein Bariton. Und mit seinen 1,90 Meter Körpergröße und einer sehr schlanken Figur wirkt er eher wie ein gut trainierter Sportler.

    Weit gefehlt. Der 32-Jährige kann keinem italienischen Gebäck aus dem Weg gehen, auch in Sachen Fitness hält sich die Leidenschaft bei dem Sänger in Grenzen, sagt er selbst. Anders ist das beim Gesang. Tag für Tag übt er viele Stunden, um den Anforderungen gerecht zu werden. Mit viel Erfolg: Die Augsburger Opernfreunde erlebten ihn als Graf in der Hochzeit des Figaro und als Dancairo in Carmen. Demnächst singt er den Dr. Falke in der Fledermaus von Johann Strauß, die am 14. Januar Premiere feiert.

    Obwohl der aus Norditalien stammende Sänger mit seiner Berufswahl inzwischen sehr glücklich ist, hatte er anfangs andere Pläne. „Die deutsche Sprache ist wundervoll“, sagt Caselli. Deshalb wechselte er im Jahr 2000 bei einem Erasmus-Austauschprogramm von der Uni Ferrara nach Regensburg, studierte Germanistik und Sprachwissenschaft. „Ich habe fast alles von Goethe gelesen, viel von Rilke und Kafka.“ Auch Bert Brecht steht immer auf seiner Liste. Trotzdem hat er es bislang noch nicht geschafft, das Brechthaus in der Altstadt zu besuchen. „Ich pendle fast nur zwischen meiner Wohnung und dem Theater.“

    Mutter ist eine bekannte Sopranistin und Musiklehrerin

    Dass der Bariton nach Umwegen doch noch seiner großen Liebe, der Musik, nachgegeben hat, ist verständlich, wenn man sich sein Leben betrachtet: „Ich bin mit Musik auf die Welt gekommen.“ Casellis Mutter Maria Gabriella Munari ist in Italien eine bekannte Sopranistin und unterrichtet als Professorin am Konservatorium in Venetien. Sie brachte ihrem Sohn die klassische Musik nahe, wiegte ihn als Kind mit deutschen Wiegenliedern in den Schlaf. Noch heute ist sie seine schärfste Kritikerin. „Wenn sie im Publikum sitzt, zittere ich.“ Zuletzt war das bei der Hochzeit des Figaro der Fall, als Caselli Anfang Oktober erstmals vor dem Augsburger Publikum sang. Seine Mutter aber war stolz.

    Sein Studium in Regensburg hat der Sänger trotz allem nie bereut. „Ich kam als Einzelkind erstmals weg von zuhause. Das hat gut getan. In dieser Zeit bin ich erwachsen geworden.“ Und alle vier Mitbewohner der damaligen WG sind, sagt Caselli, noch sehr gute Freunde.

    Solche will er jetzt auch in Augsburg finden. Dank seines offenen Wesens dürfte das nicht schwer werden. Ein festes Engagement am Theater Augsburg war übrigens sein größter Wunsch: „Das Haus hat einen sehr guten Ruf, Generalmusikdirektor Dirk Kaftan gilt musikalisch, aber auch menschlich als herausragend.“ Fast hundert Sänger bewarben sich für die Stelle, Caselli war nach dem Vorsingen der Glückliche. Da es inzwischen auch in der Fuggerstadt in diversen Feinkostläden herrliches italienisches Gebäck gibt, ist auch in diesem Bereich alles bestens.

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